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    Tischtennis: Bundesliga Männer

    Als Außenseiter zum Schlusslicht

    Der TSV Bad Königshofen um Bence Majoros (im Bild) geht als Außenseiter ins Spiel gegen den top-besetzten ASV Grünwetter... Foto: Rudi Dümpert

    Tischtennis (rd)

    Bundesliga TTBL ASV Grünwettersbach – TSV Bad Königshofen (Sonntag, 15 Uhr, Tischtennis-Zentrum)

    Der ASV aus dem Karlsruher Stadtteil Grünwettersbach gehört zu den vier Mannschaften, gegen die der TSV Bad Königshofen in seinen bisher 21 Bundesligaspielen schon einmal gewinnen konnte. Allerdings holte im Januar beim Rückspiel Darko Jorgic, den man nach Saarbrücken ziehen lassen musste, zwei Siege beim 3:2-Erfolg, den dritten Mizuki Oikawa. Mannschaftsergebnisse sind im Tischtennis eh nur bedingt tauglich zu Direktvergleichen. Ein Spielerwechsel hier, einer dort, und schon sind die Perspektiven andere.

    Hinzu kommt in dieser Saison noch mehr als bisher die Besetzung der Positionen eins bis drei in der Aufstellung, welche die Bad Königshöfer am vergangenen Sonntag gegen Fulda für sich nutzen wollten. Möglich, dass es mit anderer Aufstellung genauso ausgegangen wäre. Gut möglich aber auch, dass es völlig anders gelaufen wäre. Allerdings wäre der Poker schon eher aufgegangen, wenn die allerletzten zwei der 92 Ballwechsel für Kilian Ort gegen Wang Xi ausgegangen wären statt gegen ihn beim 9:11 im fünften Satz.

    Ein Lernprozess

    Gewiss sind solche Erlebnisse auch Teil eines Lernprozesses. Doch gerade Tischtennisspieler müssen sie schnellstmöglich verarbeiten und abhaken. Der nächste Gegner hat schon wieder eine ganz andere Spielweise, andere Beläge, andere Taktik und was noch alles entscheidet. Wie wenig manchmal Weltranglisten-Platzierungen entscheiden, hat Kilian Ort selber mit seinen bisherigen Vorstellungen bewiesen. Sonst könnte er, der in der September-Weltrangliste auf Position 215 geführt wird, keine Top-40-Spieler wie Bastian Steger und Kirill Gerassimenko schlagen. Sonst könnte Bad Königshofen womöglich überhaupt kein Spiel gewinnen. Etwas aussagekräftiger sind da schon die Q-TTR-Punkte, die sich aus den Ergebnissen der Mannschaftsspiele ergeben. Danach führt unter Berücksichtigung der drei Spitzenspieler des Vereins Düsseldorf (7713) knapp vor Ochsenhausen (7683), dann kommt schon der Schnitt. Grünwettersbach (7391) wäre demnach Fünfter, Bad Königshofen (7369) Neunter.

    Aktuelle Platzierungen täuschen

    Womit, wäre das der Endstand im März 2019, das Saisonziel des TSV erreicht wäre. Bis dahin dürfte sich das Aussehen der aktuellen Tabelle aber erheblich verändert haben. Drei von 20 Spieltagen machen noch keine realistische Aussage. So täuscht nicht nur der vierte Platz der Bad Königshöfer (4:2 Punkte), sondern erst recht der letzte (11./0:6) des ASV Grünwettersbach. Dessen Spitzenspieler Morizono wurde vom japanischen Verband inzwischen in seine Heimat in die neu gegründete J-League und zur Olympiavorbereitung auf Tokio 2020 beordert.

    Geblieben sind die zwei deutschen Nationalspieler Ricardo Walther (Weltrangliste: 42) und Dang Qiu (Weltrangliste: 161), Kilian Orts Freund und langjähriger Doppelpartner. Aus Saarbrücken kam der slowenische Routinier Bojan Tokic (Weltrangliste: 56) und aus Indien Sathijan Gnanasekaran (Weltrangliste: 40), der sich auf einem sensationellen internationalen Höhenflug befindet. Alle drei sind weit vor den drei Bad Königshöfern platziert. Entsprechend eingeordnet werden müssen aber die Gegner der Badener. So relativieren sich die drei 1:3-Niederlagen gegen Vereine, die in der vergangenen Saison die Plätze eins (Düsseldorf), zwei (Ochsenhausen) und fünf (Bremen) belegt hatten und dort etwa wieder erwartet werden. Direkte Vergleiche im Vorjahr ASV gegen TSV: Walther schlug Oikawa 3:0, der Penholder-Spieler Qiu unterlag gegen Ort 0:3, besiegte aber Oikawa mit 3:0.

    Auf die Form ist kein Verlass

    Dem jungen Japaner steht also eine Herkulesaufgabe bevor, so wie der Mannschaft überhaupt. Kilian Ort weiß, dass man sich nicht allein auf seine gute Form verlassen darf, wie man an Oikawa gesehen hat. Und Bence Majoros hat den Unterschied zwischen 60 Zuschauern bei Borussia Dortmund in der zweiten Liga und 600 in Bad Königshofen zu spüren bekommen. Allerdings ließ ihm die Rolle des „Bauernopfers“ gegen den besten Abwehrspieler der Welt, Ruwen Filus, kaum Möglichkeiten, seine tatsächlichen Qualitäten, zu zeigen. Sie liegen weit über seiner Performance vergangenen Sonntag. Majoros hat die Woche über, wie meistens, in der TT-Akademie in Ochsenhausen trainiert, Ort und Oikawa in Düsseldorf und Filip Zeljko in Bad Königshofen.

    „Keine Frage, wir gehen als Außenseiter ins Spiel“, schätzt Kilian Ort die Lage ein, „sie werden möglicherweise sogar um die vier Play-Off-Plätze mitspielen.“ Walther und Qiu trainieren mit ihm in Düsseldorf. Die letzten Tage, bevor man gegeneinander antritt, geht man sich aber gewöhnlich aus dem Weg. „Dang Qiu ist deutlich besser geworden als im Vorjahr. Ich hoffe, dass wir eines der beiden Eröffnungseinzel gewinnen, um den Druck auf die Heimmannschaft zu erhöhen, der eh schon da ist. Die haben andere Ansprüche als wir. Und ihre kleine Halle sind sie eher gewöhnt als wir.“

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