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    FUSSBALL: KREISLIGA

    Marktbreit macht fette Beute in Eibelstadt

    Der Marktbreiter Sebastian Störk (links) und Eibelstasdts Leon Lange rangeln um den Ball. Foto: Hans Will

    Wie ein Leuchtturm steht Eibelstadts Trainer in der Landschaft. Drei, vier Meter über der Trainerbank, auf einer steinernen Empore, hat Malte Schulze-Happe Position bezogen: das Shirt so azurblau wie der Himmel, die kurze Hose blütenweiß und unterwegs in Socken. Der 31-Jährige, der an diesem Montag Geburtstag hat, kultiviert das Extravagante. Doch so sehr er das Geschehen mit seiner Größe auch überragt, so sehr er versucht, Signale auszusenden – ein Licht kann er seinen Schützlingen zunächst nicht sein.

    Sie wirken wie Leichtmatrosen in aufgewühlter See, ohne klaren Kurs, ohne Ziel.

    „Gut so, Eibelstadt!“, ruft er ihnen mehrfach zu. Aber nichts ist gut. Am Ende verfehlt die Crew den sicheren Hafen: 0:2 verloren, schon die zweite Niederlage im dritten Saisonspiel der Kreisliga. Dabei sollte es doch hin zu neuen Ufern gehen. „Macht nichts“, sagt Schulze-Happe im Stil des verwegenen Seefahrers, der sich bei seinem Aufbruch nicht von so einer kleinen Irrfahrt abbringen lässt. Wieso auch? Die Reise hat doch für ihn gerade erst begonnen.

    "Wenn wir komplett sind, wird es ganz schwer, uns zu schlagen."
    Malte Schulze-Happe, Trainer des FC Eibelstadt

    Die Party steigt an diesem Samstag ein paar Meter neben ihm. Die Crew der FG Marktbreit/Martinsheim feiert ihren Coup, den furchteinflößenden Freibeutern des FC einen Schatz abgejagt zu haben. Drei Punkte, wer hätte das gedacht? „Nicht einmal die Marktbreiter selbst“, vermutet Schulze-Happe. „Deswegen freuen sie sich auch so – weil sie nicht wissen, dass uns fünf Leute gefehlt haben, weil sie denken, sie hätten einen großen Sieg errungen.“

    Sechs Tore hatten die Eibelstadter in den ersten zwei Spielen gefangen, aber das war angeblich der Grund für die taktische Vorsicht, die sie anfangs gegen Marktbreit walten ließen, eher schon die fünf Spieler, die es zu ersetzen galt, wie der Trainer später sagte. Schulze-Happe setzte auch deswegen auf „Umschaltspiel“, weil er mit einer „sehr langsamen Marktbreiter Mannschaft“ gerechnet hatte.

    Die Strategie mag naheliegend gewesen sein. Aber wenn man sich für die Taktik Marke Überfall entscheidet, wenn man den Gegner überraschen und auskontern will, muss man seine Attacken präziser setzen, muss bei Ballbesitz unverzüglich ins Tempospiel gehen, muss wacher und präsenter sein, als dies in den ersten 45 Minuten von Eibelstadt zu sehen war.

    Und dann war es ausgerechnet ein Schnellangriff Marktbreits, der Eibelstadt überforderte und zum Verhängnis wurde.

    Es riecht verdächtig nach Abseits

    Die Gäste kamen in der 22. Minute über die rechte Seite nach vorne und erstmals gefährlich nahe vors gegnerische Tor, Sebastian Störk schlug den Ball nach innen, und Daniel Mertins grätschte ihn aus nächster Nähe über die Linie.

    Es sah verdächtig nach Abseits aus, aber was sollte der besonnene Schiedsrichter Werner Lutz tun, so ohne offizielle Assistenten an der Linie? Also zählte der Treffer – und die Marktbreiter ließen sich gern von der Führung beflügeln. Mit ihrem kompakten Mittelfeld gewannen sie nun die Hoheit. Es war nun ihr Spiel, wie auch Trainer Christoph Spörer feststellte. Ein „sehr zentrallastiges Spiel, eigentlich gibt es das gar nicht“, so Spörer. Näher mochte er sich dazu nicht einlassen, um nicht zu viel preiszugeben an künftige Gegner.

    Unverhofft war der 36-Jährige kurz vor Saisonbeginn ins Amt gekommen, nachdem sich Trainer Daniel Mache und der Verein auf einen kurzfristigen Ausstieg verständigt hatten.

    Bei Spörer nachzufragen, ob er den Posten übernehmen wolle, bot sich an. Er und Klubvorsitzender Joachim Hupp verstehen sich, zudem kennt Spörer den Verein in- und auswendig. „Ich war all die Jahre nah an der Mannschaft“, sagt er. Ob er erste Wahl für den Posten gewesen sei. „Es wurde mir so gesagt“, sagt Spörer lächelnd.

    Nur eine Kleinigkeit gab es noch zu klären: „Ich musste mit meiner Frau sprechen.“

    Spörer hat drei Kinder, die Familie zerrt an ihm. Und seine Frau? „Sie sagte: Mach's!“ Also machte er es. Spörer wusste, was da auf ihn zukam: nicht weniger als die Aufgabe, nach acht Jahren Bezirksliga und dem Abstieg in die Kreisliga einen Umbruch gestalten zu müssen. Doch nach drei Spielen sieht es nicht so schlecht aus: zwei Siege und die Gewissheit, dass es Marktbreit im Zweifel auch mit den Schwergewichten dieser Liga aufnehmen kann.

    Marktbreit hätte deutlicher führen können

    Die Mannschaft hätte zur Halbzeit in Eibelstadt deutlicher führen können. Zweimal klärte FC-Torwart Maximilian Geißendörfer: einmal in der 33. Minute gegen den auf ihn zustürmenden Mertins und einmal in der 34. Minute gegen den starken Rainer Radlinger, dessen strammen Schuss er mit den Fäusten abwehrte. Es war also mitnichten so, wie es Eibelstadts Trainer darstellte, dass Marktbreit an diesem Nachmittag nur zweimal aufs Tor schoss.

    Allerdings geriet die FG im zweiten Durchgang zunehmend unter Druck. Die Eibelstädter kamen aus der Pause, als hätten sie in der Kabine mit Adrenalin gegurgelt, wirkten nun spürbar entschlossener, wacher, zweikampfstärker. Noch keine halbe Minute war gespielt, da gab Leon Lange eine Art Warnschuss ab.

    Dann folgte die Szene, die aus Eibelstädter Sicht dazu geeignet war, an einer Legende zu stricken: Marktbreits Felix Nagler bekam den Ball an die Hand. „Ein klarer Elfmeter“, wie nicht nur Malte Schulze-Happe fand. Fakt ist: Solche Elfmeter sind in der Bundesliga schon reihenweise gepfiffen worden. Doch dieser Schiedsrichter gab ihn nicht.

    So blieb Eibelstadt zwar die Elf mit den besseren Aktionen, doch sie wirkte nur bedingt angriffsbereit, kam zu selten in den Abschluss. Dominik Schenk zauderte nach seinem Solo, Lukas Ziegler war in der Nachspielzeit zu verblüfft, um den Ball zu kontrollieren. Auf der Gegenseite traf Marvin Endres nach einem kapitalen Fehlpass der Gastgeber zum 0:2.

    So steht beim FC Eibelstadt der Beweis für Schulze-Happes These noch aus. „Wenn wir komplett sind“, sagte der Trainer, „wird es ganz schwer, uns zu schlagen.“

    Die Statistik des Spiels
    Eibelstadt: Geißendörfer – Glaser, Ziegler, Köhne, Schenk – Engelhardt, Woller, Paatz, Berger – Lange, Hemrich. Eingewechselt: Steinruck, Wimmer.
    Marktbreit: Stör – Gebert, Hofstetter, Ott, Störk – Nagler, Stefan Walther, Quentzler, Ambrosch – Radlinger, Mertins. Eingewechselt: Rodrigues da Conceicao, Endres, Holzberger.
    Schiedsrichter: Werner Lutz (Geslau/Gruppe Frankenhöhe). Zuschauer: 150. Tore: 0:1 Daniel Mertins (22.), 0:2 Marvin Endres (90.+4).

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