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    HANDBALL: LANDESLIGA

    Pleichach geht vor Knoppe in die Knie

    Abklatschen nach dem wichtigen Sieg (von links): Katharina Knoppe, Anja Sahlmüller, Betreuer Christian Liebenstein und Trainer Marcus Müller (alle HSG Volkach). Foto: Hartmut Hess

    Abstiegskampf verheißt meist nichts für Handball-Ästheten. Dieser Erfahrungswert bewahrheitete sich auch im unterfränkischen Kellerduell in der Frauen-Landesliga Nord. Das für beide Seiten immens wichtige Spiel entpuppte sich in der Anfangsphase als Fehler-Festival, bei dem sich beide Mannschaften mit defizitären Auftritten selbst das Leben schwer machten. Die Gastgeberinnen vermochten zumindest nach der Pause die Fehlerquote zu reduzieren. Torfrau Katharina Knoppe wurde zur Patin des 20:17 (11:8)-Sieges.

    Zu Beginn hinterließ Pleichach spieltechnisch einen etwas besseren Eindruck, doch alle noch so frei gespielten Gäste-Damen scheiterten am der Latte, fanden in Katharina Knoppe ihre Meisterin oder warfen neben das Tor. „Die schlechte Chancenverwertung ist seit Wochen unser großes Manko“, bestätigte Pleichachs Trainer Jochen Bauer die Vermutung des neutralen Beobachters. Nach dem Fehler-Reigen stand nach neun absolvierten Minuten ein mickriges 1:1 auf der Anzeigetafel. Beide Mannschaften betrieben einen großen Aufwand, doch erzeugten die Positionsangriffe kaum Treffer und wenn doch mal eine Spielerin frei vor dem Tor auftauchte, spielte den meisten das flatternde Nervenkostüm einen Streich. „Da bist du als Trainer hilflos auf der Bank, wenn deine Spielerinnen selbst klarste Torgelegenheiten nicht im Netz unterbringen“, sagte Bauer. Seine Mannschaft war mit zwei Punkten mehr als Volkach angereist und hätte mit einem Derby-Sieg die eigenen Chancen auf den Klassenerhalt vorentscheidend verbessern können.

    War es Angst vor dem Abstieg, vor der eigenen Courage oder vor der bärenstarken Kathrina Knoppe? Jedenfalls spielten die Gäste in der zweiten Halbzeit mehr quer denn Richtung Volkacher Tor. Viele schoben die Verantwortung lieber an die nächste Mitspielerin weiter. Den größten Angst-Faktor bildete aber Katharina Knoppe, die nach dem Seitenwechsel zur Hochform auflief, worauf die Pleichacherinnen förmlich vor ihr in die Knie gingen. Die Volkacher Torhüterin entschärfte einen Wurf nach dem anderen, pflückte manche Würfe sogar fangend herunter und machte am Ende alleine mehr als die drei Tore Unterschied aus. „Ein Torwart ist nur gut, wenn auch die Abwehr davor gut steht“, relativierte Volkachs Trainer Marcus Müller Knoppes Gala-Vorstellung. „Die Mannschaft hat heute das umgesetzt, was wir trainiert und uns vorgenommen haben“, meinte der Übungsleiter und stellte den Teamgedanken in den Vordergrund. Zwei Pluspunkte spielten ebenfalls eine Rolle für die Mainschleifen-Handballerinnen. Anja Sahlmüller am Kreis zündelte in der Pleichacher Abwehr und holte mehrere Siebenmeter heraus. Als es darum ging, Verantwortung zu übernehmen, drückte sich Sandra Hämmerlein nicht. Obwohl sie immer noch angeschlagen ist, verlieh die sehr erfahrene Rückraumspielerin ihrer Mannschaft Impulse und war mit sechs Treffern die erfolgreichste Werferin des Abends. Ihre Abgeklärtheit ging Pleichach ab, und die 17 Treffer der Gäste waren nicht ausreichend, um die zwei angestrebten Zähler zu ergattern.

    Die bessere Ausgangslage ist jetzt für Pleichach dahin. Beide Mannschaften sind weiterhin Tabellennachbarn, doch jetzt weist Volkach ebenfalls 18:28-Punkte auf und steht wegen des direkten Vergleichs am Ende vor Pleichach. „Wir spielen noch in Sulzbach-Rosenberg und bei Schlusslicht Schweinfurt, da können wir uns noch retten“, meinte Jochen Bauer. Mit Angsthasen-Handball wird das aber nicht gelingen. „Wir haben die wichtigen zwei Punkte heute und schauen nur auf uns“, schilderte Marcus Müller seine Strategie für die noch verbleibenden drei Saisonspiele. „Es wird wahrscheinlich erst am letzten Spieltag entschieden, wer der dritte Absteiger sein wird“, prognostizierte Marcus Müller und verlor im Moment des Erfolgs nicht die Bodenhaftung.

    Die Statistik des Spiels

    Handball Bayernliga Frauen: HSG Volkach – HSG Pleichach 20:17 (11:8)

    Volkach: Bördlein, Knoppe, Wirsching 1, Liebenstein, Kimmel, Landmann, Sahlmüller 1, Hämmerlein 6/1, Wagenhäuser 3, Wagner, Schuster 1, Scheller 3, Werner, Krämer 5/3.

    Pleichach: Steppan, Göbel, Fuchs 4, T. Wald, A. Wald 2, Guggenmoos-Schreyer 1, Baumeister 3/3, Königer 1, Kaingu, K. Wald 1, Müller 1, Früh 4.

    Schiedsrichter: Udo-Marcel Herrmannstädter/Petronela Richter (Herzogenaurach).

    Zuschauer: 160.

    Zeitstrafen: 4:6 Minuten (2x Kimmel – Fuchs, Katharina Wald, Früh).

    Siebenmeter: Volkach 4 (4 verwandelt), Pleichach 4 (3).

    Spielfilm: 1:1 (9.), 4:4 (15.), 6:4 (19.), 9:7 (20.), 11:8 (HZ), 11:10 (35.), 17:12 (43.), 18:14 (51.), 18:16, 20:17 (Endstand).

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