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    FUßBALL: REGIONALLIGA BAYERN

    FC 05 kann Rechenschieber zur Seite legen

    Nah dran: Der Münchner Milos Pantovic rettet für seinen geschlagenen Torhüter Christian Früchtl und vor dem Schweinfurte... Foto: Marion Wetterich

    Gerd Klaus ist ein geduldiger Trainer. Platzt ihm die Hutschnur, dann muss es Gründe geben. „Wir mussten auch gegen den Schiedsrichter spielen“, hob er nach dem 1:1 (0:1) seines FC 05 Schweinfurt gegen den FC Bayern München II zu einer Schiri-Schelte an, die sich gewaschen hatte. „Ich möchte wissen, was der da abgezogen hat. Das muss man nicht verstehen. Aber wenn sich einer schon Arm in Arm mit Tobi Schweinsteiger auf Facebook zeigt, sagt das alles.“ Vielleicht war Klaus aber auch der etwas herablassende Ton seines Kollegen Tim Walter kurz zuvor in der Pressekonferenz etwas saurer aufgestoßen als das normal wäre nach einem nicht wunschgemäß verlaufenen Spiel.

    Denn die Sicht, dass die Münchner vor „nur“ 1540 Zuschauern deutlich mehr Chancen gehabt und vergessen hätten, den Sack zu machen, hatte Walter exklusiv. Ja, die kleinen Bayern waren auf dem Rumpel-Rasen technisch versierter und taktisch durchaus geschickt. Aber ihre besten Torgelegenheiten resultierten durchweg aus krassen 05-Patzern, so auch das 0:1, als Nikola Jelisic erst einen Ball durchrutschen ließ, dann Flügelflitzer Raphael Obermaier legte und schließlich Kwasi Okyere Wriedt den Elfmeter verwandelte (36.).

    Zu hohe Fehlerquote

    Zudem gab's hüben wie drüben Alu: Für München traf Wriedt nach Billick-Patzer den Pfosten (8.), für Schweinfurt Steffen Krautschneider die Latte (18.). „Unsere Fehlerquote war vor der Pause einfach zu hoch“, wusste Klaus aber auch, dass er Ursachen für den vergebenen Sieg auch bei seiner Mannschaft zu suchen hatte – die fast schon leichtfertig die Chance vergab, bei einem Spiel weniger bis auf vier Punkte an den Tabellenzweiten heranzukommen.

    Und auch sich selbst zog Klaus den drückenden Schuh an. Denn mit seinem auf Kurzpass getrimmten 4-1-4-1 hatte er die falsche Wahl getroffen auf einem Untergrund, der rasch aufgewühlt und damit extrem holprig war. „Wir wollten da ein Spiel spielen, dass man bei solchen Verhältnissen gar nicht spielen kann. Aber hinterher ist man halt immer schlauer“, so Klaus selbstkritisch. Die unverkennbare Marschroute nach Wiederbeginn: Lange Bälle in die Spitze und zweite Bälle erkämpfen. Eine Rechnung, die deutlich besser aufging und zahlreiche Kontermöglichkeiten kreierte.

    Mannschaft war nervös

    In der letzten halben Stunde hatte der FC 05 sechs, sieben Hochkaräter, aber nur Adam Jabiri traf per Kopf zum 1:1 (89.). In dieser Phase machte sich auch Referee Steffen Grimmeißen unbeliebt beim Schweinfurter Trainer, weil er Zweikämpfe auffallend oft gegen die Gastgeber pfiff und beim Liegenbleiben nach Fouls mit zweierlei Maß zu Werke ging.

    Nachvollziehbar, dass einige Akteure hinterher angefressen waren. Doch trotz des gewaltigen Kraftaktes, den Jabiri herausstellte („wir haben alles an Kraft und Laufbereitschaft in die Waagschale geworfen, was wir haben“), wirkte einiges längst nicht so selbstverständlich wie in den zahlreichen glänzenden Testspiel-Auftritten gegen starke Gegner. In der Anfangsphase war eine Nervosität und Verunsicherung erkennbar, die so gar nicht passen wollte zu einer Mannschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hat, im Titelrennen noch einmal Druck auf die beiden Münchner Mannschaften aufzubauen.

    Der Abwehrreihe und auch Sechser Christopher Kracun unterliefen Flüchtigkeitsfehler, den Außen Steffen Krautschneider und Marius Willsch fehlte bisweilen die bedingungslose Urgewalt im Spiel nach vorn, den Stürmer Florian Pieper und Nicolas Görtler die Abgeklärtheit vor dem Tor. Und doch raffte sich das Team nach der Pause zu einer Energieleistung auf, die Hoffnung macht, dass der Trend in die richtige Richtung geht.

    Was der eine Punkt wert ist

    Nur, was ist der eine Punkt wert?Angesichts der Tatsache, dass die Sechziger gegen Buchbach in der vierten Minute der Nachspielzeit noch mit 2:1 gewonnen haben, hat sich die Lage numerisch verschlechtert. Und die Zahl der Spiele, in denen die 05er den Rückstand verkürzen könnten, ist wieder um eines gesunken. „Wir brauchen nicht mehr auf andere schauen, nur noch auf uns“, wirkte des Trainers Kampfeslust ein wenig schmaler als noch tags zuvor.

    „Unser Big-Point-Spiel ist jetzt ganz klar das Pokal-Halbfinale gegen Memmingen, das müssen wir ziehen“, verschob er angesichts der Qualität der Bayern-Reserve auch prompt wieder etwas die Prioritäten. Und fand in seinem 1:1-Schützen Jabiri einen Weggefährten in Sachen gedämpfter Meisterschafts-Euphorie: „Jetzt fahren wir erst einmal zum Punktspiel nach Memmingen, dort erwarten uns die gleichen Verhältnisse wie heute Abend. Wir müssen dort den Kampf annehmen, wenn wir gewinnen wollen. Und rechnen? Rechnen sollen andere.“

    Die Statistik des Spiels

    Fußball: Regionalliga Bayern FC 05 Schweinfurt – FC Bayern München II 1:1 (0:1)

    Schweinfurt: Eiban – Messingschlager, Billick, Wolf, Paul – Kracun (58. Pieper) – Willsch, Fery, Jelisic (46. Görtler), Krautschneider (65. Fritscher) – Jabiri.

    München: Früchtl – Götze, Feldhahn, Isherwood, Mayer – Obermaier (70. Evina), Fein, Dorsch, Pantovic – Wriedt (75. Nollenberger), Benko (71. Awoudja).

    Schiedsrichter: Steffen Grimmeißen (SpVgg Löpsingen). Zuschauer: 1540. Tore: 0:1 Kwasi Okyere Wriedt (36., Foulelfmeter), 1:1 Adam Jabiri (89.). Gelb: Kracun, Jelisic, Messingschlager, Jabiri – Dorsch, Götze.

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