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    FUSSBALL: KREISKLASSE

    TSV Aub: Sportliche Krise als Ansporn

    „Eigentlich ist es eine Situation zum Davonrennen“ – Christopher Dietl, Trainer des Kreisklassisten TSV Aub. Foto: Alexander RAusch

    In den vergangenen drei Jahren ging es für den TSV Aub sportlich nur in eine Richtung: nach oben. Dem Aufstieg 2017 in die A-Klasse ließ der TSV gleich im Jahr darauf den Sprung in die Kreisklasse folgen. Dort belegte die Mannschaft in der Vorsaison als Aufsteiger einen achtbaren sechsten Tabellenplatz und schien damit auf dem besten Weg, sich in der Liga zu etablieren. Dass das jedoch ein schwierigerer Prozess ist als vermutet, zeigt sich in der Frühphase der aktuellen Spielzeit. Erstmals seit Jahren durchschreiten Verein und Mannschaft ein sportliches Tal und drohen Kreisklasse Würzburg 2 in eine Negativspirale zu geraten.

    „Eigentlich ist es eine Situation zum Davonrennen,“ sagt Aubs Trainer Christopher Dietl angesichts von drei Niederlagen in ebenso vielen Partien, die sein Team zum Saisonstart einstecken musste. Damit rangiert der Klub, der in den letzten Jahren ausschließlich tabellarische Höhenluft genoss, derzeit am Ende des Klassements und muss miefigen Kellergeruch atmen. Eine ungewohnte Situation sei das für alle Beteiligten, räumt Dietl ein. Doch betrachtet der Übungsleiter die prekäre Lage eher als Ansporn denn als Last. „Ich sehe das für mich persönlich als Herausforderung. Es ist eben mal was anderes, als nur auf der Erfolgswelle zu schwimmen,“ stellt sich Dietl, der den TSV von der B-in die Kreisklasse führte, mannhaft den Gegebenheiten.

    Was bei ihm noch mitspielt, ist der Ehrgeiz, das Team nach der Saison nicht als Absteiger übergeben zu müssen. Denn die laufende Spielzeit wird Dietls letzte als Trainer in Aub sein. „Ich habe in diesem Verein eigentlich sämtliche Führungspositionen schon einmal ausgeführt, war Vorstand, Sportleiter und Trainer. Irgendwann reicht es und allen tut ein Tapetenwechsel gut,“ erläutert der Coach die Entscheidung. Eigentlich habe er schon vor dieser Saison aufhören wollen und auch bereits bei einem anderen Verein zugesagt. Doch als „Mädchen für alles“ war er in Aub schlicht nicht zu ersetzen und kam daher der Bitte des Vorstandes nach, sein Engagement noch einmal zu verlängern.

    Allerdings scheint sich abzuzeichnen, dass aus einer entspannten Abschiedstournee nichts wird. Mit zu vielen Problemen hat der TSV auf dem Platz zu kämpfen, als dass sich Dietl beruhigt zurücklehnen könnte. Vor allem personell ist der Klub derzeit arg gebeutelt. Verletzungen, Urlauber und absente Studenten sorgen für einen erheblich ausgedünnten Kader. „Derart viele Ausfälle habe ich noch nicht erlebt, seit ich hier bin,“ hadert Dietl, dem im bisherigen Saisonverlauf schon bis zu acht Akteure gleichzeitig fehlten, mit dem Schicksal. Eines, das der Trainer jedoch nicht nur unter Pech verbucht.

    Nein, Dietl hat ebenso eine allgemeine Entwicklung erkannt, die auch vor seinen Aubern nicht mehr Halt macht. Das Interesse am Fußball habe generell nachgelassen, findet der Übungsleiter. Als Beispiel führt er die eigene Mannschaft an. „Die Jungs haben in den letzten drei Jahren alles nach dem Fußball ausgerichtet, inzwischen ist das nicht mehr so,“ sieht er eine Verschiebung der Prioritäten. Diese müsse man jedoch akzeptieren.

    An seiner Grundeinstellung will der Klub ohnehin nichts ändern. „Unsere Philosophie ist es, die Auber Jugend zu integrieren. Denn die ist die Zukunft des Vereins“, beschreibt Dietl die Herangehensweise, der man auch den sportlichen Erfolg unterordnet. Identifikation und Vereinstreue stehen beim TSV über der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Liga. Stimmung und Kameradschaft in der Mannschaft seien intakt. Genau das stimmt Christopher Dietl zuversichtlich, bald die Kurve zu kriegen. Durch viele Einzelgespräche versucht der Coach derzeit im Training, die Verunsicherung aus den Köpfen der Spieler zu bekommen und ihnen Mut zuzusprechen. „Wir brauchen einfach mal ein Erfolgserlebnis,“ weiß Dietl, der auf ein solches schon an diesem Sonntag im Derby beim FC Hopferstadt hofft und sich vor dem Aufeinandertreffen besonders auf das Wiedersehen mit seinem Trainerkollegen Wolfgang Amrehn freut.

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