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    GOLF:

    Das anfängliche Unverständnis der Golfer ist gewichen

    Der Albtraum eines jeden Golfers: Wenn der Ball zwar schon in die Tiefe des Lochs schaut, aber davor liegen bleibt. Für den letzten Zentimeter muss der Spieler einen kompletten Schlag auf der Score-Karte eintragen.
    Der Albtraum eines jeden Golfers: Wenn der Ball zwar schon in die Tiefe des Lochs schaut, aber davor liegen bleibt. Für den letzten Zentimeter muss der Spieler einen kompletten Schlag auf der Score-Karte eintragen. Foto: Anton Then

    Das Coronavirus hat den gesamten Sportbetrieb vorübergehend lahmgelegt. Die einzelnen Verbände reagierten unterschiedlich, wobei zwischen Hallen- und Freiluftsportarten deutliche Unterschiede bestehen. Im Golfsport fällt der Ligabetrieb für das Jahr 2020 komplett aus.

    „Es gibt bei den Mannschaften keine Saison 2020 und mit Stand von Ende 2019 soll im Jahre 2021 weitergemacht werden mit einer Ausnahme,“ sagt Michael Then, Leiter Turniere und Ligaspielbetrieb des Bayerischen Golfverbands (BGV). Der Deutsche Golfverband (DGV) plane, so Then, in der Bundesliga in stark verkürzter Form am 10./11. Oktober beim GC Hardenberg den deutschen Meister der Frauen und Männer auszuspielen.

    Die Ligaspiele wurden von allen Verbänden, in Bayern Ende März, für 2020 abgesagt. „Auf Wunsch der Clubs und unter Abwägung der Ende März herrschenden politischen Vorgaben wurde der Ligaspielbetrieb abgesagt, denn es war überhaupt nicht abzusehen, ob und wann wieder Golf gespielt werden kann, geschweige denn, wann wieder Wettkämpfe stattfinden dürfen“, sagt Then. Damit habe der Verband den Vereinen Planungssicherheit gegeben und Termine würden nicht unnötig und zeitlich nicht absehbar blockiert.

    Finanzielle Unabwägbarkeiten

    Für die Vereine gebe es auch einen finanziellen Aspekt, denn sie haben über zwei Monate keine Greenfee-Einnahmen, aber auch weniger Ausgaben für die Mannschaften. Die Mannschaften müssten nicht reisen, eventuell übernachten, keine Meldegebühren entrichten und eventuell kein Mannschaftstraining bezahlen. Auch bestand absolute Unsicherheit, ob und in welcher Form Hotels wieder öffnen dürften. „Mit der Absage haben alle Clubs finanzielle und organisatorische Sicherheit im Mannschaftsspielbereich und sollen einigermaßen gut durch die Krise kommen“, sagt Then. Sportlich sei das zwar sehr schade, doch das Weiterbestehen der Clubs stehe im Vordergrund. Deshalb habe es auch keine Beschwerden von Clubs, lediglich von Spielern gegeben.

    Der BGV spielt in diesem Jahr lediglich an sieben Austragungsorten Einzelmeisterschaften in den verschiedenen Altersklassen aus, einschließlich Jugend. „Für 2021 planen wir aktuell wieder eine normale Saison, wobei kurzfristige Änderungen nicht auszuschließen und vorhersehbar sind“, sagt Then. Gerade Golf sei prädestiniert, normal gespielt zu werden, da er zu den kontaktlosen Freiluftsportarten zählt. Aktuell sind in Bayern beispielsweise noch keine Zuschauer erlaubt, die Fahnen müssen in den einzelnen Löchern bleiben, nach der Runde ist kein Körperkontakt erlaubt, dafür wieder das Duschen und Umkleiden unter Auflagen. Die geforderten Abstände sind beim Golfen ohnehin leicht einzuhalten.

    Golf könne profitieren

    „Anfangs gab es extrem viel Unverständnis, warum man Golf nicht spielen darf, obwohl Wandern, Rad fahren oder Joggen erlaubt waren“, sagt Then, der immer wieder darauf hinweisen musste, dass die von der Politik erlassenen Bestimmungen ohne Ausnahme für alle Sportarten gegolten haben. Sportartspezifische Anpassungen erfolgten im Laufe der ersten Lockerungen. Die Clubs hätten die Konzepte für ihre Anlagen aber gut umgesetzt. Golf könne von der Corona-Krise vielleicht sogar profitieren, denn zahlreiche Sportler von anderen Sportarten hätten am Golf geschnuppert, da Golf ziemlich bald wieder möglich war und als kontaktlose Freiluftsportart nicht zu nahe an einer erneuten Schließung stehe.

    Als „neutral“ bezeichnet Andreas Nill, Manager des GC Maria Bildhausen, seine Meinung zur Absage. „Wir hätten uns gewünscht, dass gespielt werden kann, aber nicht unter diesen Bedingungen, denn alle Planungen, Termine, Hotels, Turniere, hängen in der Luft.“ So mussten auch zwei große Turniere, der Leopoldina Charity-Cup und der Audi Quattro-Cup, in Maria Bildhausen abgesagt werden, einige kleinere werden aber durchgeführt.

    Nächstes Jahr wieder angreifen

    „Ich kann die Absage der Spieltage aufgrund der momentanen Situation komplett nachvollziehen“, sagt Luca Scheublein, Spitzenspieler des GC Maria Bildhausen mit Handicap +0,8. Natürlich falle ihm als leistungsorientiertem Spieler diese Einsicht schwer, noch dazu weil die Männermannschaft als Meister der Landesliga in dieser Saison in der Oberliga abgeschlagen hätte und sich einiges vorgenommen hatte. „Man muss aber ganz klar die Sicherheit und Gesundheit der Spieler in den Vordergrund stellen“, sagt Scheublein. Probleme und ein gesteigertes Infektionsrisiko sieht er bei Kontakten zu anderen Personen aufgrund der langen Anreisen und Übernachtungen in Hotels. Die Absage sieht Scheublein als „richtige Entscheidung“ und er wolle mit der Mannschaft im nächsten Jahr wieder angreifen.

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