• aktualisiert:

    MAINBERNHEIM

    Ein Mainbernheimer als Viererbob-Anschieber

    Die Bob-Begeisterung steht ihm hier ins Gesicht geschrieben: Der Mainbernheimer Anschieber Christian Rasp (Dritter von l... Foto: BSD/Viesturs Lacis

    Christian Rasp ist bestimmt kein Träumer, doch nimmt sein sportlicher Traum, in zwei Monaten bei den Olympischen im südkoreanischen Pyeongchang dabei zu sein, konkrete Formen an. Am 13. Januar 2018 wird der Deutsche Olympische Sportbund seine Athleten für Olympia nominieren und Christian Rasp hat beste Karten, als Anschieber im Viererbob von Johannes Lochner in Südkorea anzutreten. Denn Rasp gehörte als einer von 15 der A-Kader-Anschieber des Deutschen Bobverbandes schon vor Jahresfrist zur Lochner-Equipe, die Weltmeisterschaftsgold im Vierer gewann. Im Dezember schob der Mainbernheimer wie schon im Vorjahr den Bob von Johannes Lochner zum Europameistertitel.

    Der Polizeikommissar schiebt zwar erst seit zwei Jahren Bobs an, doch als Senkrechtstarter eilte Rasp mit Johannes Lochner, den die Wintersportler alle nur „Hansi“ rufen, von Erfolg zu Erfolg. In der laufenden Saison kam die Lochner-Crew als Weltcupführende aus Übersee zurück und die Cracks mit dem Bundesadler auf der Brust fahren als heiße Mitfavoriten zu Olympia. Dass die deutschen Bobs dort nur annähernd so erfolgreich sind, wie bei der letzten WM, wäre ein Traum. Damals hatten der 27-jährige Schönauer Johannes Lochner und der Sachse Franceso Friedrich zeitgleich Gold geholt, der Dresdener Nico Walther machte mit der Bronzemedaille den totalen Triumph für Bundestrainer René Spies perfekt.

    Doch Spies traut dem Braten nicht, zumal die deutschen Spitzenfahrer in diesem Winter schon arge Probleme hatten, weil sich ein neu entwickelter Wallner-Bob aus Innsbruck in der Praxis nicht bewährte. Deswegen stieg Johannes Lochner kurzerhand wieder auf das Vorjahresmodell um. „Christian ist auf seiner Position als letzter Einsteiger der Beste in Deutschland“, adelt Johannes Lochner den 28-jährigen Christian Rasp, der inzwischen in Berchtesgaden wohnt. Er gehört seit zwei Jahren zu Lochners Stammbesetzung und gilt neben Joshua Bluhm als gesetzt.

    Fuhr die Vierercrew vor Jahresfrist mit Matthias Kagerhuber zum WM-Titel, gab es heuer eine personelle Rochade. Hoffnung auf den vierten Platz in der Lochner-Crew machten sich unter anderem Kagerhuber und auch Marc Rademacher. Doch kurz vor Weihnachten legte sich Johannes Lochner fest, die Viererbob-Saison mit Joshua Bluhm, Christian Rasp und dem Dortmunder Christopher Weber zu Ende zu fahren.

    Auf Position vier anzuschieben, „das ist ein unbequemer Job und du merkst, mehr als alle anderen, jede Unebenheit und wirst durchgeschüttelt“, sagt Christian Rasp. Der Ex-Sprinter hat es beruflich und sportlich nach seiner Polizeiausbildung und seinen Umzügen zuerst nach München und später nach Berchtesgaden gut erwischt. Seine Stippvisite als Novize bei einem Anschieber-Contest erwies sich als Volltreffer. In einer Sportfördergruppe der bayerischen Polizei ist er freigestellt und hat optimale Voraussetzungen, um sich voll dem Bobsport widmen zu können.

    Christian Rasp ist als ehemaliger Leichtathlet mit 96 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,83 Meter der Leichteste der potenziellen Anschieber im Lochner-Bob. Mehr Kilos würden zu Lasten seiner Schnelligkeit gehen. Auch Bundestrainer Spies weiß um Rasps Explosivität und dessen Rolle als Teamplayer. Der Mainbernheimer erzielt eine hohe Endgeschwindigkeit auf den Anlaufstrecken von cirka 50 Metern, das Muskelpaket gleicht damit die Mehr-Kilos aus, die seine aktuellen Anschieber-Kollegen auf den Rippen haben. Das etwas niedrigere Körpergewicht ist möglicherweise ein Grund, warum Christian Rasp sich bislang nicht groß im Zweierbob auszuzeichnen vermochte.

    Da mussten Lochner und Rasp 15 Kilogramm Zusatzgewichte aufladen und wurden nicht glücklich damit.

    „Ich weiß, was ich kann und muss mich nicht ständig neu beweisen“, sagt Christian Rasp, der inzwischen zu den routinierten Anschiebern zählt und sich bestens damit arrangiert hat, als Letzter in den Viererbob einzusteigen. Der voraussichtlich einzige Unterfranke im deutschen Olympiakader hatte über Weihnachten ein paar Tage Auszeit zuhause bei der Mutter in Mainbernheim, danach ging es sofort weiter mit vorolympischen Testfahrten und der Vorbereitung auf die drei Weltcuprennen im Januar. Die Bobfahrer sind längst fokussiert auf Pyeongchang und Christian Rasp versprüht reichlich Zuversicht, den olympischen Traum Realität werden zu lassen.

    „Wir haben in unserem Bob die größte Harmonie“, findet Christian Rasp und nennt damit einen Vorteil gegenüber den deutschen Mitbewerbern. Zugleich ist dem Polizeikommissar aber auch nicht entgangen, „dass vor Olympia international alle aufrüsten“. Vor allem die Amerikaner und Kanadier trumpften zuletzt auf und wollen den Deutschen Bobs in Südkorea Edelmetall streitig machen. Doch die Crew des Lochner-Bobs weiß um die eigene Stärke – der Traum von einer Olympiamedaille lebt.

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!