• aktualisiert:

    FUßBALL: BAYERNLIGA NORD

    Bedeutend wie ein Relegationsspiel

    Dominik Grader (rechts) hat bisher alle Saisonspiele beim TSV Aubstadt absolviert. Zum Abschluss des Fußballjahres 2018 geht es für die Aubstädter im Spitzenspiel beim Würzburger FV um die Tabellenführung. Foto: Rudi Dümpert

    Fußball (rd)

    Bayernliga Nord Würzburger FV – TSV Aubstadt (Samstag, 14 Uhr, Sepp-Endres-Sportanlage)

    „Man muss die Dinge nehmen wie sie sind, zumal wenn man keinen Einfluss darauf hat“, hieß die Parole von Aubstadts Trainer Josef Francic nach dem abgesagten Spiel in Hof am vergangenen Samstag. Von Spekulationen jedweder Art mag er nichts wissen, sondern zieht sogar einen positiven Schluss daraus: „Wir haben nicht gespielt und das hat uns gut getan, weil der eine oder andere Kranke oder Angeschlagene wieder fit ist wie Mike Dellinger und Martin Thomann.“ Dass die Beiden ganz wichtige Pfeiler der Offensivkraft seiner Mannschaft sind, muss er nicht besonders herausstellen. Beide spielen bisher wahrscheinlich die beste Saison ihrer Laufbahn. Auch Dominik Grader, ihn hatte die Grippe erwischt, sollte wieder auf dem Damm sein. Der Vermessungsingenieur ist einer der beständigsten und flexibelsten Spieler im Kader. Der 28-Jährige kam 2010 zum TSV Aubstadt und hat seitdem 246 von möglichen 283 Punktspielen der ersten Mannschaft bestritten. Als Einziger war er bei allen 21 Spielen dieser Saison im Einsatz. Daniel Leicht und Christoph Schmidt (je 20) sowie Ingo Feser und Steffen Behr (je 19) folgen in dieser Liste.

    Ballhunger wieder da

    „Die Pause hat uns gut getan, auch, dass der Ballhunger wieder da ist“, sieht Francic nur Positives. In dieses Spektrum passt auch, dass der langzeitverletzte Jens Trunk wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und voraussichtlich nach der Winterpause wieder einsetzbar ist. Natürlich weiß Josef Francic um die Begleitumstände verschiedenster Art rund um dieses Spiel, beschränkt sich dabei aber exklusiv auf das Sportliche. „Es sind die Spiele, in denen es um alles geht, vergleichbar mit Relegationsspielen.“ Unvergessen die unglückliche 2:3-Heimniederlage in der Vorrunde, ebenso das 0:0 im Frühjahr mit dem der Relegationsplatz in Gefahr geriet. Beide Spiele hätte Aubstadt den Torchancen nach klar gewinnen müssen. Doch der Würzburger Trainer hatte beide Mal nicht nur Fortuna im Boot, sondern auch eine raffinierte Taktik zusammengebastelt, die seine Truppe aber auch umzusetzen wusste.

    Verschworene Gemeinschaft

    Bevor Francic auch nur einen Spieler des Gegners nennt, weist er auf „eine sehr starke Mannschaft mit einem sehr guten Trainer Marc Reitmaier“ hin. Der 35-Jährige hat den WFV im September 2015 in schier aussichtsloser Situation übernommen und mit gar nicht einmal so vielen personellen Veränderungen zu einer absoluten Bayernliga-Spitzenmannschaft geformt. In seiner ersten Saison führte er sie noch auf Platz 12, danach wurde der WFV zwei Mal undankbarer Dritter. Reitmaier hat sehr frühzeitig im Herbst angekündigt, dass er nach dieser Saison eine neue Herausforderung antreten wird. Es würde nicht wundern, wenn dies bei einem höherklassigen Verein der Fall wäre. Wegen der relativ geringen Veränderungen im Kader ist die WFV-Mannschaft zwar nicht die jüngste, aber gerade im besten Alter. 26,8 Jahre betrug das Durchschnittsalter der Startelf vor einer Woche beim 1:0 gegen Ammerthal. Mit Reitmaier an der Spitze ist sie ein Team im allerbesten Sinn, eine verschworene Gemeinschaft, die ihren Charakter durch ihre Erfolge auf dem Platz und ihr Verhalten außerhalb zeigt.

    Herausragende Leistungsträger

    Im Moment sind die Wogen ja geglättet bei den Zellerauern. Hinter ihnen liegen turbulente Wochen sportlicher und wirtschaftlicher Art. Eine Insolvenz stand im Raum, unter bestimmten Bedingungen stundete die Mannschaft die Gehälter bis Februar, machte selber ihre Hausaufgaben. Sie haute sich auf dem Platz voll ins Zeug, sammelte Punkte, manchmal in überragender, manchmal in glanzloser Manier. Aber sie blieb immer an Gebenbach und Aubstadt dran mit einem bzw. zwei weniger ausgetragenen Spielen. Sie ist sogar virtueller Tabellenführer, wenn sie diese zwei gewinnt. Herausragende Leistungsträger hat der WFV jede Menge: Angefangen vom aus Wülfershausen stammenden Keeper André Koob über Benjamin Schömig, Dennie Michel (4 Tore), Sebastian Fries (5), von den Kickers gekommen und sofort Kapitän, Andrian Istrefi (6), Patrick Hofmann (7) bis Cristian Alexandru Dan (10).

    Francic will Bilanz aufbessern

    „Wir sind gut vorbereitet“, strahlt Francic Ruhe aus. „Es wird ein sehr schwieriges Spiel und wir müssen eine Glanzleistung bringen, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Ihre beiden Flügelspieler Michel und Hofmann sind top. Vorne ist Dan der kaltblütige Vollstrecker. Doch wir wollen sie nicht zu hoch loben, wir sind auch gut. Ich glaube die Deckungsblöcke beider Mannschaften entscheiden darüber, wer dieses Spiel gewinnt.“ Verzichten muss Francic auf seinen Motor, Antreiber, Einfädler, den Mann mit dem tödlichen Pässchen Daniel Leicht, der sich einer Hüft-OP unterzog, die geplant wurde, als man von diesem Termin noch nichts wusste. Marc Reitmaier hat mit 5-1-1 eine irre gute private Bilanz mit dem WFV gegen Francic mit dem TSV. Francic: „Daran muss man arbeiten.“

    Weitere Artikel

    Kommentare (0)

    Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!