• aktualisiert:

    FUSSBALL

    Ratlosigkeit nach dem Fußball-Aus wegen Corona

    Für die Vereine in Main-Spessart ist durch Aussetzung des Spielbetriebs eine noch nie dagewesene Situation. Wie die Beteiligten damit umgehen.
    Nach der Absage – die Sportplätze bleiben am Wochenende leer. Foto: Heiko Becker

    Seit Freitagmorgen ist klar: Der Amateur-Fußball in Bayern hat wegen der Ausbreitung des Coronavirus Zwangspause. Erst einmal bis 23. März hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) den gesamten Spielbetrieb in seinem Zuständigkeitsbereich ausgesetzt. Doch es ist keineswegs ausgemacht, dass es danach gleich weitergeht. Zu groß scheinen die aktuellen Unwägbarkeiten, die mit dem Corona-Ausbruch hierzulande verbunden sind.

    Absage wenige Stunden vor dem Spiel

    Der Verein aus dem Landkreis, der in der höchsten Klasse spielt, ist der TSV Karlburg. Die Mannschaft sollte am Freitagabend zum Bayernliga-Spiel beim SC Eltersdorf antreten. Doch die Partie fiel der Absage zum Opfer. "Wir hatten schon Verhaltensregeln ausgegeben, um das Risiko zu minieren. Zum Beispiel, dass nicht alle auf einmal in die Dusche gehen ", gab Trainer Markus Köhler an. Doch nun sind alle Planungen durch die Verbandsentscheidung hinfällig, das nächste reguläre Punktspiel stünde für Karlburg erst am 4. April an, da das Team am letzten März-Wochenende spielfrei ist.

    "Wir müssen uns erst einmal besprechen und nachdenken", sagt Köhler angesichts der Tatsache, dass der BFV dringend empfiehlt, auch den Trainingsbetrieb ruhen zu lassen. "Vielleicht trainieren wir individuell", so Köhler, der zu bedenken gibt: "Wir müssen wohl erst einmal ein paar Tage warten, dann ist vielleicht klarer, wie es weitergeht."

    Fehlende Einnahmen

    Abteilungsleiter Jürgen Stürmer vom Landesligisten DJK Schwebenried/Schwemmelsbach versichert: "Wir haben Verständnis für die Absagen. Die Gesundheit geht vor. Problematisch wird es nur, wenn die Pause länger, als bis zum 23. März dauert. Dann wird es schwierig, alle Spiele bis zum regulären Saisonende am 23. Mai nachzuholen. Viel Zeit bleibt da nicht mehr und nur noch Samstag-Mittwoch zu spielen, macht keinen Sinn. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die ganze Saison vorzeitig beendet und annulliert wird." Welche Folgen das dann habe, könne er noch nicht abschätzen. "Denn uns fehlen ja die Einnahmen aus den Heimspielen, die Übungsleiter müssen aber weiter bezahlt werden. Wir werden jetzt am Samstag trainieren und drüber reden, wie und ob der Trainingsbetrieb in den nächsten Wochen fortgesetzt wird.“

    Der Ball wird in der kommenden Wochen auf den Sportplätze der Region nicht rollen. Foto: Heiko Becker

    Die Lage, so viel ist klar, ist eine ungewöhnliche: "Keiner, der hierzulande in einem Verein in der Verantwortung steht, hat schon einmal eine vergleichbare Situation erlebt", betont Klaus Leipelt.  Er ist Sport-Vorstand bei der FV Gemünden/Seifriedsburg, welche Platz eins in der Kreisliga Würzburg 2 belegt und gute Chancen auf den Bezirksliga-Aufstieg besitzt. Die Jugendmannschaften haben sie bei der Fußballvereinigung schon in eine Trainingspause geschickt, Ähnliches wird wohl demnächst auch bei den Aktivenmannschaften passieren. "Man kann doch keinem vermitteln, dass der Unterricht an Schulen ausfällt und das Training in den Vereinen weiterläuft", sagt Leipelt, der die Absage durch den Bayerischen Fußball-Verband für nachvollziehbar hält.

    Auch ist sich der FV-Sportleiter ziemlich sicher, dass das es mit einer Corona-Pause bis zum 23. März nicht getan sein wird. "Das wird sicher länger gehen", meint Leipelt. Immerhin: Seine FV Gemünden/Seifriedsburg müsse bei einer längeren Pause des Spielbetriebs keine großen wirtschaftlichen Verwerfungen fürchten. "Natürlich werden wir merken, dass wir wegen der ausfallenden Spiele geringere Einnahmen haben. Aber wir werden das verkraften." Höherklassige Vereine stünden da wohl vor größeren Problemen.

    Ähnlich wie in Gemünden und Seifriedsburg stellt sich die Situation beim TV Marktheidenfeld, dem Schlusslicht der Kreisklasse Würzburg 4, dar. "Natürlich haben wir weniger Einnahmen, dafür müssen wir keine Schiedsrichter bezahlen", sagt Abteilungsleiter Kevin Leimeister. Eher macht er sich schon Sorgen darüber, dass ein Gastspiel der Traditionsmannschaft von Borussia Dortmund in Marktheidenfeld, das für Samstag, 18. Juli, geplant ist, nicht stattfinden kann. "Keiner weiß ja, wie lange die Pause dauert. Zwei Wochen, vier Wochen, sechs Wochen oder noch länger", so Leimeister, der klarmacht, dass er entsprechend der Verbandsempfehlung das Training aussetzen werde.

    Lust anzufangen, hätten sie beim TVM allemal gehabt, obwohl Marktheidenfeld, damals noch Kreisligist, seit Frühjahr 2018 kein Pflichtspiel mehr gewonnen hat. "Wir hatten eine richtig gute Vorbereitung, die Jungs haben sich drauf gefreut, dass es losgeht", berichtet der TVM-Abteilungsleiter. Doch seine Mannschaft und die anderen Teams im Landkreis befinden sich erst einmal in der Warteschleife. Bis zum 23. März oder vielleicht auch länger.

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!