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    Bob: Weltcup

    Großer Sieg mit bitterem Beigeschmack für Johannes Lochner

    In Winterberg wird der Berchtesgadener mit dem Unterfranken Christian Rasp im Viererbob zum vierten Mal Europameister. Doch im Zweier verliert er seinen Startplatz.
    Das etwas größere Bierchen schmeckte Johannes Lochner (rechts) nach seinem vierten EM-Titel im Viererbob hintereinander- später nach seiner Ausbootung im Zweierbob dann wohl nicht mehr so sehr. Die Schubkraft zum Titel hatten (von links) Florian Bauer, Christian Rasp und Christopher Weber (verdeckt) entwickelt.
    Das etwas größere Bierchen schmeckte Johannes Lochner (rechts) nach seinem vierten EM-Titel im Viererbob hintereinander- später nach seiner Ausbootung im Zweierbob dann wohl nicht mehr so sehr. Die Schubkraft zum Titel hatten (von links) Florian Bauer, Christian Rasp und Christopher Weber (verdeckt) entwickelt. Foto: Caroline Seidel

    Derart formatfüllend war das Gesicht von Christian Rasp wohl noch nie im Fernsehen. Ein grimmiger Blick in die Kamera, ein Schrei und die Faust zeigte der Anschieber aus dem unterfränkischen Mainbernheim auch noch. Dann wandte sich Rasp um zu seinen Teamkameraden Johannes Lochner, Florian Bauer und Christopher Weber die am Samstag schon in enger Umarmung hüpfend den großen Sieg feierten.  Die Emotionen brachen sich deshalb so gewaltig Bahn, weil Lochners Crew seit Wochen unter Druck steht und um ihr Standing im besten Bob-Nationalteam der Welt kämpfen muss.

    Um zwei Hundertstelsekunden hatte Lochners Viererbob die nach dem ersten Durchgang des zweiten Weltcup-Rennens am Wochenende in Winterberg führende Crew von Francesco Friedrich noch abgefangen. Das bedeutete nicht nur den ersten Weltcup-Sieg für Lochner in der Königsklasse des Bobsports in diesem Winter, sondern in paralleler Wertung auch den vierten Europameister-Titel im Vierer hintereinander. "Das muss uns erst einmal jemand nachmachen", befand der begeisterte Berchtesgadener, auch wenn ihm ein weiterer WM-Titel lieber gewesen wäre. 2017 war er bei der EM in Winterberg erfolgreich, 2018 in Innsbruck-Igls und im vergangenen Winter auf seiner Heimbahn am Königssee. Immer mit Rasp (30) im Schlitten. Der frühere Sprinter ist seit dessen Anfängen im Senioren-Bereich ein treuer Wegbegleiter von Lochner und ein Garant dafür, dass die Startzeiten stets zu den besten zählen.

    Mit dem Helm auf die Bande

    Im ersten Lauf wäre Lochner fast in der Zielkurve gestürzt. Mit seinem Helm krachte der Pilot spektakulär in die Bande, aber der Schlitten kippte zurück in die Spur. Dass Lochner unbeschadet daraus hervorging, hatte er seiner ausgeprägten Muskulatur im Halsbereich zu verdanken. Trotz der unfreiwilligen Einlage betrug der Rückstand auf Friedrich nach dem ersten Durchgang nur zwölf Hunderstelsekunden. Normalerweise ist das aber zu viel, um Friedrich noch zu gefährden. Doch der Doppelolympiasieger ist in dieser Saison nicht mehr so unantastbar wie in den vergangenen Jahren und patzte kurz vor dem Ziel des zweiten Laufs entscheidend. Das nutzte Lochner, der im ersten der beiden Vierer-Rennen in Winterberg noch um eine Hundertstel gegen den Letten Oskars Kibermanis das Podium verpasst hatte. Und der EM-Titel im Vierer bleibt der einzige, der Friedrich in seiner großen Sammlung noch fehlt.

    Nico Walther vervollständigte als Dritter am Samstag den deutschen Triumph. Der Kanadier Justin Kripps, der die beiden ersten Viererbob-Weltcups noch gewonnen hatte, musste sich mit Rang sechs begnügen. Auch bei den Frauen, die nur im Zweierbob fahren, gab es für die Pilotinnen Stephanie Schneider, Mariama Jamanka und Laura Nolte einen deutschen Dreifacherfolg.

    Bundestrainer entscheidet: Oelsner verdrängt Lochner

    Trotz ihres Erfolges verließen Lochner und Co. das Sauerland keineswegs in allerbester Stimmung. Bei den nächsten drei Weltcups im französischen La Plagne, in Igls und auch am heimischen Königssee darf Lochner nur im Vierer starten. Für die Zweierbob-Wettbewerbe hat Bundestrainer Rene Spies den Junioren-Weltmeister Richard Oelsner berufen. Überzeugt der 26-Jährige bei seinem Debüt, wird er auch die restlichen Zweier-Bob-Weltcups und die WM in Altenberg bestreiten. Erfüllt Oelsner die Erwartungen nicht, muss er sich über die Junioren-WM in Winterberg (8./9. Februar) qualifizieren - der Sieger dort erhält einen WM-Startplatz - und Lochner wäre wieder im Spiel.

    Kommentieren wollte Lochner die vorläufige Rückstufung nicht. "Das entscheiden die Trainer", sagte er nur. Für den 29-Jährigen ist das ungewöhnliche Splitting beim dritten deutschen Startplatz aber frustrierend. Immerhin hatte er den ersten Zweierbob-Weltcup im Dezember in Lake Placid mit Florian Bauer als Anschieber gewonnen. Doch für Bundestrainers Spies spielt offenbar eine größere Rolle, dass Oelsner sowohl bei der deutschen  Zweierbob-Meisterschaft als auch bei den zwischen Weihnachten und Silvester angesetzten Selektion deutlich vor Lochner einkam. Beide Rennen wurden im sächsischen Altenberg ausgetragen, auf Oelsners Heimbahn, wo auch die WM zum Saisonabschluss (17. Februar bis 1. März) stattfinden wird.

    Für den WM-Start im Vierer ist der Hansi, wie Lochner in der Szene genannt wird, immerhin schon fix nominiert.

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