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    Eisschnelllauf:

    Günter Traub: Ein Tüftler auf den Kufen

    Zu seinem 75. Geburtstag, den er an diesem Donnerstag im heimischen St. Moritz feiert, wollte sich Günter Traub eigentlich selbst beschenken. Bei den Senioren-Weltmeisterschaften im norwegischen Stavanger hatte sich der Schweinfurter Eisschnellauf-Pionier den Vierkampf-Titel in seiner Altersklasse, zumindest aber eine Medaille, vorgenommen. Und die Ergebnisse seit seinem Wiedereinstieg nach zwölfjähriger Schlittschuh-Abstinenz – alleine neun deutsche Rekorde in der Altersklasse 75 bis 80 Jahre – gaben trotz der übermächtigen Konkurrenz aus den Niederlanden auch Anlass zur Zuversicht.

    Doch ein Hexenschuss, den sich Traub in der Vorbereitung auf die Wettkämpfe in der sehr kalten Halle zuzog, machte ihm einen Strich durch die Rechnung. „Nach den 500 m zum Auftakt hatte ich über zwei Sekunden Rückstand auf meine drei schärfsten Konkurrenten. Dieser Punkte-Rückstand ist im Vierkampf nicht mehr wettzumachen“, berichtet der seiner Heimatstadt noch immer sehr verbundene Schweinfurter.

    Bei allem Ehrgeiz, den Traub weiterhin an den Tag legt, hält sich seine Enttäuschung über die verpatzte WM in Grenzen. „In meinem Alter kann gesundheitlich jederzeit etwas dazwischen kommen“, weiß Traub, der schon den ganzen Januar wegen einer hartnäckigen Grippe pausieren musste. Obwohl er regelmäßig zum Training in der Eishalle nach Inzell fährt, stünde der Spaß an seinem sehr komplexen Sport mittlerweile im Vordergrund. Die Freude, nach teilweise schweren gesundheitlichen Schicksalsschlägen in den vergangenen Jahren im fortgeschrittenen Alter noch einmal Wettkampfsport betreiben zu können. Und auch das Gemeinschaftserlebnis mit Gleichgesinnten. „Es ist nicht so, dass ich außer dem Eisschnelllauf nichts mehr im Kopf habe“, betont Traub.

    Zwischen 1959 und 1969 hatte Günter Traub zusammen mit seinem vier Jahre jüngeren Bruder Jürgen deutsche Sport-Geschichte geschrieben. Zunächst verschaffte der gelernte Kaufmann dem deutschen Rollschnelllauf internationale Geltung und bescherte parallel dem deutschen Eisschnelllauf die Wiedergeburt. Vier Weltmeistertitel auf Rollschuhen und 15 Weltrekorde standen am Ende seiner Karriere zu Buche. 1963 und 1968 verbesserte Günter Traub den Weltrekord im Großen Eisschnelllauf-Vierkampf. 1964 und 1968 nahm er gemeinsam mit Bruder Jürgen im Eisschnelllauf an den Olympischen Spielen teil. Dort blieb der Traum von einer Medaille unerfüllt. Ständig arbeitete der diplomierte Sportlehrer an neuen Trainingsmethoden und tüftelte an seiner Technik.

    Ein fataler Badeunfall in Los Angeles hätte den damaligen Trainer des US-Eisschnelllauf-Nationalteams mit Stars wie Peter Müller und Eric Heiden 1969 fast an den Rollstuhl gefesselt. Bei einem Sprung vom Drei-Meter-Brett stürzte er auf den Beckenrand. Mit 23 Knochenbrüchen lag er ein Vierteljahr im Krankenhaus. Die Ärzte gaben ihm kaum eine Chance, jemals wieder ein Leben als Sportler führen zu können. Doch er zog mit eiserner Energie ein selbst entworfenes Rehabilitationsprogramm durch und wurde wieder gesund. Über die intensive Beschäftigung mit Bewegungstraining entstand Traubs zweite Karriere als Fitnesstrainer. Er war erneut der Vorreiter und seiner Zeit voraus. In der leistungssteigernden Höhenluft von St. Moritz lief ihm die Prominenz ins Hotel Carlton zu. König Juan Carlos von Spanien, Herbert von Karajan, Niki Lauda, Michael Schumacher, und Frank Elstner gehörten zu seinen Kunden und brachten Traub in die Schlagzeilen.

    Allzu groß wird der Asket seinen Geburtstag im derzeit besonders tief verschneiten Oberengadin zusammen mit Gattin Heidi nicht feiern. Bald stehen die nächsten Eisschnelllauf-Wettkämpfe an. Im Mai soll es mit Schweinfurter Läufer-Freunden dann mal in einen Biergarten gehen.

    redsp

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