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    FUSSBALL: KREISLIGA

    In Dettelbach ist schon jetzt Feuer unterm Dach

    Nach einem Spiel ist Trainer Thomas Freund schon weg aus Dettelbach Foto: Hans Will

    Ausgerechnet vor dem Duell mit ihrem ehemaligen Trainer-Duo Thomas Hofmann und Tim Reiner stehen die Kicker aus Dettelbach und seiner Ortsteile ohne Trainer da. Der Nachfolger der beiden, Thomas Freund, bat die Vereinsverantwortlichen am Montag – einen Tag nach der 0:5-Heimniederlage zum Saisonstart der Kreisliga gegen Aufsteiger SC Lindleinsmühle – um Auflösung seines Vertrages, offiziell aus beruflichen Gründen. Bis auf Weiteres hat Daniel Rügamer, Coach der Dettelbacher Reserve, Freunds Posten übernommen.

    Nach dem Abstieg im Mai aus der Bezirksliga Ost ist dies nun ein weiterer Rückschlag für den Verein. „Mich hat sein Rückzug nicht überrascht, selbst wenn der Zeitpunkt denkbar ungünstig ist für uns“, sagt Sportvorstand Christian Graber zum Aus des Trainers. Der hatte seit der Amtsübernahme in Dettelbach vor allem mit personellen Problemen zu kämpfen.

    Mit Reiner und Hofmann hatten damals fünf potenzielle Stammspieler den Klub Richtung Bayern Kitzingen verlassen. Diesen Aderlass haben die Dettelbacher bislang nicht kompensieren können. Im Sommer ist nun auch noch Philipp Waigandt zu den Bayern gewechselt. Neuzugänge gab es nicht.

    Verein zahlt Spielern kein Geld

    „Wir haben mit Spielern gesprochen, aber wir konnten sie nicht davon überzeugen, nach Dettelbach zu kommen“, berichtet Thomas Freund rückblickend. Das habe auch daran gelegen, dass der Verein – im Gegensatz zu anderen – kein Geld bezahlen wollte, was keinesfalls als Kritik gemeint sei. Die Dettelbacher verfolgen eine klare Linie, die jedoch die Verpflichtung interessierter Spieler erschwere, wie Freund findet. Als Alibi möchte der Coach das nicht verstanden wissen. Freund sagt: „Die Mannschaft hat Qualität.“ Und: „Mit etwas Glück hätten wir sogar die Bezirksliga halten können.“

    Was dem Glück der Dettelbacher im Wege stand: Verletzungen oder berufliche Veränderungen von Spielern. Dies habe den personellen Engpass weiter vergrößert. Der Abstieg war – zumindest aus der Sicht Freunds – nicht zu vermeiden. Trotz dieser Negativerlebnisse war die Hoffnung groß, dass es eine Spielklasse weiter unten besser werde. Die Vorbereitung und die Testspiele seien ordentlich gewesen.

    Total aus der Bahn geworfen

    Doch dann kam der erste Spieltag der Kreisliga-Saison: 0:5 verloren die Dettelbacher gegen einen Aufsteiger, der sicherlich kein schlechter ist und sich kürzlich mit Ex-Kickers-Akteur Joseph Mensah verstärkt hat. Dabei hatten die Gastgeber gut begonnen. Doch ein erneuter personeller Rückschlag genügte offenbar, um sie total aus der Bahn zu werfen: Ihr Torwart Bastian Ringelmann hatte sich nach rund einer Viertelstunde verletzt und musste vom Platz. Danach nahm das Schicksal seinen Lauf – und der Aufsteiger den verunsicherten Absteiger auseinander.

    Dieses Spiel, so versichert Freund, sei allerdings nicht ausschlaggebend gewesen für seinen unvermittelten Rückzug. „Ich bin beruflich sehr eingespannt, habe weitere Projekte dazubekommen. Beruf und Traineramt waren daher nicht mehr vereinbar“, begründet der 56-Jährige. Ein seltsamer Zufall bleibt es dennoch. Keine 24 Stunden lagen zwischen Schlusspfiff und Rücktrittsgesuch. Kaum anzunehmen, dass sich Freunds „weitere berufliche Projekte“ in dieser Zeitspanne ergaben. Es ist nicht der einzige Widerspruch in dieser Sache. So erklärt Freund: Zwischenmenschlich habe es gestimmt. Es seien alles feine Kerle. Nur hätten sie einfach keinen Lauf gehabt.

    Sportvorstand Graber teilt die Einschätzung des Ex-Trainers so nicht. „Spielerisch sind wir eine sehr gute Mannschaft. Aber einigen fehlt es an der nötigen Einstellung.“ Sie hätten sich ihrem Gast am Sonntag schlicht ergeben. Ein Szenario, das Graber bereits in der vergangenen Saison mehrmals beobachtete. „Zudem denken einige, sie müssten nicht mehr zum Training kommen, weil sie sowieso spielen“, sagt Graber, der frustriert ist angesichts der Entwicklungen zu dieser frühen Zeit.

    Und ausgerechnet jetzt kommt es zum Duell mit dem ehemaligen Trainer-Duo, das damals gerne in Dettelbach weitergemacht hätte. Aber Graber steht weiter zu seiner damaligen Entscheidung, auch wenn er einräumen muss: Aus sportlicher Sicht war sie ein Eigentor. „Ich bin stolz darauf, dass wir ausschließlich Dettelbacher Jungs im Kader haben“, sagt der Vorsitzende, und er hofft, dass genau die am Kitzinger Bleichwasen den Bock umstoßen und eine entsprechende Reaktion auf die jüngsten Ereignisse zeigen.

    Dettelbachs Sportvorstand Christian Graber nimmt nun die Spieler in die Pflicht. Foto: Hans Will

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