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    FUßBALL: BAYERNLIGA NORD

    Josef Francics glückliches Händchen

    Packende Zweikämpfe bekamen die 1450 Zuschauer im Grabfeld-Derby zu sehen. Florian Dietz (links, Großbardorf) und Aubstadts Michael Dellinger mussten sich am Ende mit einer Punkteteilung zufrieden geben. Foto: Rudi Dümpert

    Das vierte Grabfeld-Derby dieses Jahres war wahrscheinlich das beste. Einen Sieger gab es im Rückspiel der Bayernliga Nord jedoch nicht, beiden Kontrahenten trennten sich unentschieden 2:2 (0:1). Die Meinungen über die Qualität des Spiels gingen zwar auseinander. Einig war man sich aber weitestgehend, dass Großbardorf in der ersten Halbzeit die etwas bessere Mannschaft war, dass sich eine noch bessere ihren 2:0-Vorsprung in der zweiten Halbzeit nicht mehr nehmen lässt und dass sich Aubstadt die Punkteteilung dann aber auch redlich verdient hat. Gut war auf jeden Fall auch, dass nicht wie in manchem vorherigen Derby allzu lange taktiert wurde, sondern dass beide Teams den Tipp von Gastgeber-Trainer Josef Francic beherzigten, dass derjenige gewinnt, der mehr zu riskieren bereit ist. Und selbst mit der ersten Halbzeit einverstanden waren viele des Aubstädter Bayernliga-Heimrekord-Publikums, wenn sie denn die Qualität nicht nur an Toren und Torchancen zu messen bereit waren.

    Große Kulisse

    Die Gastgeber hatten gleich zwei Ziele, ein wirtschaftliches und ein sportliches. So betrachtet haben sie das eine erreicht mit 1450 zahlenden Zuschauern, weil sie das Spiel und die abendliche Party danach auf einen Tag legten – und die Bardorfer dazu ihr Einverständnis gaben. Zum zweiten Ziel allerdings nicht, und beinahe hätten sie den Gastgebern zwar den finanziellen Reibach überlassen, ihnen sportlich aber ordentlich in die Suppe gespuckt. Wer bis zur 87. Minute führt, kann auch gewinnen. Doch dasselbe sagten die Aubstädter acht Tage vorher in Gebenbach auch. So betrachtet kam es zur von den allermeisten anerkannten, gütlichen Lösung, dem ersten Unentschieden seit Jahren.

    Der Bedeutung der Partie angemessen war auch hoher Besuch in Person von Schiedsrichter Patrick Hanslbauer da, dessen Spielleitung man anmerkte, warum er normalerweise höherklassige Einsätze hat. Ob eine dieser beiden Mannschaften auch höherklassig zurecht käme? Mit einem klaren „Nein“ keineswegs zu beantworten, mit einem „Ja, wenn“ und einigen Auflagen schon eher. Dass sie diesem Publikum keine Taktiererei anbieten können, darüber bestand auch Einigkeit. Die Gäste, ihr Trainer André Betz ließ sich darauf ein, dass es zumindest in der ersten Halbzeit die beste Saisonleistung war, fanden besser in die Partie als die Einheimischen. „Der entscheidende Punkt war“, so Aubstadts Trainer Josef Francic, „dass wir da Björn Schönwiesner nicht unter Kontrolle bekamen.“ In der Tat war dessen Position überhaupt nicht zu definieren, trieb er sich doch überall dort herum, wo gerade der Ball war, eroberte viele Bälle am oder im eigenen Strafraum und schleppte sie bis in die torgefährliche Zone des Gegners.

    Piechas Geistesblitz

    Während gleichzeitig bei den Hausherren wahrlich nicht alle in Gala-Derby-Form waren und der Musik hinterher liefen, die sie sonst selber anführen. Bezeichnend, dass zwei von der Bank eingewechselte Spieler das 0:2 noch zum 2:2 drehten. Eigentlich war bis zur Gästeführung bei Beiden alles im Lot. Vor lauter taktischer Disziplin und trotz hohem Tempo im Spiel würzten dieses zunächst nur je eine Halbchance: Snaschel drüber und Dellinger drüber. Eine vergleichsweise Achtel-Chance reichte schließlich zum 0:1. Ein langer Ball aus dem Mittelkreis erreichte Kapitän Stefan Piecha, der, mit Routine oder Geistesblitz, den Aubstädter Keeper Felix Reusch unschlüssig am Fünfmeter-Eck das Herauslaufen unterbrechen sah. Er hob den Ball über ihn hinweg ins leere Tor.

    Packende Schlussphase

    Und auch beim 0:2 lauerte Reusch vier Meter vor seinem Tor. Es waren vier zu viel, denn das sah Björn Schönwiesner und hob aus 18 Metern halblinks den Ball über ihn und rechts unter die Latte. Noch vor dem Anstoß holte Francic Kleinhenz vom Platz und schickte Max Schebak ins Spiel, der noch sehr viel Gutes vollbrachte. „Es war nicht Wut dabei, aber eine Riesen-Motivation“, bekannte der Torschütze des 1:2 nur drei Minuten nach seiner Einwechslung. Eine feine Kombination von Leicht über Grell und Feser war vorausgegangen und Schebak zog ab, an den langen Innenpfosten und ins Netz. Plötzlich war der Anschluss wieder geschafft, doch die Gäste ließen sich ebenso wenig wie ihr Trainer („weiter so, Leute, genau so weiter“) aus der Ruhe bringen, während dem Tabellenführer die Zeit davon zu rennen drohte.

    Da war aber noch einer rein gekommen, der nach drei Spielen Verletzungspause brannte. Martin Thomann selbst eröffnete die Kombination, Schebaks Eingabe wurde abgewehrt, Leicht hob den zweiten Ball zentral an die Fünfmeterlinie und Martin Thomann köpfte die Kugel zum 2:2 ins Tor – in der 87. Minute. „Ich habe vorher gesagt, ein Punkt wäre top, ein Dreier überragend“, war Betz hinterher dennoch gefasst. „Der Dreier war ohne Frage auch drin. Ich weiß jetzt noch gar nicht, was bei mir überwiegt. Die Jungs haben das aber sehr gut gemacht. Das war doch ein Klasse-Spiel.“ Und Francic: „Zum dritten Mal wirkten die Bardorfer hier in Aubstadt bissiger. Wir haben aber nach Vach wieder mal ein 0:2 umgebogen und es wäre noch mehr drin gewesen. Das Unentschieden geht aber in Ordnung.“

    Die Statistik des Spiels

    Fußball: Bayernliga Nord

    TSV Aubstadt – TSV Großbardorf 2:2 (0:1). Aubstadt: Reusch – Bauer (40. Behr), Kirsten, Köttler, Grader – Leicht – Dellinger, Christoph Schmidt (73. Martin Thomann), Kleinhenz (53. Schebak), Feser – Grell. Großbardorf: Schneider – Müller, Mangold, Hölderle, Heusinger – Poznic – F. Dietz, Zehe (79. Röder), Piecha, Schönwiesner – Snaschel (68. Dinkel).

    Schiedsrichter: Hanselbauer (Fürth). Zuschauer: 1450. Tore: 0:1 Piecha (30.), 0:2 Schönwiesner (53.), 1:2 Schebak (56.), 2:2 Martin Thomann (87.).

     

    Von Rudi Dümpert

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