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    BASTIANS BEGEGNUNGEN:

    Handball: Hohes Tempo und Riesenstimmung

    Frage: Wer kennt den TSV 1860 Spandau, was war an dem nochmal das Besondere? Richtig, 1921 gewannen genau diese Spandauer die erste deutsche Meisterschaft im Feldhandball und schrieben somit Geschichte. Zwar ist Handball in seinen Urformen viel älter, kann man ähnliche Spiele doch bis in die Antike verfolgen. Doch die Geburtsstunde des modernen Handballs, wie wir ihn kennen, ist wesentlich später.

    Ein erstes Regelwerk auf dem Weg zum modernen Handball entwickelte der dänische Lehrer Holger Nielsen aus Ordrup nahe Kopenhagen. Allerdings durfte in seiner im Freien gespielten Version der Ball lediglich drei Sekunden gehalten und mit diesem in der Hand nicht gelaufen werden. Max Heiser, seines Zeichens Oberturnwart in Berlin, gab seinem für Frauen entwickelten Sport Torball 1917 den Namen Handball. Dabei waren – da nach damaliger Ansicht Mädchen für richtige „Jungensportarten“ zu weich waren – jedwede Formen des Zweikampfes verboten. Das Prellen sowie Zweikämpfe wurden 1919 durch den Berliner Turnlehrer Carl Schelenz eingeführt, um den Sport auch für Jungs und Männer attraktiv zu machen. Ein erstes Feldhandball-Länderspiel, der sich in Sachen Spielfeld und Spielerzahl am gerade ebenfalls aufkommenden Fußball orientierte, endete 1925 mit einer deutschen Niederlage gegen Österreich (3:6).

    Olympisch war Feldhandball nur einmal, 1938 auf Betreiben Hitlers, der durch die deutsche Dominanz in dieser Sportart auf einen Prestigesieg hoffte. So gewannen die Deutschen vor einer Rekordkulisse von 100 000 Zuschauern in Berlin Olympisches Gold gegen Österreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1949 der Deutsche Handballbund gegründet. Die Entwicklung ging nun allerdings weg vom Feld-, hin zum Hallenhandball, der 1972 in München erstmals Olympisch wurde. Damit war der Feldhandball außen vor, die letzten Meisterschaften fanden 1975 statt.

    Und heute? Was macht den Handball da aus? „Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen, vor allem Teamfähigkeit, Koordination, Kraft, Ausdauer und Ballgefühl“, sind laut Fabian Servatius, Trainer des Bezirksoberligisten TV Gerolzhofen, die wichtigsten Eigenschaften eines guten Handballers. In der Tat merkt man das auch im Training sofort. Nach leichtem Aufwärmen geht es an Koordinationsübungen, die für den ungebildeten Laien gar nicht so einfach sind. Beim Passen zwischen zwei Stangen hindurch spielt mir zumindest meine linke Hand, die sonst nur zum Halten der Armbanduhr zu gebrauchen ist, regelmäßig einen Streich. In den anschließenden Passübungen sieht man die Bedeutung der Teamfähigkeit und Koordination.

    In zwei Gruppen aufgeteilt, geht es an den Torwurf. Neben der eigenen Übung allerdings wandert ein weiterer Ball zwischen den Gruppen hin und her, den man sich nach erfolgtem Wurf gegenseitig zuwirft. Hier ist Timing gefragt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten klappt das auch ganz gut.

    Aber auch die Athletik oder Ausdauer darf im Handball nicht zu kurz kommen. „Natürlich spielt die Konzentration in Zusammenhang mit der Fitness eine Riesenrolle. Wenn man beispielsweise den momentanen Ersten Michelfeld in der Bezirksoberliga sieht, haben sie fünf Spiele mit lediglich einem Tor Vorsprung gewonnen. Das ist halt der kleine Unterschied“, so Servatius. In Sachen Taktik bekomme ich einige Spielzüge vorgeführt, bei denen für eine gute Ausführung jedes einzelne Rädchen ineinandergreifen muss. „Man muss natürlich trainieren, jeder auch mal auf einer anderen Position, um sich richtig einzuspielen. Eine Idealtaktik gibt es nicht, das ist mannschaftsabhängig. Je nachdem, wo die Stärken liegen, setzt man auf einen schnellen Angriff oder eine stabile Verteidigung. Das wird zunehmend wichtiger, da das Spiel an sich stets schneller und komplizierter wird“, weist der Coach auf die Bedeutung einer guten Taktik und deren Umsetzung durch die Mannschaft hin.

    Die Schnelligkeit und Anstrengung kann ich bereits im kurzen Abschlussspiel spüren. Wenn man stets in Bewegung ist, können die 40 Meter Spielfeldlänge ganz schön weit sein. Doch ist die Intensität gerade das, was für viele Zuschauer das Spiel auch ausmacht, wie TV-Pressesprecher Michael Schendzielorz mit ein wenig Stolz auf die eigenen Zuschauer betont: „Es geht in den 60 Minuten ständig hin und her, es gibt kaum einen Ruhemoment. Dementsprechend ist auch die Stimmung auf der Tribüne. Bei uns in Gerolzhofen ist das meiner Meinung nach auch überdurchschnittlich gut.“ Servatius fügt noch hinzu, dass es auf dem Feld manchmal so laut sei, dass man Spielzüge nur per Zeichensprache ankündigen könne.

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