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    SCHWEINFURT

    Basketball: Sport auf anderer Ebene

    Gleich zu Beginn muss gesagt werden: Basketball ist wirklich anstrengend und schweißtreibend. Durch das schnelle Umschaltspiel zwischen Defensive und Offensive ist der Spieler ständig in Bewegung, es bleibt kaum ein Moment zum Durchschnaufen. Dafür ist es umso wichtiger, dass die Mannschaft ein geschlossenes Spiel zeigt, Jeder muss jedem helfen. So ist es kaum verwunderlich, dass Christian Gross von der DJK Schweinfurt Sozialkompetenz als wichtigste Eigenschaft bezeichnet, die ein Basketballer mitbringen muss: „Alles andere kann man lernen, aber wenn ich keine Sozialkompetenz habe, kann ich mich weder in die Mannschaft integrieren, noch mich beim Trainer unterordnen.“ Daneben sei die Taktik zwar auch wichtig, aber im Unterschied zu anderen Sportarten spielt diese beim Basketball eine nicht so entscheidende Rolle: „Die Taktik ist natürlich wichtig, da sie der Mannschaft ein Grundgerüst für die Disziplin gibt. Sie ist ein Fundament, auf dem man aufbauen kann.“

    Dennoch genießen Basketballer viele Freiheiten, was den Sport auch anspruchsvoll macht. Nicht nur einmal stand ich ratlos an der Drei-Punkte-Linie und wusste nicht mehr, wo ich hinsollte: „Man braucht schon viel Spielverständnis und muss was im Köpfchen haben“, meint Gross. Und ganz so körperlos wie Basketball von außen gerne mal gesehen wird, ist es denn auch nicht. Dabei wurde es vom kanadischen Arzt und Pädagogen James Smith gerade deshalb entwickelt, weil seiner Meinung nach andere Ballsportarten zu kampfbetont seien. Da dies laut Smith daran lag, dass sich alles auf derselben Ebene abspielte, suchte er für die Ablenkung seiner Schüler eine Sportart mit geringerem Verletzungsrisiko. Er verlagerte also mit Hilfe des schulischen Hausmeisters zwei Pfirsichkörbe auf eine andere Ebene, indem er diese auf einer Höhe von 3,05 Metern befestigen ließ.

    Bereits am 20. Januar 1892 fand das erste offizielle Basketballspiel in Springfield statt. In diesem schon wurde nach den von Smith entwickelten, heute noch fast unverändert gültigen 13 Grundregeln gespielt. Von da aus begann Basketball seinen Siegeszug zunächst durch die USA, nicht zuletzt aufgrund der Verbreitung an Colleges. Am 6. Mai 1946 wurde schließlich die NBA – die nordamerikanische Profiliga – gegründet. Aber auch nach Europa gelangte das Spiel. Bereits 1893 wurde in Paris das erste Match auf europäischem Boden ausgetragen, 1902 wurden die Grundregeln ins Deutsche übersetzt.

    Ab 1932 war Basketball schließlich auch in Deutschland vertreten an der Heeressportschule in Wünsdorf durch Hugo Murero. Hermann Niebuhr, der Basketball als Lehrer an der deutschen Schule in Istanbul kennengelernt hatte, brachte das Spiel mit nach Breslau, Gera und Bad Kreuznach. 1936 nahm Deutschland in Berlin am ersten Olympischen Basketballturnier teil, 1939 fand die erste deutsche Meisterschaft der Männer in Hamburg statt. Aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde recht früh wieder Basketball gespielt – schon im Herbst 1945. Am 1. Oktober 1949 wurde der Deutsche Basketball-Bund (DBB) gegründet. Den Weg in den Profibereich fand man schließlich mit der Basketball Bundesliga (BBL).

    Zumindest in Schweinfurt erfüllte Basketball eine weitere Aufgabe: die der Integration. Nicht zuletzt in der von Walter Erhard – der auch heute noch Abteilungsleiter ist – 1957 gegründeten Basketballabteilung der DJK trafen sich Einheimische und Amerikanische Soldaten zum gemeinsamen Sport: „Basketball hatte einen hohen integrativen Wert, es sind sogar einige Ehen daraus entstanden“, bemerkt Erhard schmunzelnd, fügt aber hinzu: „Wir haben natürlich auch in den ersten Jahren von den Amerikanern gelebt und viel von ihnen gelernt.“ So ist es ein wenig schade, wie Gross bemerkt, dass dieses Gemeinschaftsgefühl in den letzten Jahren ein wenig verloren ging: „Früher war man im Basketball wie eine große Familie und hat auch abseits des Feldes viel miteinander unternommen. Das ist heute leider nicht mehr so.“

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