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    FUSSBALL

    Aaron Zehnter will Fußballprofi werden

    Von Sonderhofen ins Schwabenland: Aaron Zehnter, bislang bei Kickers Würzburg, wagt den Sprung ins Nachwuchsleistungszentrum des FC Augsburg. Foto: Steffen Forstner

    6.30 Uhr Aufstehen, 7.45 Uhr Schulbeginn, danach Essen, Training, Hausaufgaben und nochmal Training: Seit dem 1. Juli ist der Alltag eines Fußball-Talents, das im Nachwuchs-Leistungszentrum (NLZ) eines Profivereins ausgebildet wird, auch für Aaron Zehnter Realität. Der 14-Jährige aus Sonderhofen ist gerade von den Würzburger Kickers in das NLZ des Erstligisten FC Augsburg gewechselt. Mit dem FCA wird Aaron (Jahrgang 2004) bald U17-Bayernliga spielen.

    Bei den Kickers spielte er zuletzt in der U15-Bayernliga. Dort wurde er in diesem Jahr mit seinen Kameraden zunächst nordbayerischer, dann gesamtbayerischer Meister. Dank eines 6:1 gegen den ASV Neumarkt gelang Anfang Juni der Sprung in die Regionalliga, die höchste Spielklasse dieser Altersgruppe. Dreifacher Torschütze schütze beim Relegationsspiel: Aaron Zehnter. Für den Linksaußen war es der perfekte Abschluss seiner Karriere bei den Kickers, für die er seit der U14 im Einsatz war. Denn längst stand zu dieser Zeit sein Abschied nach Augsburg fest.

    Obwohl die Kickers ebenfalls das Gütesiegel als lizenziertes Bundesliga-NLZ tragen und Aaron Zehnter in Würzburg – wie nun in Augsburg – ab der neuen Saison U17-Bayernliga hätte spielen können, entschieden sich seine Familie und er für einen neuen Weg.

    Sein Sohn habe die Kickers nicht verlassen, weil er irgendwie unzufrieden gewesen sei, betont Aarons Vater, Georg Zehnter. In der Kommunikation sei alles stets offen und ehrlich gelaufen. Letztlich sieht die Familie in Augsburg aber noch etwas bessere Entwicklungschancen für Aaron. „Es ging einfach darum, noch einmal den nächsten Schritt zu machen“, sagt Zehnter, der selbst lange Zeit als Spieler und später als Trainer aktiv war.

    Ein solcher nächster Schritt ist es auch für Aaron, selbst wenn er formal zunächst mit Augsburg in der selben Liga spielt, wie er das mit den Kickers getan hätte. Denn der FCA tritt in der U17-Bayernliga im Gegensatz zu den Kickers, die mit einer U17 (Jahrgang 2003) an den Start gehen, mit einer reinen U16-Auswahl (Jahrgang 2004) an. Der ältere U17-Jahrgang der Augsburger ist in der Junioren-Bundesliga zu Hause, so dass Aaron bei idealem Verlauf die Chance erhalten könnte, über kurz oder lang dorthin aufzurücken.

    Der Flügelflitzer begann mit dem Fußballspielen in der Jugend seines Heimatvereins SV Sonderhofen, landete dann über den Würzburger FV beim Stadtrivalen Kickers. Zu seinen größten Stärken zählt er sein sicheres Passspiel, seine feine Schusstechnik und seine Übersicht auf dem Platz. „An meiner Position gefällt mir am meisten, dass ich viele Flanken schlagen kann und oft selber zum Torabschluss komme“, sagt Aaron. Der Abschluss scheint dem 14-Jährigen ohnehin zu liegen. In 26 Liga-Spielen erzielte er vergangene Saison 22 Tore.

    Trotz ausgeprägtem Torinstinkt gibt es auch Dinge, in denen das Talent Verbesserungspotenzial bei sich sieht. Vor allem in der Zweikampfführung bei gegnerischem Ballbesitz müsse er noch zulegen. Daran wird in Augsburg nun sicher weiter gearbeitet. Aarons erste Eindrücke sind positiv. „Es ist sehr schön dort“, sagt der Jugendliche und lobt seinen Trainer, der ihm viel beibringen könne.

    Der Sonderhöfer wohnt im bayerischen Schwabenland – gemeinsam mit zwei anderen Jungs, die ebenfalls beim FC Augsburg spielen, in einer vom Verein gemieteten WG. Dort werden die jungen Leute zwar von Pädagogen begleitet, sie müssen aber beim Putzen, Waschen oder Einkaufen selbst Hand anlegen. So werden sie zur Selbstständigkeit erzogen.

    Die Umstellung, auch was die Entfernung von Zuhause angeht, fällt dem 14-Jährigen leichter als gedacht, weil seine Familie ihn so oft es geht besucht, um ihm die Eingewöhnung zu erleichtern. „Ich hatte schon etwas Angst vor Heimweh und habe es mir schwieriger vorgestellt“, sagt der Realschüler, der in Augsburg eine Kooperationsschule besucht. „Aber ich sehe meine Familie relativ häufig und das hilft mir.“

    Zuletzt befand er sich ein paar Tage auf Heimaturlaub, bevor es für ihn mit den neuen Teamkollegen zu einem internationalen Turnier nach Südkorea ging. Für seine Eltern sind die zahlreichen Kilometer, die sie auf der Autobahn zurücklegen, natürlich auch Stress. Aber sie nehmen das gerne auf sich. „Wenn es meinem Sohn gut geht, geht es auch mir gut“, sagt Papa Georg, wenn er sich mal wieder ins Auto setzt, um die 220 Kilometer abzuspulen.

    Das Auto war die letzten Monate ohnehin ein sehr beliebtes Fortbewegungsmittel für Familie Zehnter. Sie hat eine kleine Deutschlandtournee hinter sich, um den passenden Verein für Aaron zu finden. Ob Nürnberg, Frankfurt, Ingolstadt, Hoffenheim, sogar RB Leipzig – alle hätten Aaron Zehnter gern verpflichtet.

    Bei den drei letztgenannten Klubs war er zum Probetraining, nachdem Talentspäher ihn zuvor bei der Bayernauswahl, Sichtungslehrgängen oder den Kickers-Spielen gesehen hatten. Am Ende fiel die Wahl auf Augsburg, wo der 14-jährige zweimal mittrainierte. Für den FCA habe das Gesamtpaket gesprochen, sagt Georg Zehnter. Ein Riesenplus sei neben dem familiären Flair und der noch humanen Entfernung auch der Trainer gewesen, der einen sehr guten Eindruck gemacht habe.

    Eine gute Basis für das große Fernziel, das Aaron Zehnter verfolgt: Er will Profifußballer werden. Doch dazu muss er sich nicht nur vor seinen Gegenspielern behaupten, sondern sich auch dem Konkurrenzkampf im eigenen Team stellen. „In erster Linie zählt die Mannschaft. Aber auf diesem Niveau ist es schon so, dass jeder auch für sich selbst kämpfen muss, um weiterzukommen“, sagt Aarons Vater.

    Die Arbeit beginne jetzt erst so richtig, da sich nur diejenigen durchsetzen könnten, die ihr Ziel in aller Konsequenz verfolgen und auch Entbehrungen in Kauf nehmen würden. „Um Profi zu werden, muss einfach alles passen“, sagt Georg Zehnter realistisch. Talent mache auf diesem Weg nur zwanzig Prozent aus, achtzig Prozent seien Wille und Leidenschaft, meint er.

    Und wenn es Aaron nicht nach ganz oben schafft? „Das wäre keine Schande“, sagt Papa Zehnter. „Dann hat er trotzdem eine gute Ausbildung genossen, von der er später anderswo profitiert.“

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