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    HANDBALL

    Jan Schäffer kehrt nach Erlangen zurück

    Für ihn ist es die Erfüllung eines Traums, für die DJK Rimpar Wölfe wohl fast so etwas wie ein sportlicher Albtraum: Kreisläufer Jan Schäffer wird den Handball-Zweitligisten mit sofortiger Wirkung verlassen, um nach der Winter- und EM-Pause das Trikot seines Heimatvereins HC Erlangen in der Bundesliga zu tragen. Acht Monate nach dem verpassten Aufstieg der Wölfe in die Bundesliga wird für einen von ihnen somit doch noch der Sprung in die stärkste Handballklasse der Welt Wirklichkeit. Das gaben beide Klubs am Mittwochmittag bekannt. Damit bestätigten sie Gerüchte, die bereits seit Anfang der Woche kursiert waren. Am Dienstagmittag hatte Wölfe-Geschäftsführer Roland Sauer einen Wechsel noch dementiert, am Abend berief der HCE eine Pressekonferenz für den nächsten Tag ein. Schäffer erhält in Erlangen einen Vertrag über zweieinhalb Jahre. In Rimpar hatte der 27-Jährige erst im Juni bis 2020 verlängert.

    HC-Talent als Ersatz für Rimpar

    Wie die Wölfe in einer Presseerklärung mitteilten, etablieren sie im Rahmen des Transfers eine Kooperation mit dem HC Erlangen. Um Schäffers Verlust zu kompensieren, erhalten sie im Gegenzug einen Perspektivspieler aus dem Kader des Erstligisten: den 20-jährigen Sergej Gorpishin, ebenfalls Kreisläufer, U-21-Nationalspieler in Russland und Sohn des 270-fachen russischen Nationalspielers Wjatscheslaw „Slava“ Gorpishin. Die Stärken des Zwei-Meter-Nachwuchsmanns, der 100 Kilogramm auf die Waage bringt, liegen in der Abwehr. Der Maschinenbau-Student war erst im Sommer vom Drittligisten HF Springe in seine Geburtsstadt Erlangen zurückgekehrt und hatte dort 18 Einsätze in der Bundesliga. Gorpishin soll diese Woche zur Mannschaft stoßen und mit Zweitspielrecht für Rimpar auflaufen.

    „Die Entscheidung war brutal schwer und sehr emotional für mich“, sagt der gebürtige Nürnberger Schäffer nach seiner Vorstellung bei den Mittelfranken gegenüber dieser Redaktion. „Bei den Wölfen hat so viel gestimmt für mich. Ausschlaggebend war der Reiz der Ersten Liga und der Herausforderung. Da kommen noch mal ganz andere Kaliber und Situationen auf mich zu. Davor habe ich Respekt, aber vor allem freue ich mich darauf.“ Den Verantwortlichen der Wölfe sei er „sehr dankbar, dass sie mich diesen Schritt gehen lassen. Ich hatte eine wunderschöne, erlebnisreiche Zeit in Rimpar. Es ist mir zum zweiten Zuhause geworden.“

    Für die Wölfe bedeutet Schäffers Weggang dennoch einen herben Verlust – erst recht, da sie als Tabellenfünfter mit vier Punkten Rückstand auf den Zweiten wieder um den Aufstieg mitmischen wollen. „Ich kann Jans Entscheidung grundsätzlich nachvollziehen, da es für jeden Leistungshandballer erstrebenswert ist, in der Ersten Liga zu spielen“, sagt DJK-Cheftrainer Matthias Obinger auf Anfrage. „Aber für uns ist der Zeitpunkt seines Wechsels sowohl kalendarisch als auch tabellarisch fatal. Daher überwiegen bei mir momentan noch der Frust und die Enttäuschung. Mit etwas Abstand wird aber sicher auch Stolz hinzukommen, einen Bundesligaspieler entwickelt zu haben. “

    2011, im Alter von 20 Jahren, war das Kraftpaket, das in der Erlangener Schmiede ausgebildet worden war, aber den Sprung in den Profikader zunächst nicht geschafft hatte, von der zweiten Mannschaft des HC zum damaligen Drittligateam der DJK gekommen. Dort nahm der sensible Schäffer die Entwicklung, die ihm in Erlangen vielleicht keiner zugetraut hatte: Er reifte zu einem Führungsspieler und unter Obinger, dem er sehr nahe steht, sogar zu einem der besten Kreisläufer der Zweiten Liga. „Jan und ich sind uns sehr verbunden. Daher bin ich wirklich auch sehr traurig“, sagt der DJK-Trainer.

    Schäffers Entwicklung blieb freilich auch den Verantwortlichen seines Jugendvereins nicht verborgen. Schon seit längerem soll der HCE Interesse an seiner Verpflichtung gehabt haben. Seit der Klub im Dezember einvernehmlich den Vertrag mit dem zumeist verletzten Uros Bundalo aufgelöst hat, der in eineinhalb Jahren nur zu neun Einsätzen kam, fehlt ihm ein zweiter Kreisläufer hinter Jonas Thümmler.

    Erlangen wildert wieder

    Und so wilderten die Mittelfranken, wie zuletzt schon zweimal, erfolgreich bei anderen Vereinen. Nachdem sie erst Nico Büdel vom HSC 2000 Coburg zu sich gelotst hatten, warben sie mitten in der Hinrunde mit dem Isländer Adalsteinn Eyolfsson den Übungsleiter des Ligakonkurrenten TV Hüttenberg als Nachfolger für den geschassten Schweden Robert Andersson ab. Die Ansprüche des aktuellen Bundesliga-13. sind andere als Mittelmäßigkeit mit latenter Abstiegsgefahr. „So ist das Geschäft im Profisport eben“, sagt Obinger zum Gebaren des HCE. „Dieses Geschäft kennt keine Moral.“

    Mit Schäffer verliert der DJK-Trainer einen kompletten Spieler. In der Abwehr im Innenblock neben Kapitän Stefan Schmitt der Chef, im Angriff mit 59 Toren in der laufenden Saison der fünftbeste Torschütze, wird er für die Wölfe mit seiner Klasse erst mal kaum zu ersetzen sein. Das Rimparer Spiel, das von blindem Verständnis und Automatismen lebt, weil der Stamm des Kaders seit Jahren unverändert ist, war auch auf Schäffer zugeschnitten. „Wir werden unser System deswegen nicht ändern“, sagt Obinger, der nun auf den zuletzt starken Patrick Gempp als neue Nummer eins am Kreis setzt.

    „Aber keine Frage: Jans Weggang schwächt uns und kann uns auch unseren guten Tabellenplatz und unsere gute Ausgangslage kosten.“

    So steigen die Wölfe am kommenden Montag mit einem Leistungsträger weniger in die Vorbereitung für die am 11. Februar mit dem Heimspiel gegen die HG Saarlouis beginnende Rückrunde ein. Ironie des Schicksals: Ihr Athletiktrainingslager führt sie vom 19. bis 21. Januar nach Nürnberg und Erlangen.

    Von unserem Redaktionsmitglied Natalie Gress

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