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    FAUSTBALL

    Warum ein Neuling für den Faustball wirbt

    Stand für den TV Oberndorf III auf dem Feld und wurde von seinem Sohn beobachtet: Joachim Sagstetter, der die Bundesliga-Faustballer des TVO trainiert. Foto: Steffen Krapf

    Die pure Faustball-Weltklasse saß am Sonntag in der Schweinfurter Landkreishalle – in Person von Fabian Sagstetter – am Spielfeldrand. Auf dem Feld hielt der Unterbau des Faustballs die Fahne einer – drastisch gesagt – vom Aussterben bedrohten Sportart hoch. Zur Abwechslung konnte Sagstetter hierbei sogar mal seinem Vater Joachim über die Schulter schauen, der für die dritte Mannschaft des TV Oberndorf ins Geschehen eingriff.

    Zu sehen bekam Schweinfurts frisch gekürter Sportler des Jahres gleich einen kompletten Spieltag der Schweinfurter Bezirksliga-Staffel, also zehn Spiele. Jede Mannschaft der Liga durfte drei Mal ran. Gespielt wird in zwei Gewinnsätzen, die jeweils bis elf gehen. Über vier Stunden waren die Teams vor Ort. Alle Spieltage der Hallensaison finden in der Landkreishalle statt. Es wird eben viel vereinfacht, wenn es an Spielern und Teams mangelt. Es ist zwar schon Jahrzehnte her – aber einst waren es bis zu 50 Mannschaften, die in der Region Faustball-Teams stellten. „Es kommt kaum noch etwas nach“, beklagt auch der Schwebheimer Daniel Seifert am Rande des Spieltags. „Die Spieler werden immer älter.“ In Anbetracht dieser Tatsache war es für Seifert sehr erfrischend, dass er in seiner Mannschaft einen absoluten Newcomer hatte: Bernd Keil durfte seinen Faustball-Einstand feiern.

    Erfolgreiche Premiere

    „Ich war schon etwas aufgeregt“, gab der Debütant zu. Ein Dreivierteljahr trainierte er, bevor er zum ersten Mal mit ran durfte. Die Sportart gefällt ihm. Vor allem, weil sie vergleichsweise frei von Verletzungsgefahren ist. „Na ja, nach den ersten Trainingseinheiten hatte ich schon ein paar blaue Flecken“, moniert er und zeigt auf eine völlig unversehrte Stelle seines Unterarms. „Die Gemeinschaft ist einfach super. Wenn es nach mir gehen würde, wäre Faustball populär“, sagt Keil. Sein leicht überschwängliches Plädoyer für die exotische Sportart, die oft abschätzig als „Affentennis“ bezeichnet wird, war sicherlich auch dem Auftakt nach Maß in seine späte Karriere geschuldet.

    Drei Siege holten die Schwebheimer an diesem Spieltag. Gegen Üchtelhausen, Jahn Schweinfurt und Michelau siegten Keil und seine Mitstreiter ohne Satzverlust – jeweils mit 2:0 – und wurden ihrer Favoritenrolle einmal mehr gerecht. Würde man Schwebheim als den „FC Bayern“ der Bezirksliga betiteln, wäre das kein Fehler.

    "Nach den ersten Trainingseinheiten hatte ich schon ein paar blaue Flecken. Die Gemeinschaft ist aber super.“
    Faustball-Neuling Bernd Keil über die Randsportart

    In den letzten fünf Jahren ging der Meistertitel immer an die Faustballer des TSV. Auf dem Feld spielen die Schwebheimer eine Klasse höher in der Bayernliga. In der Halle verzichten sie aber auf das Aufstiegsrecht. Auf die langen Auswärtsfahrten, die bis nach Landshut führen können, haben die Spieler in der Wintersaison keine Lust. „Ich bin sowieso Fan der Feldsaison“, gesteht Seifert. Die Hallenrunde in der untersten Liga ist nun mal keine leichte Kost. Jedes Wochenende die selbe Halle – und immer dieselben Gegner. „Wir kennen uns seit Jahren alle in- und auswendig“, bekräftigt Seifert lachend.

    War bei seiner Premiere auch als Linienrichter im Einsatz: Der Schwebheimer Bernd Keil. Foto: Steffen Krapf

    Ob das noch eine Durchhalteparole war – oder schon Zynismus, erschließt sich nicht ganz. Wenn es aber links und rechts des rot-weißen Bandes zur Sache geht, merkt der Zuschauer keinen spürbaren Unterschied, um welche Spielklasse es sich handelt. Kein Ball wurde verloren gegeben und kein Punkt hergeschenkt.

    Die Faustball-Basis gibt sich Mühe, auch wenn es kaum jemand mitbekommt. Aber das kennt die Faustball-Familie schon seit jeher. Dafür kann kein Bezirksliga-Fußballer behaupten, ihm hätte Lionel Messi vergangenen Sonntag beim Kicken zugeschaut. Fabian Sagstetter, einer der Weltstars der Sportart, war da – und vermutlich wäre er auch der Einzige gewesen, der die Schwebheimer hätte stoppen können. Die marschieren nämlich unaufhaltsam in Richtung Titel Nummer sechs.

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