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    FUSSBALL

    Marlon Dimitrov träumt den Traum vom Profi-Fußball

    Der Partensteiner spielt für das U-16-Team des SV Darmstadt 98. Dafür nimmt der Verteidiger einiges in Kauf.
    Er trägt seit eineinhalb Jahren das Darmstädter Trikot: Marlon Dimitrov. Foto: Heidi Vogel

    Es ist Samstagnachmittag, kurz nach Weihnachten. Mutter und Vater Dimitrov sitzen gemeinsam mit ihrem 15-jährigen Sohn Marlon am Esszimmertisch und setzen die Puzzleteile des Familienportraits zusammen. Marlon genießt die freie Zeit, denn er hat nicht nur Schulferien, sondern auch Fußball-Winterpause.

    "Na ja, ein bisschen was für die Kraft und Ausdauer habe ich gestern schon getan. Ich war mit meinen Kumpels im Boxcamp in Lohr", berichtet der 15-Jährige mit einem verschmitzten Grinsen. Sich überhaupt nicht sportlich zu betätigen, das kann sich der Partensteiner nicht leisten, denn immerhin steht er beim Fußballverein SV Darmstadt 98 unter Vertrag. Vor eineinhalb Jahren wechselte der Innenverteidiger in die U 15 des Profi-Klubs, bereits nach einem halben Jahr erhielt er einen "Drei plus eins Fördervertrag".

    "So frühzeitig ist das nicht die Regel", gibt Marlon Dimitrov offen zu und erläutert, dass der Verein ihn dadurch einschließlich des ersten Jahrs in der U 19 an sich gebunden hat und darüber hinaus noch ein weiteres Jahr anhängen könnte.

    Erste Station Viktoria Aschaffenburg

    Doch wie kam der Partensteiner, der in Lohr die neunte Klasse der Realschule besucht, überhaupt zu den Lilien? Bereits mit dreieinhalb Jahren begann Marlon Dimitrov, dessen Vater Elvis nach eigenem Bekunden überhaupt nichts mit Sport am Hut hat, mit dem Fußballspielen. Zunächst kickte er in seinem Heimatort und in Frammersbach, ehe er, der lange Zeit auch erfolgreich Handball spielte, in die U 13 der JFG Spessarttor nach Lohr wechselte. Parallel dazu wurde er am DFB-Stützpunkt in Steinfeld gefördert.

    Er fährt seinen Sohn viermal wöchentlich zum Training: Elvis Dimitrov Foto: Yvonne Vogeltanz

    Bei einem Spiel mit der Nordbayernauswahl sichteten ihn Vertreter von Viktoria Aschaffenburg – und er erhielt prompt einen Anruf. Mit 14 Jahren wechselte er dann zur Viktoria und besuchte, auf Drängen des damaligen Stützpunktleiters Siegbert Sternheimer, trotzdem für ein weiteres Jahr das Training in Steinfeld.

    Obwohl er sich im ersten halben Jahr in Aschaffenburg mit Verletzungen herumplagen musste, kam er im Winter bei einem Hallenturnier in Frankfurt zum Einsatz und wurde von den Darmstadtern entdeckt. "Damals wollte ihn auch Greuther Fürth unbedingt haben. Wir waren auch mehrmals dort, aber letzten Endes war es uns zu weit", berichtet Elvis Dimitrov, der seinen Sohn zu jedem Training und Spiel begleitet.

    Seit dem Wechsel in die U 15 von Darmstadt im Sommer 2018 fahren Vater und Sohn viermal die Woche zu den Trainingseinheiten und am Wochenende zum Spiel. "Das sind etwa 1000 Kilometer pro Woche", rechnet der Vater vor und fügt an, dass er seinem Arbeitgeber für das Verständnis bezüglich der Arbeitszeiten dankbar sei. Denn in der letzten Saison mussten die beiden bereits um 15 Uhr losfahren, um pünktlich zum Trainingsbeginn in Darmstadt zu sein.

    Das Darmstadter Nachwuchsleistungszentrum in der Kastanienallee

    Mit dem Wechsel in die U 16 wurde es für die beiden etwas entspannter, denn zum einen starten die Trainingseinheiten später, zum anderen sind beispielsweise mit Frankfurt und Wehen Wiesbaden die Gegner in der Hessenliga nicht so weit entfernt wie zuvor in der U-15-Regionalliga. Über ein Fußball-Internat im klassischen Sinne verfügt Darmstadt 98 nicht, sondern bietet, nach Angaben von Vater Elvis Dimitrov, für zehn junge Nachwuchskicker von der U 15 bis zur U 19 einen betreuten Wohnplatz an. Sein Sohn stand zwar auf der Warteliste, doch nachdem zu Saisonbeginn ein Spieler mit noch weiterer Anreise dazu gestoßen ist, verzichteten die Dimitrovs freiwillig auf den Platz.

    Und wie schätzt sich der Innenverteidiger mit dem starken linken Fuß, der Mats Hummels mit seiner Passqualität und Übersicht sowie Sergio Ramos wegen seiner Zweikampfstärke als Vorbilder nennt, ein? "Meine Trainer sagen, dass ich noch viel lernen muss, gerade im Zweikampfverhalten. Aber wenn ich das schaffe, kann ich es weit bringen", berichtet Marlon Dimitrov, dessen Ziel es ist, irgendwann den Sprung in die erste Mannschaft und somit in den Profibereich zu schaffen.

    Die Nachwuchs-Bundesliga vor Augen

    Den Schritt in die Bundesliga im Sommer dieses Jahres hat Marlon Dimitrov mit dem Wechsel in die U 17 direkt vor Augen. "Ich freue mich riesig darauf. In der U 15 haben wir damals in der Regionalliga gegen Hoffenheim und Freiburg gespielt, aber die Bundesliga ist schon etwas Besonderes", erklärt er mit strahlenden Augen. Denn immerhin stehen dann renommierte Gegner wie der FC Bayern München oder der 1. FC Nürnberg auf dem Programm, wo man teilweise auch schon einmal vor 2000 Zuschauern spielt.

    Bei der Frage nach der beruflichen Zukunft gibt Marlon Dimitrov zu, dass eine Ausbildung nur schwer mit dem Fußball zu vereinbaren sei. Deshalb werde er nach der Mittleren Reife die Fachoberschule oder Ähnliches besuchen. Denn er will sich weiter auf den Sport konzentrieren und an seinem Traum vom Profifußballer arbeiten. Mit seiner stetig positiven Entwicklung in den letzten Jahren ist er auf dem besten Weg dahin. "Früher habe ich davon geträumt, in Aschaffenburg zu spielen. Jetzt bin ich in Darmstadt", gibt Marlon mit einem strahlenden Lächeln zu und schnürt die Schuhe für einen seiner Acht-Kilometer-Läufe, die er von seinen Trainern als Hausaufgaben für die Winterpause erhalten hat.

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