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    HANDBALL: 3. LIGA

    HSC: „Handball ist nur eine Spaß-Veranstaltung“

    Rotmilane-Geschäftsführer Eduard Mardian (im Bild) hält die Unterbrechung der Handballsaison für „richtig und notwendig“. Foto: Anand Anders

    Wie geht es weiter? Eine Frage, die sich in Zeiten der Ausbreitung des Coronavirus und der staatlichen Gegenmaßnahmen auch der HSC Bad Neustadt gestellt hat. Umfassende Antworten gibt es nicht, da unterscheidet sich das normale Leben nicht vom Sportbetrieb. Aber hier wie dort wurden erste Maßnahmen ergriffen.

    „Wir haben den Trainingsbetrieb in der Halle ausgesetzt“, sagt Eduard Mardian am Montagmorgen. Seit Montag sind in Bayern alle öffentlichen Hallen gesperrt, also auch die vom HSC genutzte Bürgermeister-Goebels-Halle. „Jeder Spieler hat einen individuellen Trainingsplan erhalten“, ergänzt der Geschäftsführer der Spielbetriebsgesellschaft. In diese Gesellschaft ist die Drittliga-Mannschaft der Rotmilane ausgegliedert. In normalen Zeiten würden diese Pläne für die Spieler auch Übungen im Studio von Fitnesstrainer Carsten Pusch beinhalten. Doch nach Ausrufung des Katastrophenfalls in Bayern müssen Fitnessstudios ab Dienstag geschlossen bleiben. „Ein bisschen funktionelles Training kann jeder ja zuhause machen“, sagt Felix Schmidl, der Torwart der Rotmilane. Daneben müsse man sich halt aufs Laufen beschränken.

    Der DHB hat den Spielbetrieb bis 19. April unterbrochen

    Am Freitag hat der Deutsche Handballbund (DHB) den Spielbetrieb unter anderem für die 3. Liga vorerst bis 19. April unterbrochen. „Die Corona-Krise ist eine Aufgabe, die wir gemeinsam bewältigen müssen. Das verlangt von uns allen Einschränkungen, die wir mit Blick auf die Eindämmung des Coronavirus und die Gesundheit aller auf uns nehmen. Wir haben Verantwortung füreinander. Sportliche Prioritäten müssen im Moment klar hintenanstehen“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann.

    Am Donnerstagmorgen hatte der Verband die Drittligisten zunächst informiert, dass der Spieltag am Wochenende durchgezogen werden soll. Nach Rücksprache mit den Behörden hatte sich der HSC Bad Neustadt daraufhin entschlossen, die für den vergangenen Samstag angesetzte Partie gegen den TV Großsachsen ohne Zuschauer stattfinden zu lassen und das auch kommuniziert. Wenige Stunde später erreichte Mardian die nächste E-Mail des Verbands mit dem Inhalt, dass der aktuelle Spieltag abgesagt sei. Am nächsten Tag schließlich informierte der DHB die Klubs über die vorläufige Aussetzung des Spielbetriebs.

    Mardian: Aussetzung der Spiele „richtig und notwendig“

    Ein Hin und Her, das Mardian nicht groß anficht. „Es ist halt so“, sagt er und betont, dass er die jetzt geltende Entscheidung vorbehaltlos unterstützt: „Diese Pandemie hat in den letzten sieben Tagen eine enorme Eigendynamik entwickelt, die so keiner vorhersehen konnte. Die Aussetzung des Spielbetriebs halte ich für richtig und notwendig. Es gibt eine gesellschaftliche Pflicht der Verbände, die Spieler, Trainer, Betreuer und Fans zu schützen.“

    In der Zeit der Aussetzung des Spielbetriebs hätten die Rotmilane drei Heimspiele haben sollen. Das gegen Großsachsen vergangenen Samstag, das gegen Dutenhofen/Münchholzhausen II am 28. März und das gegen den TV Großwallstadt – nach der ohnehin geplanten Osterpause – am 18. April.

    Es fehlen die Einnahmen von drei Heimspielen

    Die fehlenden Einnahmen aus den Ticketverkäufen und aus dem Catering für diese Spiele reißen kurzfristig ein Loch in den Etat der Spielbetriebsgesellschaft. Oder langfristig, sollte die Saison abgebrochen werden. „Das trifft uns schwer. Aber nicht existenziell“, sagt Eduard Mardian. Intern denke man über Kurzarbeit nach, außerdem habe man angefragt, ob es Hilfe vom DHB für die Vereine geben wird. „Wir haben noch keine Rückmeldung bekommen. Ich glaube, das wird auch noch dauern.“

    „Ja, finanziell wird die Situation schwierig“, räumt auch Felix Schmidl ein. Er gehört wie André Härder und Sebastian Kubik zu dem Team, das Geschäftsführer Mardian unterstützt. Schmidl ist für Marketing und Vertrieb verantwortlich. „Ich glaube aber, wir sind mit unseren über 60 Sponsoren gut aufgestellt.“ Die meisten Partnerschaften seien langfristig geschlossen. „Wir müssen nicht schwarzmalen“, sagt Schmidl. Der freilich weiß, dass Sport im Allgemeinen und Drittliga-Handball beim HSC Bad Neustadt im Speziellen dieser Tage nur eine untergeordnete Rolle spielen: „Handball ist nur eine Spaß-Veranstaltung.“ Die Gesundheit der Menschen, das wirtschaftliche Fortbestehen von Firmen sowie die Arbeitsplätze der Menschen, das seien Dinge, die „sind alle wichtiger als der HSC. Ich wünsche mir, dass wir alle gemeinsam anpacken und dass alle gesund und gut durch diese Krise kommen. Wir bleiben positiv.“

    Intern gibt es Gedankenspiele, wie es weitergehen könnte

    Intern, sagt Schmidl, habe man sich schon Gedanken gemacht, wie es sportlich weitergehen könnte. Die Szenarien, in denen die Saison nach Ostern fortgesetzt wird, gelten den HSC-Verantwortlichen derzeit als die unwahrscheinlicheren. Die Rotmilane könnten sich eher vorstellen, dass der Spielbetrieb nicht mehr neu aufgenommen wird. „Dann könnte man entweder sagen, Aufsteiger und Absteiger orientieren sich am aktuellen Stand. Oder man wiederholt die Saison“, sagt Schmidl, der selbst die zweite Option befürworten würde. Warum? „Weil wir rein rechnerisch den Klassenerhalt sportlich ja noch schaffen könnten. Aber das ist ein bisschen Lesen im Kaffeesatz.“

    Personalentscheidungen bis Ende der Woche

    Eigentlich hatte Eduard Mardian in dieser Woche wissen lassen wollen, wie in Zukunft die Mannschaft des HSC aussehen wird. Doch die Fans der Rotmilane werden sich gedulden müssen. „Ich musste Termine verschieben“, sagt Mardian. Er selbst wird in dieser Woche teilweise von zuhause aus arbeiten und sich um die Betreuung seines Sohnes kümmern. „Ich denke, bis Ende der Woche können wir ein, zwei Entscheidungen bekannt geben. Dann können die Leute mal über etwas anderes reden als das Coronavirus.“

    Der HSC Bad Neustadt (das Archivbild zeigt links Felix Schmidl und rechts Moritz Rubner) hat alle gemeinsamen Trainingseinheiten abgesagt. Die Bürgermeister-Goebels-Halle ist geschlossen. Foto: Anders

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