• aktualisiert:

    LOKALSPORT:

    „Einrad-Cowboys“ als Aushängeschild

    spielefest einrad       -  Die erfolgreichste Abteilung des TSV Rappershausen ist gleichzeitig die jüngste und aktuell noch die einzige aktive Sparte: die Einradsportlerinnen. Das Bild zeigt sie im Jahr 2012, als sie bei der Sparkassen-Sommerfete und dem städtischen Spielefest Kostproben ihres Könnens zeigten.
    Die erfolgreichste Abteilung des TSV Rappershausen ist gleichzeitig die jüngste und aktuell noch die einzige aktive Sparte: die Einradsportlerinnen. Das Bild zeigt sie im Jahr 2012, als sie bei der Sparkassen-Sommerfete und dem städtischen Spielefest Kostproben ihres Könnens zeigten. Foto: Andreas Sietz

    Die Zahl der Fußballmannschaften im Spielbetrieb hat in den letzten Jahrzehnten abgenommen. Nicht wenige Sportvereine haben Spielgemeinschaften mit Nachbarvereinen gebildet, andere haben das Fußballspielen wegen Spielermangels sogar ganz aus dem Angebot streichen müssen, vor allem in kleineren Ortschaften. Fußballbegeisterte Aktive aus diesen Orten müssen seitdem auf andere Vereine ausweichen.

    In diese Situation gerieten Mitte der 1990er Jahre auch die Aktiven des TSV Rappershausen. Für das 270-Seelen-Dorf war es nicht das erste Mal, dass man wegen Spielermangels die Fußballmannschaft abmelden musste. Schon nach Ende der Saison 1982/83 hatte es zu wenige Akteure gegeben, um den seit 1963 bestehenden Spielbetrieb aufrechterhalten zu können. Doch die politischen Veränderungen ermöglichten in der Runde 1992/93 einen fußballerischen Neustart. Nach der Grenzöffnung und Wiedervereinigung gelang es aufgrund der wieder hergestellten guten Kontakte zum thüringischen Behrungen ein neues Fußballteam aufzubieten. Und nicht nur das – es konnten sogar eine zweite Männer- und zwei Jugendmannschaften gebildet werden.

    Verstärkung aus Thüringen erhalten

    Weil das nur zwei Kilometer entfernte Behrungen zu DDR-Zeiten abgeschottet im Sperrgebiet lag und deshalb dort keine Fußballspiele ausgetragen werden konnten, gab es dort weder einen Fußballplatz noch einen Fußballverein. Junge Behrunger nahmen deshalb gerne die Einladung aus Rappershausen an, um beim fränkischen Nachbarn Fußball zu spielen, wenn auch nur unterklassig.

    Der TSV Rappershausen spielte immer in der C-Klasse und landete meist in der zweiten Tabellenhälfte. Sportlicher Ehrgeiz war stets vorhanden, aber der Spaß am Fußballspielen und die sportliche Kameradschaft standen im Vordergrund. Nach Training und Heimspielen traf man sich anschließend im Stammlokal bei Lina Machalett (später Jucht), seit 1981 dann im eigenen Vereinsheim.

    In einer Chronik zur 75-Jahr-Feier des TSV im Jahr 1983 schrieb der ehemalige Fußballer, Turner und Leichtathlet Rainer Other, der auch eine Zeit lang TSV-Schriftführer war, dass die Fußballmannschaft „auch nach fürchterlichen Anfangsschlappen den Mut nicht verlor. Übrigens mit gleichmäßigem Erfolg. Denn wir spielen seit 20 Jahren in der C-Klasse, ohne jemals ,abgestiegen‘ zu sein.“

    TSV schnuppert an der Pokal-Überraschung

    Trotzdem gab es sporadische Erfolge für die seit 1963 bestehende Fußball-Abteilung. Oldie Edgar Günther, der selbst Kicker (auf der „Läuferposition“), Turner und Leichtathlet war und viele wichtige Ehrenämter im Dorf bekleidet hatte, weiß von drei Pokalturniersiegen in der Saison 1969 in Nachbarorten und von einer honorigen, nur knappen 0:1-Niederlage 1968 im Pokalspiel gegen den höherklassigen TSV Bad Königshofen. Damals hatte es kurz vor Schluss noch 0:0 gestanden. Und nur ein Foulelfmeter nach einer „Schwalbe“ eines Königshöfers habe eine Pokalsensation verhindert.

    Der Spielerkader beim TSV Rappershausen musste nicht selten durch Nicht-Einheimische aufgefüllt werden, zum Beispiel durch zwei Grenzpolizisten, zwei Bundeswehrangehörige und weitere Angeworbene. Doch nach der Saison 1994/95 mussten die Vereinsverantwortlichen kapitulieren und die Fußballmannschaft abmelden. Die verbliebenen Aktiven wechselten größtenteils zum TSV Höchheim, mit dem schon seit 1984 eine Spielgemeinschaft der Seniorenfußballer bestand. Dazu gehörte auch Ewald Eppler. Der knapp 70-Jährige kickte von 1967 bis zur Auflösung für den TSV Rappershausen – anfangs als Stürmer, meist aber als Torwart, so lange wie sonst keiner. Seit 1975 bis heute ist er der Vereinskassierer.

    1908 als reiner Turnverein gegründet

    Der TSV Rappershausen war ursprünglich als reiner Turnverein 1908 gegründet worden mit Pfarrer Georg König als 1. Vorsitzenden. Turnfeste bildeten die Höhepunkte, später auch Leichtathletik-Feste. Die beiden Weltkriege führten jeweils zu mehrjährigen Vereinsauflösungen und zu Neustarts in den Jahren 1919 und 1946. Jedes Mal wurde zuerst das Turnen wieder aufgenommen. Ab 1946 kamen noch Ballspiele dazu, Schach, Tischtennis und eine Theatergruppe.

    Als sich 1949 kein neuer Vorstand finden ließ, ruhte das Vereinsleben bis 1962. Dann wurde der TSV wiederbelebt durch das Trio Karl-Heinz Kramer (Lehrer), Otto Günther und Herbert Uebelacker. Letzterer führte den Verein bis 1975. In Kooperation mit dem Gau-Ehren-Oberturnwart Paul Schneider vom TSV Mühlfeld wurde wieder geturnt und Fußball gespielt. 1964 wurde in Eigenleistung ein Sportplatz gebaut. Der Fußball dominierte fortan das Sportgeschehen. Die Turnabteilung löste sich 1968 auf.

    Bis 1986 war Sport im TSV Rappershausen reine Männersache. Dann gründete Elfriede Siegel die Abteilung Damengymnastik. 2002 kam eine zweite Gymnastikgruppe für jüngere Frauen hinzu. Männliche Rappershäuser Sportler betreiben ihre Sportart seit einem Vierteljahrhundert bei Nachbarvereinen.

    Mehrere bayerische Titel errungen

    Die bisher erfolgreichste Abteilung des TSV ist gleichzeitig die jüngste und aktuell noch die einzige aktive Sparte – die Einradsportlerinnen, die sich bei Auftritten gerne auch als „Einrad-Cowboys“ bezeichnen. Sie gibt es seit 2004, gegründet von Olaf Hölzer. Bereits 2007 holten vier Mädchen bei den „Offenen Bayerischen Meisterschaften“ in Deggendorf fünf Titel und weitere Spitzenplatzierungen. In den Folgejahren kamen weitere Medaillen dazu, zuletzt allerdings 2015. Seitdem wurden keine fränkischen und bayerischen Einrad-Meisterschaften mehr ausgetragen.

    Als der TSV im Jahr 2008 hundert Jahre alt wurde, feierte der stark geschrumpfte Verein sein Jubiläum nicht eigenständig, sondern zusammen mit der ganzen Dorfgemeinschaft im Rahmen der zweitägigen 850-Jahr-Feier im Juli mit umfangreichem Programmangebot, bei dem das ganze Dorf eine große Bühne war.

    C-Klasse Gruppe 16

    Ein besonders Highlight war für den TSV Rappershausen die Saison 1979/80, als er in der Abschlusstabelle vor seinem Lokalrivalen FC Hendungen landete.

    Althausen 24 58:19 39:9

    TSV Waltershausen 24 57:24 35:13

    TSV Hollstadt 24 50:32 31:17

    SV Alsleben 24 47:22 30:18

    TSV Saal 24 47:29 30:18

    TSV Großeibstadt 24 52:32 27:21

    SV Leinach 24 27:35 21:27

    TSV Rappershausen 24 40:56 19:29

    FC Hendungen 24 27:45 19:29

    SV Untereßfeld 24 38:58 19:29

    ASV Eyershausen 24 32:57 17:31

    DJK Kleineibstadt 24 28:66 13:35

    DJK Wargolshausen 24 22:50 12:36

    C-Klasse Gruppe 16

    Vor 25 Jahren, am Ende der Saison 1994/95 verschwand der TSV Rappershausen von der Fußball-Landkarte. Die damalige Abschlusstabelle:

    TSV Großbardorf II 26 101:28 44:8

    SV Alsleben 26 79:27 43:9

    DJK Wülfershausen 26 92:30 40:12

    DJK Kleineibstadt 26 70:29 40:12

    TSV Aubstadt II 26 57:38 31:21

    TSV Höchheim 26 62:56 27:25

    TSV Waltershausen 26 49:51 26:26

    DJK Kleinbardorf 26 42:62 22:30

    ASV Eyershausen 26 42:64 20:32

    Spfr. Herbstadt 26 54:74 18:34

    FC Großwenkheim 26 31:70 17:35

    TSV Großeibstadt 26 20:55 16:36

    SpVgg Althausen-Aub 26 25:82 10:42

    TSV Rappershausen 26 22:80 10:42

    Der Sportplatz in Rappershausen wird längst nicht mehr von den Fußballern des TSV genutzt, sondern nur noch von den Gästen des Schullandheims mit dem angeschlossenen Radsportzentrum. Seit 2015 dient er auch als Radsportstadion für die bayerischen Mountainbike-Schulmeisterschaften.
    Der Sportplatz in Rappershausen wird längst nicht mehr von den Fußballern des TSV genutzt, sondern nur noch von den Gästen des Schullandheims mit dem angeschlossenen Radsportzentrum. Seit 2015 dient er auch als Radsportstadion für die bayerischen Mountainbike-Schulmeisterschaften. Foto: Georg Will
    2008 zur 100-Jahr-Feier hatte der TSV Rappershausen schon keine Fußballmannschaft mehr, sondern nur noch die Abteilung Einradsport. Deshalb wurde das 100-jährige Bestehen zusammen mit dem Dorfjubiläum (850 Jahre) gefeiert. Kassierer Ewald Eppler (Mitte), der längstgediente Ehrenamtliche des TSV, und Vorsitzender Bernd Güth (links) nahmen damals die Geschenke des BLSV Rhön-Grabfeld aus der Hand des damaligen BLSV-Kreisvorsitzenden Karl Katzenberger (2. von links) in Empfang. Mit ihnen freuten sich der damalige Bürgermeister Martin Balling (rechts) und Einrad-Abteilungsleiter Olaf Hölzer (2. von rechts).
    2008 zur 100-Jahr-Feier hatte der TSV Rappershausen schon keine Fußballmannschaft mehr, sondern nur noch die Abteilung Einradsport. Deshalb wurde das 100-jährige Bestehen zusammen mit dem Dorfjubiläum (850 Jahre) gefeiert. Kassierer Ewald Eppler (Mitte), der längstgediente Ehrenamtliche des TSV, und Vorsitzender Bernd Güth (links) nahmen damals die Geschenke des BLSV Rhön-Grabfeld aus der Hand des damaligen BLSV-Kreisvorsitzenden Karl Katzenberger (2. von links) in Empfang. Mit ihnen freuten sich der damalige Bürgermeister Martin Balling (rechts) und Einrad-Abteilungsleiter Olaf Hölzer (2. von rechts). Foto: Georg Will

    Von Georg Will

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!