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    FUßBALL: REGIONALLIGA BAYERN

    Aubstadt: Lieber den Spatz in der Hand

    Aubstadts Torschütze zum 1:1-Ausgleich Michael Dellinger (in Weiß) wird in dieser Szene durch den Memminger David Remiger von den Beinen geholt. Die Aubstädter Co-Trainer Waios Dinudis (links) und Julian Grell betrachten?s mit Skepsis. Foto: Rudi Dümpert

    Die Höhenflieger aus dem Grabfeld haben auf der Flucht nach vorne in der Tabelle vom Regionalliga-Dino FC Memmingen die Flügel gestutzt bekommen. Flugunfähig sind sie deswegen nicht. „Es werden Spiele kommen“, hatte TSV-Trainer Josef Francic wie ein Prophet bei der Kadervorstellung vor vier Wochen gesagt, „da hätten wir eigentlich gewinnen müssen, freuen uns aber trotzdem über einen Punkt.“ Ein solches Spiel fand am Samstag beim 1:1 (1:1) zwischen dem TSV Aubstadt und dem FC Memmingen vor 850 zahlenden Zuschauern in der Regionalliga Bayern statt.

    Und völlig außer Hör- und Sichtweite bekannten er und sein Kollege Uwe Wegmann hinterher wörtlich, gleichlautend und dasselbe meinend, „dass wir auch hätten gewinnen können, wenn uns nach dem 1:0 in der ersten Minute in der dritten das 2:0 gelingt“ (Wegmann) bzw. „wenn wir unsere zwei zusätzlichen Chancen von Ingo Feser und Michael Dellinger rein bringen“ (Francic). Stimmt beides.

    Starke erste Halbzeit

    Die Zuschauer bekamen jedenfalls in der ersten Halbzeit einen Schlagabtausch geboten, der stark an die beiden Siege gegen Heimstetten und Aschaffenburg erinnerte. Im zweiten Spielabschnitt war der beidseitige Spielwitz aber wie abgeschnitten. Beide Teams riskierten nicht mehr so viel wie noch in der ersten, wesentlich besseren Halbzeit. Der Spatz in der Hand, der eine Punkt, schien dem forschen Aufsteiger und den schlecht in die Saison gestarteten Allgäuern verlockender als ein dickes Lob hinterher: für den Mut, aber null Punkte. „Wie bei einem Sieg?“ fragten die Aubstädter ihren Trainer vorsichtig, als er sie zum Spielerkreis zusammen kommen hieß und der für die Mental-Einheiten zuständige Constantin Härter, wie sonst nur nach einem Sieg, das „Zickezacke Hoihoihoi“ intonierte. Ja, sie feierten den einen Punkt auch deshalb wie drei, weil ihnen immer noch irgendwie der Schock durch die Szenen in der ersten und dritten Spielminute in den Klamotten hing.

    Eiskalte Dusche nach 50 Sekunden

    So einen Einstieg in ein Spiel hatte allerdings auch eine Aubstädter Mannschaft oberhalb der Bezirksoberliga, also seit 2008, noch nie erlebt. Zehn Sekunden nach dem Anstoß erste Ecke für Memmingen. Nach 50 Sekunden 0:1 durch Olcay Kücük. Nach 100 Sekunden hätte der Ausgleich fallen müssen, traf Timo Pitter aber nur an den Pfosten. Aubstadt stürmte, was das Zeug hielt, nach vorne, entblößte dabei die Abwehr total (Francic: „Solche Dinge müssen wir noch lernen.“) und hätte in der 3. Minute beinahe das 0:2 kassiert. Fatjon Celani stürmte, begleitet von zwei Mitspielern, mit dem Ball völlig alleine auf den TSV-Keeper Christian Mack zu, einer, der aus 1-gegen-1-Situationen hochprozentig als Sieger hervorgeht. Weil er mit einer Bierruhe abwartet, bis der Stürmer die Richtung verrät.

    Diesmal muss er Celani derart hypnotisiert haben, dass der nicht Zentimeter, sondern gute zwei Meter am Tor vorbei schoss. Zwei Tore Rückstand wären gegen diese Abwehr, die stärker als die von Heimstetten und Aschaffenburg war, nur schwer aufzuholen gewesen. Oder doch, wenn Aubstadt nur in der Form der ersten Halbzeit durch gespielt hätte. Doch jedes Spiel läuft anders. Und diese Memminger traten auch ganz anders auf, als mancher Zuschauer beim Blick auf die Tabelle (17.) vermutet hätte. Und noch einmal, allerdings auch das dritte und letzte Mal, drohte dem TSV-Gehäuse Gefahr von den Gästen. Celani zog bei einem zweiten Ball nach einer Ecke direkt ab und Daniel Leicht rettete kurz vor der Linie.

    Dellingers Kopfball sitzt

    In der 30. Minute kam zunächst mal wieder alles ins Lot. Das Spiel hatte eine Dynamik derart entwickelt, dass gefühlt bei jedem Angriff höchste Gefahr für das Tor des Anderen bestand. Ob sie?s gar so spannend gewollt hätten, die 850 Zuschauer? Von denen Josef Francic sich begeistert zeigte: „Ich glaube, wir haben die Region davon überzeugt, dass es sich lohnt, uns zuzugucken. Letztes Jahr noch schimpften 20 oder 30 über eine Fehlentscheidung. Jetzt sind es Hunderte, weil sie mitbekommen, dass hier mit Herz und Leidenschaft gespielt wird, auch wenn man trotzdem nicht immer gewinnen kann.“ In dieser 30. Minute gelang dem Aufsteiger nämlich der Ausgleich durch Mike Dellinger, der nach einem Feser-Freistoß mit dem Kopf zur Stelle war, von vier Gegnern umringt.

    Kein Power-Fußball mehr

    Was für ein tolles Fußballspiel – bis zur Pause. Danach war es wie bei einem schlechten Krimi, bei dem in der ersten Hälfte schon alles passiert und gelöst ist, in der zweiten aus Zeitgründen nichts mehr passieren darf. Francic nahm Ben Müller für David Bauer herein, stellte mutig auf Dreierkette um. Aber der Power-Fußball war vorbei. Jetzt wurde mitunter von Beiden langsam nach vorne gespielt. Das Geschehen auf dem Feld war zudem durch viele schauspielerische Liege- und Pflege-Einheiten zerstückelt.

    Francic ganz Diplomat: „Unser Gegner hat sich dem Schiedsrichter sehr gut angepasst. Ich weiß aber nicht so recht, ob wir das auch lernen sollten“. Der Rhythmus war verloren und beide fanden sie ihn bis zum Schlusspfiff nicht wieder. Uwe Wegmann: „Wenn man so eine weite Anreise hat, ist ein Punkt okay.“

    Die Statistik des Spiels

    Fußball: Regionalliga Bayern TSV Aubstadt – FC Memmingen 1:1 (1:1)

    Aubstadt: Mack – Bauer (46. Müller), Köttler, Benkenstein, Grader – Leicht, Trunk – Pitter (72. Schebak), Feser, Dellinger – Schmidt (67. Bieber).

    Memmingen: Gruber – L. Kelmendi, Remiger, A. Kelmendi, Sirch – Rietzler, Kücük – Morou (90.+2 Gräser), Nickel, Watanabe (81. Skrijeli) – Celani (70. Boyer).

    Schiedsrichter: Schwarzmann (Scheßlitz).

    Zuschauer: 850.

    Tore: 0:1 Kücük (1.), 1:1 Dellinger (30.)

    Gelb: Köttler, Pitter, Leicht, Benkenstein – Kücük, Morou, L. Kelmendi, Remiger.

    ONLINE-TIPP

    Viele Bilder vom Spiel unter: www.mainpost.de

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