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    FAUSTBALL: 2. BUNDESLIGA

    Wie die Segnitzer Faustballerinnen deutscher Meister werden wollen

    Auf ihre Spielführerin Tatjana Müller werden die Segnitzer Faustballerinnen längere Zeit verzichten müssen. Hess Foto: Hartmut

    Einsam ziehen die Faustballerinnen des TV Segnitz ihre Kreise an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga Süd – was auch nicht anders zu erwarten war, gehört die Mannschaft mit ihrem Potenzial doch unbedingt in die Beletage des deutschen Frauenfaustballs. Selbst in diesen trüben Wintertagen herrscht eitel Sonnenschein bei den Segnitzer Sportlerinnen. Nur ein Wermutstropfen in Form der schweren Knieverletzung Tatjana Müllers ließ den vorweihnachtlichen Glühwein etwas bitterer schmecken.

    Denn beim letzten Spieltag – dem ersten der Rückrunde – in Schwabach verloren sie neben dem erst zweiten Satz im Saisonverlauf auch Tatjana Müller. Die 27-Jährige ist die älteste und erfahrenste in der Mannschaft und nimmt als Spielführerin und Zuspielerin eine zentrale Rolle im Team ein. Kreuzband gerissen und der Meniskus in Mitleidenschaft gezogen, so lautete die Diagnose, die Müller nun eine unfreiwillige Auszeit von mindestens einem halben Jahr bescheren wird.

    „Das Schöne ist, dass wir erstmals aus einem kompletten Kader schöpfen können.“
    Uli Lauck, Trainer des TV Segnitz

    „Ich könnte Sophie Müller auch zuspielen lassen, doch ich nutze jetzt die Gelegenheit in der zweiten Liga, um unsere erst 16-jährige Lena Mark gezielt als Zuspielerin aufzubauen“, sagt Trainer Uli Lauck zu seiner Strategie. Denn Lena Mark würde sich erst in der 1. Bundesliga viel schwerer tun, sich zu akklimatisieren. „Das Schöne ist, dass wir seit dieser Runde erstmals aus einem kompletten Kader schöpfen können“, sagt Lauck. Mit Sophie Müller und Helen Gernet war der TV Segnitz in der Defensive schon immer erstklassig besetzt, dazu kam die erstligaerfahrene Antonia Fuchs aus Eibach, Ursina Sagstetter ist eine gute Alternative. Entpuppte sich der Angriff in naher Vergangenheit immer als Segnitzer Achillesferse, so ist die Mannschaft jetzt bestens situiert.

    Luisa Kaemmer kann nach einem Auslandsaufenthalt wieder voll mitmachen, und in Svenja Schröder hat der TV Segnitz vor gut einem Jahr das große Los gezogen. Nach der Auflösung der Erstliga-Mannschaft des TV Eibach konnte Uli Lauck der Nationalspielerin einen Wechsel nach Segnitz schmackhaft machen, und allein dank ihrer Qualität stiegen die Segnitzerinnen aus dem Mittelmaß der 1. Bundesliga in der Feldrunde in die erweiterte Spitze auf. Die amtierende Welt- und Europameisterin aus dem Nürnberger Vorort verlieh dem Team bisher ungekannte Offensivqualität. Auf Anhieb schaffte es der TV Segnitz auf den dritten Platz in der Feldrunde 2019 und qualifizierte sich für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft.

    Die 21-jährige Nationalspielerin ist eine Powerfrau, der Uli Lauck noch vermitteln will, dass sie nicht immer alles alleine schultern und gewinnen müsse. „Ich möchte ihr auch mal Ruhepausen gönnen – und mit Luisa Kaemmer geht das auch“, sagt der Trainer, der seine wertvollste Spielerin zu schätzen weiß, ihr aber nahebringen will, etwas mit ihren physischen und mentalen Kräften hauszuhalten. „Svenja und Luisa harmonieren immer besser“, hat Lauck festgestellt. Da fällt es auch nicht mehr ins Gewicht, dass die Segnitzer Faustballerinnen keine Trainingshalle mit den geforderten Spielmaßen haben und keinen Heimspieltag ausrichten können.

    „Klar“, so Lauck „kann die Mannschaft praktisch nie komplett zusammen trainieren, aber das können wir durch die Qualität im Kader kompensieren.“ Seine Einschätzung spiegelt sich in der Tabelle, die den TV Segnitz mit der makellosen Bilanz von 20:0 Punkten als Ersten ausweist. Auf den weiteren Plätzen folgen mit jeweils acht Minuspunkten der TSV Staffelstein und der TV Unterhaugstett. Da liegt ein Segnitzer Durchmarsch auf der Hand, und die Aufstiegsspiele zur 1. Bundesliga im Anschluss an das reguläre Saisonende am 2. Februar sollten ebenfalls keine zu hohe Hürde darstellen.

    „Wir spielen eine Runde zum Probieren, und mein Fokus liegt neben dem Aufstieg auch in der Hallenrunde vor allem auf dem Einspielen für die Feldrunde“, skizziert Lauck seine saisonübergreifende Taktik. Denn er will mit den Seinen nicht nur in der 1. Bundesliga eine gute Rolle spielen, sondern – dank der herausragenden Qualität Svenja Schröders – auch eine Medaille bei der deutschen Meisterschaft erringen. Das Potenzial haben sie, ob Tatjana Müller nun mithelfen kann oder nicht. Die Breite und Tiefe des Kaders gibt es her, den Favoriten der Nord-Gruppe der 1. Bundesliga zu trotzen.

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