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    FUSSBALL: A-KLASSE

    Der Ochsenfurter FV setzt auf Lokalkolorit

    Der Spaß soll bei Panagiotis Kritsiniotis und den Ochsenfurter Fußballern auch in der neuen Saison nicht zu kurz kommen. Foto: Hans Will

    In Ochsenfurt gab es in den vergangenen Wochen einiges zu feiern. In diesem Jahr blickt der Fußball in der Stadt auf eine einhundertjährige Tradition zurück. 1919 wurde der FC Ochsenfurt gegründet, der dann im Jahr 2011 mit dem SV 72 Ochsenfurt zum Ochsenfurter FV verschmolzen ist.

    Viele Höhen, aber auch Tiefen hat der Ochsenfurter Fußball in diesem Jahrhundert erlebt. Seine Glanzzeit hatte der damalige FC Ochsenfurt Ende der 1980er-Jahre, als der Verein in die Landesliga aufstieg und sich dort, von 1987 bis 1989, zwei Jahre behauptete. Doch sind diese Zeiten längst Geschichte und heute nur noch ein Relikt aus vergangenen Tagen. Zum einen, weil es den FC Ochsenfurt seit der Fusion schon seit acht Jahren nicht mehr gibt, zum anderen, weil auch die sportliche Realität mittlerweile eine ganz andere ist. Schließlich spielt der Ochsenfurter FV anno 2019 in der A-Klasse, der zweituntersten Liga.

    Von der Landesliga weit weg

    Da drängt sich unweigerlich die Frage auf: Wird das einer Stadt, die inklusive Ortsteilen rund 11 000 Einwohner hat, gerecht? Für den OFV-Vorsitzenden Hans-Jürgen Fischer sind vor allem monetäre Gründe ausschlaggebend, warum sein Klub heute von Landesliga-Weihen so weit entfernt ist wie Lothar Matthäus von der Goldenen Hochzeit. „Es wäre schon schön, wenn der OFV etwas höher spielen würde, aber wenn man seinen Spielern kein Geld bezahlt, ist das eben schwierig umzusetzen“, sagt, der damit ein gewisses Söldnertum auch im Amateurfußball ausgemacht hat. Dieses widerstrebt der Philosophie des Vereins jedoch zutiefst, sodass Fischer und Co. ihren ganz eigenen Weg einschlugen.

    Der sieht vor, auf den eigenen Nachwuchs oder Spieler aus dem Ochsenfurter Raum zu bauen. „Wir wollen es mit den eigenen Leuten schaffen“, sagt der Vorsitzende. Denn nur die, so Fischers Überzeugung, würden sich am Ende wirklich mit dem Verein identifizieren. Erst kürzlich bei den Vorbereitungen zu den Jubiläumsfeierlichkeiten sei wieder zu spüren gewesen, „dass die Leute bei uns im Verein an einem Strang ziehen“, ist Fischer über das Miteinander beim Ochsenfurter FV glücklich.

    Lagerdenken ist überwunden

    Bei so viel Harmonie wird über den einen oder anderen sportlichen Misserfolg schon mal hinweggesehen. In der Bewertung der Entwicklung seit Gründung des Fusionsvereins sagt Fischer: „Man muss das in zwei Ebenen unterscheiden: Die gesellschaftliche und die sportliche.“ Was das Gesellschaftliche angeht, sei alles im Lot. Das FCO- und SV-72- Denken gebe es nicht mehr, und der Verein sei längst zu einer festen Einheit zusammengewachsen. „Was das Sportliche angeht, haben wir uns in den letzten Jahren aber schon ein bisschen mehr erwartet“, gibt das Vereinsoberhaupt zu.

    Letztlich habe man in der Vergangenheit aber einfach zu viele Spieler mit Potenzial verloren, als dass höhere Ziele erreichbar gewesen wären. So formuliert Fischer die Zielsetzung für die anstehende A-Klasse-Saison auch demütig: Man nehme sich einen einstelligen Tabellenplatz vor und wolle auf keinen Fall etwas mit dem Abstieg zu tun haben. „Wir wollen es besser machen als in der vergangenen Saison“, sagt der Funktionär. Mit dem Abschneiden 2018/19 war Fischer unzufrieden. Zumal sich so mancher Akteur, nachdem es für die Ochsenfurter kein Auskommen mehr aus dem Niemandsland der Tabelle gegeben hatte, lustlos präsentiert habe.

    Tabus gibt es nicht mehr

    Lässt sich der Enthusiasmus, wie vielerorts bereits praktiziert, in Zukunft auch in Ochsenfurt nur noch mit der Gründung einer Spielgemeinschaft steigern? In der Reserve, die ab dieser Saison gemeinsam mit dem SV Kleinochsenfurt an den Start gehen wird, ist der OFV den Schritt schon gegangen. Für den Vorsitzenden eine vor Jahren noch undenkbare Konstellation angesichts der sportlichen Rivalität mit dem Nachbarn. Tabus gibt es aber nicht mehr. Ob der Zusammenschluss irgendwann komplett vollzogen wird, vermag Fischer zwar nicht seriös zu prophezeien, er sagt aber: „Im Moment besteht dazu von beiden Seiten die Notwendigkeit nicht. Was aber in zehn Jahren ist, weiß keiner.“

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