• aktualisiert:

    FUßBALL: BAYERNLIGA NORD

    Gezaubert wird nur vorübergehend

    Der TSV Abtswind (rechts Cristian Fischer) war ein zäher Widersacher für den TSV Aubstadt um Kapitän Daniel Leicht. Foto: Rudi Dümpert

    In einem lebhaften Bayernliga-Nord-Spiel zwischen dem TSV Aubstadt und dem TSV Abtswind wurde einiges auf den Kopf gestellt, was man anders erwartet hatte. Normal war eigentlich nur das Ergebnis, wenn der Zweite den Dreizehnten empfängt. Dass allerdings die gegen die Relegationsplätze strampelnden Abtswinder über weite Strecken, sprich in der ersten Halbzeit und in der Schlussphase, die dominierende Mannschaft sein würden, eher nicht. Die um den Aufstieg kämpfende rettete sich nur über ihre Routine, besser besetzte Bank und ein Quäntchen Glück zu dem nur auf dem Papier klaren 3:0-(1:0)-Sieg. Hinzu kommt, dass die Gäste weder ihr Plus an Spielanteilen noch an Torchancen mindestens zu einem verdienten Unentschieden nutzten. Und dass in der 44. Minute sogar der Spielverlauf auf den Kopf gestellt wurde, passt zum Gesamteindruck dieser interessanten 90 Minuten.

     

    Francic ist wenig überrascht

    Aubstadts Coach Josef Francic sah dies zwar ebenso, war aber weniger überrascht: „Wenn ich die ganze Zeit sage, dass wir noch zehn, dann noch neun Relegationsspiele und so weiter vor uns haben und dass jedes Spiel ein schweres wird, dann ist das kein Understatement. Das ist so.“ Auch Abtswinds Trainer Mario Schindler, der eine sehr gut organisierte, moralisch und kämpferisch intakte Mannschaft aufs Feld gebracht hatte, die nur etwas schlampig mit ihren Chancen umging und kurz vor und nach der Halbzeit den Faden verlor, sah es ähnlich: „Wenn man 0:3 verliert, hört es sich komisch an, wenn man von den klareren Chancen und mehr Spielanteilen spricht. Wir bekamen zu unglücklichen Zeitpunkten die Gegentore und hatten nur zwischendurch zwei, drei Minuten Auflösungserscheinungen. Kaufen können wir uns davon halt nichts. In den entscheidenden Momenten war diese Aubstädter Mannschaft abgezockter, was wir noch lernen müssen. Fußball kann manchmal schon grausam sein.“

    Waren die Gastgeber überrascht vom Offensivdrang der Gäste, ja auch von ihrer Spielkultur oder haben sie den Geduldsfaden nur fast etwas überdehnt? Die erste Halbzeit ging in allen Belangen an die forsch aufspielenden und hoch pressenden, mutigen Gäste. 90 Minuten Dominanz ohne Phasen der Zurückhaltung hatte Francic gefordert. Diese ersten 45 Minuten nahm die leicht umformierte Aubstädter Elf komplett als Auszeit. „Dann haben wir uns um den Lohn für unsere Arbeit gebracht“, beteuerte Schindler. Doch was soll man machen, wenn ein Ingo Feser mit seiner klasse Schusstechnik einen 20-Meter-Freistoß vielleicht sogar mit der Absicht draufhaut, dass er abgefälscht wird? Er wurde abgefälscht und Torwart Florian Warschecha, der bis dahin ja noch kaum was zu tun hatte, war ohne Chance.

    Entscheidung in drei Minuten

    Jene schlimmen drei Minuten für Abtswind begannen in der 54. Minute. Erst sah Nicolas Wirsching Gelb-Rot für eine Notbremse. Dann war der für den verletzt ausgeschiedenen Patrick Kirsten (16.) eingewechselte Julius Benkenstein bei einer Martin-Thomann-Ecke mit dem Kopf höher als die Querlatte und nickte zum 2:0 (56.) ein. Und noch im Anstoßkreis schnappte sich Daniel Leicht den Ball, schlug ihn lang auf Martin Thomann, und der knipste zum 3:0 (57.). Christian Köttler wollte es wenig später einfach nicht wahrhaben, dass auch er mit Gelb-Rot (63.) vom Feld musste. An der Überlegenheit der Grabfelder bis etwa zehn Minuten vor Schluss änderte es nichts. Da waren die Wechselspieler drin und machten Dampf. Da zauberte der Gastgeber vorübergehend, als wolle er den 350 Zuschauern zeigen: „Schaut her, wir können?s. Nur nicht immer.“

    Mack reißt den Fuß hoch

    Den Gästen blieb selbst der Ehrentreffer versagt: Benkenstein – von seinen Nebenleute in Bedrängnis gebracht – foulte Adrian Dußler, der den Strafstoß selbst ausführte. Und da demonstrierte Aubstadts Torwart Christian Mack seine ganze Klasse, entschied sich für eine Ecke, riss aber mit Körperspannung in der Tormitte den Fuß mit hoch: Genau da hin, wo Dußler den Ball schnibbeln wollte, der über die Latte in den Fangzaun ging.

    Damit war die Moral der Mannschaft aus dem Wein- und Kräuter-Dorf aber immer noch nicht gebrochen. Auf dieser Leistung aufbauen kann die auf jeden Fall. Für die Grabfelder gilt das eher nicht, die haben andere Ansprüche und Möglichkeiten. „Ich bin zum einen zufrieden mit dem Ergebnis und zum anderen auch mit dem Ergebnis“, philosophierte Josef Francic hinterher. „Wenn ich Abtswinder Trainer wäre, hätte ich meiner Mannschaft genau diese Taktik mitgegeben wie Mario Schindler. Bei uns hat heute einigen Protagonisten die Qualität gefehlt. Wir haben kaltschnäuzig schnell das Spiel entschieden und nichts mehr anbrennen lassen.“

    Die Statistik des Spiels

    Fußball: Bayernliga Nord

    TSV Aubstadt – TSV Abtswind 3:0 (1:0)

    Aubstadt: Mack – Trunk, Köttler, Kirsten (16. Benkenstein), Grader – Behr, Leicht – Dellinger, Martin Thomann, Feser (74. St. Schmidt) – Grell (61. Chr. Schmidt).

    Abstwind: Warschecha – Herrmann, Brunsch, Wirsching, Wolf – Dußler, Hillenbrand, Hilgert (46. Jeni, 69. Fischer) – Graf, Lehmann – Endres (85. Wirth).

    Schiedsrichter: Denzlein (Hochstadt/Main). Zuschauer: 350.

    Tore: 1:0 Feser (44.), 2:0 Benkenstein (56.), 3:0 Martin Thomann (57.).

    Gelb-Rot: Wirsching (54., Abtswind), Köttler (63., Aubstadt).

    Besondere Vorkommnisse: Mack (Aubstadt) pariert Foulelfmeter von Dußler (75.).

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!