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    Kitzingen

    Welchen Luxus sich Etwashausens Tischtennisspieler leisten

    Bis in die vierthöchste Klasse Deutschlands ist der TV Etwashausen vorgestoßen. Und auch hier will es die Mannschaft mit "ihrem" Weg versuchen. Kapitän Sasse skizziert ihn.
    Familiäre Atmosphäre bei den Etwashäuser Tischtennisspielern: Bis auf Weiteres wird das vertraute Miteinander zwischen Spielern und Publikum nur eingeschränkt möglich sein.
    Familiäre Atmosphäre bei den Etwashäuser Tischtennisspielern: Bis auf Weiteres wird das vertraute Miteinander zwischen Spielern und Publikum nur eingeschränkt möglich sein. Foto: Andreas Stöckinger

    Einen steilen Weg haben die Tischtennisspieler des TV Etwashausen hinter sich. Vor viereinhalb Jahren schlugen sie noch in der sechstklassigen Landesliga auf und waren in den Grenzen Nordbayerns unterwegs. Nun stehen sie vor dem Aufbruch in die viertklassige Regionalliga, und Kapitän Christoph Sasse hat die Routen, die ihm und seinen Kollegen bevorstehen, im Geiste schon einmal durchmessen: Biederitz, vor den Toren Magdeburgs, 382 Kilometer einfache Strecke, Altenburg in Thüringen, knapp 300 Kilometer entfernt, oder Hohenstein-Ernstthal, kurz vor Chemnitz gelegen, 276 Kilometer weit weg. Hilpoltstein oder Effeltrich gelten da schon fast als heimatnah. Das also sind die räumlichen Grenzen, in denen sich der Aufsteiger aus der Kitzinger Gärtnervorstadt von dieser Saison an bewegen wird.

    Was die Etwashäuser sportlich erwartet, dürfte nicht so einfach zu bemessen sein. Sasse spricht von einer „großen Herausforderung“ und geht davon aus, dass das Leistungsniveau im Vergleich zur Bayernliga noch einmal 20 bis 25 Prozent höher liegt. Woher der Zuwachs kommen soll, ist eine Frage, die der bis in die Haarspitzen optimistische Kapitän in diesen Tagen häufiger beantworten muss. Denn die Mannschaft hat sich für ihr hochklassiges Abenteuer keinerlei Verstärkung geholt; nicht, weil sie sich schwer getan hätte, qualifiziertes Personal zu finden, sondern, und das ist das Erstaunliche, weil sie sich bewusst gegen Verstärkungen ausgesprochen hat. Luxus, den man sich erst einmal leisten können muss.

    Die Sorge schwingt mit, dass ein Fremder das Gefüge stört

    Wer begreifen will, was hinter diesem forschen Verzicht steckt, muss etwas tiefer eindringen in das Selbstverständnis dieser außergewöhnlichen Mannschaft. Sasse sagt, „wir wachsen an der Aufgabe und an der Herausforderung. Das war schon immer so.“ Tatsächlich spielt das Team seit Landesliga-Zeiten bis auf wenige Ausnahmen in selber Besetzung. Gewachsen ist daraus ein eingeschworener Haufen, der seine Stärke aus dem inneren Zusammenhalt zieht und sich nach außen gerne abschottet. Ein bisschen schwingt da immer die Sorge oder Angst mit, ein Fremder könnte – wenn er nicht über die passende Wellenlänge verfügt – das Gefüge stören oder gar nachhaltig schädigen. So gesehen erscheint der Schritt, auf Verstärkung zu verzichten, nicht mehr tollkühn, sondern doch wieder irgendwie logisch.

    Angeregtes Gespräch zwischen den Etwashäuser Leistungsträgern Markus Jäger  (links) und Felix Günzel bei einem Heimspiel im November 2019.
    Angeregtes Gespräch zwischen den Etwashäuser Leistungsträgern Markus Jäger  (links) und Felix Günzel bei einem Heimspiel im November 2019. Foto: Hartmut Hess

    Fragt man Sasse also, wo der benötigte Leistungsschub in der Regionalliga herkommen soll, sagt er: „Wir sind so motiviert, dass wir 20 Prozent draufpacken können.“ Darin steckt viel Überzeugung, aber auch das Wissen um die Schlagfertigkeit der Mannschaft: In heiklen Situationen konnte sie sich meist auf ihr Krisenmanagement verlassen. Vergangene Saison hatte die Motivationskurve zwar kurzzeitig einen Knick bekommen, gepaart mit Verletzungspech hätte sie das fast den Traum von der Regionalliga gekostet.

    Aber letztlich manövrierte sie sich auch diesmal aus ihrem kleinen Tief. „Jetzt“, sagt Sasse, „sind wir im Kopf wieder frisch.“ Auf Testspiele, um sich dem Abenteuer in der vierten Liga zu nähern, haben die Etwashäuser verzichtet. Sie gehen auch in dieser Hinsicht eigene Wege, wie ihr Kapitän betont: „Wir vertrauen darauf, dass unsere Vorbereitung gut genug ist, und sind mehr die Learning-by-doing-Typen.“

    Folgt man Sasse, soll die Stärke des TVE auch aus seiner vermeintlichen Schwäche erwachsen; aus dem Umstand nämlich, dass man als Aufsteiger von der Konkurrenz unterschätzt wird. „Ich freue mich“, sagt der 26-Jährige, „dass wir seit Ewigkeiten mal wieder die Underdog-Rolle besetzen. Bislang waren wir in jedem Spiel Favorit. Da ist es nicht immer leicht, die volle Leistung abzurufen.“ Die personelle Erneuerung, die das Team zulässt, soll von innen kommen, aus dem Verein selbst also.

    Als aussichtsreiche Anwärter, in die erste Garde zu rücken, gelten Markus Sendner und Jakob Weiß, die beide der mit viel Herzblut betriebenen Nachwuchsabteilung des Klubs entstammen und schon bisher vereinzelt in die Bresche sprangen. Da klingt auch die leise Sorge an, „Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen“, wie Sasse es nennt. Gemeint ist: die jungen Talente nicht zu lange in hinterer Reihe verkümmern zu lassen.

    Das erste Heimspiel hat der TVE auf Wunsch verlegt

    Eigentlich hätte es für die Etwashäuser schon vergangenen Samstag losgehen sollen: mit einem Heimspiel gegen den TSV Zella-Mehlis. Ein Hygienekonzept für die Florian-Geyer-Halle war auf dem Weg und Sasse zuversichtlich, vor maximal 50 Zuschauern spielen zu können. Dann aber baten die Thüringer darum, die Partie zu verlegen, weil sie durch die Corona-Beschränkungen Probleme hatten, rechtzeitig ihre ausländischen Spieler ins Land zu bringen. „Fairnesshalber haben wir zugestimmt“, sagt Etwashausens Kapitän.

    Jetzt starten die Unterfranken mit einem Auswärtsspiel an diesem Samstag im Corona-Hotspot des Landes beim FC Bayern München II, der mit ihnen aus der Bayernliga aufgestiegen ist. Erst am 24. Oktober folgen die ersten Auftritte vor heimischem Publikum gegen Hilpoltstein II und Biederitz.

    Dass in dieser Saison coronabedingt keine Doppel gespielt werden, sondern zwölf Einzel, dürfte den Etwashäusern eher zum Vorteil gereichen. Im Pokalwettbewerb haben sie sich mit dieser Regelung schon einmal vertraut machen können. Der Druck wird diesmal ungleich höher sein. Gleich vier Mannschaften werden nach jetzigem Stand aus der Zwölfer-Liga absteigen, der Fünftletzte muss sich in der Relegation retten. Sasse sagt: „Es wird eine Mammutaufgabe.“

    Die Etwashäuser Aufstellung

    Die Nummer 1 des TV Etwashausen bleibt Kamil Michalik. Auf den weiteren Positionen folgen Felix Günzel, Bastian Herbert, Markus Jäger, Christoph Sasse und Jens Jung. Fällt einer dieser Sechs aus, sollen aus der zweiten Etwashäuser Mannschaft Markus Sendner oder Jakob Weiß nachrücken.
    Quelle: DTTB

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