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    FUßBALL: BAYERNLIGA

    Abtswind unter Wert geschlagen

    Geballte Kraft: Abtswinds Mathias Brunsch (rechts) befördert das Leder mit vollem Körpereinsatz aus der Gefahrenzone. Michael Dellinger bleibt nur die Zuschauerrolle. Foto: Rudi Dümpert

    In diesem lebhaften Bayernligaspiel wurde einiges auf den Kopf gestellt, was man anders erwartet hatte. „Normal“ war eigentlich nur das Ergebnis, wenn der Zweite den 13. empfängt. Dass allerdings die gegen die Relegationsplätze strampelnden Abtswinder über weite Strecken, sprich in der ersten Halbzeit und in der Schlussphase, die dominierende Mannschaft sein würden, eher nicht. Die um den Aufstieg kämpfende rettete sich nur über ihre Routine, die besser besetzte Bank und ein Quäntchen Glück zu dem nur optisch klaren 3:0 (1:0)-Sieg. Hinzu kommt, dass die Gäste weder ihr Plus an Spielanteilen noch an Torchancen mindestens zu einer verdienten Punkteteilung nutzten. Und dass in der 44. Minute sogar der Spielverlauf bis dahin auf den Kopf gestellt wurde, passt zum Gesamteindruck dieser durchaus interessanten 90 Minuten.

    Francic ist wenig überrascht

    Aubstadts Trainer Josef Francic sah dies zwar ebenso, war aber weniger überrascht. „Wenn ich die ganze Zeit sage, dass wir noch zehn, dann noch neun und so weiter Relegationsspiele vor uns haben und dass jedes Spiel ein schweres wird, dann ist das kein Understatement. Das ist so.“ Auch Abtswinds Trainer Mario Schindler, der eine sehr gut organisierte, moralisch und kämpferisch intakte Mannschaft aufs Feld gebracht hatte, die nur etwas schlampig mit ihren Chancen umging und kurz vor und nach der Halbzeit den Faden verlor, sah es ähnlich: „Wenn man 0:3 verliert, hört es sich komisch an, wenn man von den klareren Chancen und mehr Spielanteilen spricht. Wir bekamen zu unglücklichen Zeitpunkten die Gegentore und hatten nur zwischendurch zwei, drei Minuten Auflösungserscheinungen. Kaufen können wir uns davon halt nichts. In den entscheidenden Momenten war diese Aubstädter Mannschaft abgezockter, was wir noch lernen müssen. Fußball kann manchmal schon grausam sein.“

    Waren die Gastgeber überrascht vom Offensivdrang der Gäste? Ja, auch von ihrer Spielkultur haben sie den Geduldsfaden nur fast etwas überdehnt? Die erste Halbzeit ging in allen Belangen an die forsch aufspielenden und hoch pressenden, mutigen Gäste. 90 Minuten Dominanz ohne Phasen der Zurückhaltung hatte Francic gefordert. Diese ersten 45 Minuten nahm die leicht umformierte Hausherren-Truppe komplett als Auszeit. „Dann haben wir uns um den Lohn für unsere Arbeit gebracht“, beteuerte Schindler. Doch was soll man machen, wenn ein Ingo Feser mit seiner klasse Schusstechnik einen 20-m-Freistoß vielleicht sogar mit der Absicht drauf haut, dass er abgefälscht wird? Er wurde abgefälscht und Torwart Florian Warschecha, der bis dahin kaum was zu tun hatte, war ohne Chance.

    Entscheidung in drei Minuten

    Jene schlimmen drei Minuten für Abtswind begannen in der 54. Minute. Erst sah Nicolas Wirsching Gelb-Rot (54.) für eine Notbremse. Dann war der für den verletzt ausgeschiedenen Kirsten (16.) eingewechselte Benkenstein bei einer Thomann-Ecke mit dem Kopf höher als die Querlatte und nickte zum 2:0 (56.) ein. Und noch im Anstoßkreis schnappte sich Daniel Leicht den Ball, schlug ihn lang auf Martin Thomann, und der knipste zum 3:0 (57.). Christian Köttler wollte es wenig später einfach nicht wahrhaben, dass auch er mit Gelb-Rot (63.) vom Feld musste. An der Überlegenheit der Aubstädter bis etwa zehn Minuten vor Schluss änderte es nichts. Da waren die Wechselspieler drin und machten Dampf. Da zauberte der Gastgeber vorübergehend, als wolle er den 350 Zuschauern zeigen, „schaut her, wir können?s, nur nicht immer.“

    Mack reißt den Fuß hoch

    Den Gästen blieb selbst der Ehrentreffer versagt: Benkenstein war durch ein Gefummel seiner Nebenleute in Bedrängnis gebracht worden, foulte Adrian Dußler, der den Elfer selber ausführte. Und da demonstrierte Schlussmann Christian Mack seine ganze Klasse, entschied sich für eine Ecke, riss aber mit Körperspannung in der Tormitte den Fuß mit hoch: Genau da hin, wo Dußler den Ball schnibbeln wollte, der über die Latte in den Fangzaun ging. Damit war die Moral der Mannschaft aus dem Wein- und Kräuter-Dorf aber immer noch nicht gebrochen. Auf dieser Leistung aufbauen können sie auf jeden Fall. Für die Grabfelder gilt das eher nicht. Die haben andere Ansprüche und Möglichkeiten. „Ich bin zum einen zufrieden mit dem Ergebnis und zum anderen auch mit dem Ergebnis“, philosophierte Josef Francic hinterher. „Wenn ich Abtswinder Trainer wäre, hätte ich meiner Mannschaft genau diese Taktik mitgegeben wie Mario Schindler. Bei uns hat heute einigen Protagonisten die Qualität gefehlt. Wir haben kaltschnäuzig schnell das Spiel entschieden und nichts mehr anbrennen lassen.“

    Die Statistik des Spiels

    Fußball Bayernliga: TSV Aubstadt – TSV Abtswind 3:0 (1:0)

    Aubstadt: Mack – Trunk, Köttler, Kirsten (18. Benkenstein), Grader – Behr, Leicht – Dellinger, Martin Thomann, Feser (74. Steffen Schmidt) – Grell (61. Christoph Schmidt).

    Abstwind: Warschecha – Herrmann, Brunsch, Wirsching, Wolf – Dußler, Hillenbrand, Hilgert (46. Jeni, 69. Fischer) – Graf, Lehmann – Endres (85. Wirth).

    Schiedsrichter: Denzlein (Hochstadt a.Main)

    Zuschauer: 350

    Besonderheit: Mack pariert Foulelfmeter von Dußler (75.)

    Gelb-Rot: Wirsching (54., Abtswind), Köttler (63., Aubstadt).

    Tore: 1:0 Feser (44.), 2:0 Benkenstein (56.), 3:0 Martin Thomann (57.)

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