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    Fußball: Kreisliga

    Tobias Wießmann: Herumschreien ist nicht seine Art

    Der 31-Jährige ist seit dieser Saison Coach beim SV Altfeld. Welche Herausforderungen das Amt des Spielertrainers mit sich bringt und warum es bisher nicht rund läuft.
    Tobias Wießmann, Spielertrainer des SV Altfeld, bei seiner Vertragsunterzeichnung am 1. April 2019.
    Tobias Wießmann, Spielertrainer des SV Altfeld, bei seiner Vertragsunterzeichnung am 1. April 2019. Foto: Helmut Freudenberger

    "Das ist ganz witzig", antwortet Wießmann auf die Frage, wie er, der die vergangenen zehn Jahre für den TSV Karlburg die Fußballschuhe geschnürt hat und in der Zeit von TSV-Coach Uwe Neunsinger sogar Co-Trainer war, zum SV Altfeld kam. SVA-Sportvorstand Helmut Freudenberger und Tobias Wießmann sind nämlich quasi Kollegen. "Helmut ist bei der Polizei in Marktheidenfeld beschäftigt und war früher in meiner jetzigen Dienststelle", erklärt der Polizeibeamte, der als Fachlehrer bei der Bereitschaftspolizei in Würzburg unterrichtet. Wießmann gibt zu, dass ihn in den letzten Jahren immer wieder Spielertrainer-Anfragen erreicht hatten.

    "In den vergangenen zwei Jahren war ich zum Studium in Sulzbach-Rosenberg, da hätte es einfach keinen Sinn gemacht", begründet er seine bisherigen Absagen – auch an den SV Altfeld. "Jupp hat mich immer wieder gefragt. Im Winter habe ich mich dann breitschlagen lassen. Da hat es einfach gepasst, weil ich genau zu dem Zeitpunkt wieder hier vor Ort war", berichtet der B-Lizenz-Inhaber.

    Fünf Kreuzbandrisse in der Mannschaft

    Und was hat ihn an der Aufgabe gereizt – oder hat er etwa nur aus Gefälligkeit seinem Kollegen gegenüber zugesagt? "Natürlich nicht", verneint der in Veitshöchheim aufgewachsene Wießmann, der vor seiner Zeit in Karlburg beim Würzburger FV und bei den Kickers gespielt hat, die Frage. Vielmehr gibt er als Beweggrund für die Zusage an, dass er die Mannschaft bereits gekannt habe und um den guten Stamm wusste. Gleichwohl gibt er zu bedenken, dass der SV bereits in der Rückrunde der abgelaufenen Saison einige Verletzte zu beklagen hatte und auch derzeit den Ausfall von fünf Spielern mit der niederschmetternden Diagnose Kreuzbandriss kompensieren muss.

    Er selbst hatte in jüngster Vergangenheit zwei Muskelfaserrisse, weil er vorzeitig wieder aufs Feld zurückgekehrt war. "Das ist natürlich ärgerlich, aber ich will nicht weiter darüber lamentieren", erklärt der defensive Mittelfeldakteur, der aufgrund der personellen Situation derzeit in der Innenverteidigung spielt. "Wir müssen schauen, dass wir mit den jungen Spielern die Situation meistern, ihnen aber auch Fehler zugestehen", weiß der SVA-Spielertrainer um die schwierige Situation. So hütet zum Beispiel seit einigen Wochen der erst 18-jährige Julian Behl für den verletzten Stammtorhüter Chris Sandner den Kasten. "Er wurde ins kalte Wasser geworfen, macht seine Sache aber gut", lobt Wießmann seinen jungen Keeper.

    Zu viele individuelle Fehler

    Das Problem des Tabellenzehnten – der bei einer Torbilanz von 36:39 Treffern über die fünftbeste Offensive und über die viertschlechteste Defensive der Liga verfügt – sei, dass man durch individuelle Fehler immer wieder ins Hintertreffen gerate. So wie jüngst bei der 2:5-Niederlage in Erlenbach, als Altfeld sogar zweimal vorne lag, am Ende aber klar besiegt wurde.

    Und wie kommt er mit der Rolle des Spielertrainers klar? "Ohne Frage, das ist eine Wahnsinnsherausforderung", gibt der Polizeibeamte zu. Denn zum einen stehe man auf dem Feld und müsse seine Leistung bringen, zum anderen müsse man das Spiel reflektieren und mögliche Wechsel im Kopf durchgehen. "Es ist gewöhnungsbedürftig, aber man findet sich rein", erklärt der 31-Jährige, der seine Position in der Defensive, wo er die Mannschaft von hinten im Blick hat, als Vorteil sieht.

    Herumschreien ist nicht das Naturell des Spielertrainers

    Einen bestimmten Trainer aus seiner bisherigen Laufbahn hat er nach eigenem Bekunden nicht als Vorbild. "Es hatte jeder seine Eigenheiten. Da gilt es, für sich den richtigen Weg zu finden", erklärt er, der sich eher als ruhigen Typ sieht. "Dass ich in der Halbzeit oder nach einer Niederlage herumschreie, das ist nicht mein Naturell." Auf die Frage, ob er seine Entscheidung, nach Altfeld zu gehen, inzwischen bereut hat, kommt die Antwort prompt und entschieden: "Nein, auf keinen Fall".

    An diesem Sonntag erwartet der SVA (10./13) mit der Reserve des TSV Karlburg (9./17) nicht nur den Tabellennachbarn, sondern den Verein, wo Wießmann die letzten zehn Jahre aktiv war. "Ich freue mich riesig, die Jungs wiederzusehen", zeigt sich der Altfelder Coach voller Vorfreude, will aber bei aller Verbundenheit zu seinem ehemaligen Verein keine Geschenke verteilen. "Wir wollen zu Hause unbedingt gewinnen", lautet seine Vorgabe.

    Schwächephasen verringern

    Und wie wird er die Partie angehen, damit die schwache Heimbilanz von nur einem Sieg und drei Unentschieden mit einem Dreier aufgebessert wird? "Fakt ist, dass wir hinten sicher stehen müssen", betont er und fügt an, dass man zudem die Schwächephasen verringern müsse. "Gefühlt machen wir eine halbe Stunde genau das, was ich mir vorstelle, und dann haben wir eine halbe Stunde, in der wir zu unkonzentriert sind", bringt er die Problematik seiner Mannschaft, die als Saisonziel einen Mittelfeldplatz anstrebt, auf den Punkt.

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