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    FUßBALL: REGIONALLIGA BAYERN

    Vogelwilder Schweinfurter 4:3-Sieg

    Florian Pieper (rechts) vom FC 05 Schweinfurt behauptet die Kugel gegen den Memminger Verteidiger Michael Heilig. Foto: Olaf Schulze

    Meine Herren, was war das denn bitte? Mit 4:3 (1:1) hat der FC 05 Schweinfurt ein zeitweise vogelwildes Regionalliga-Spiel beim FC Memmingen für sich entschieden. Zwei Fehlstarts und jede Menge Moral hatte es gebraucht, bis die 05er den ersten Dreier im neuen Jahr auf dem Konto hatten. Und weil dem letztlich halt doch so war, war es Steffen Krautschneider hinterher auch ziemlich egal, dass der Weg dahin recht holprig verlaufen war. „Im Moment habe ich nur Glücksgefühle, obwohl ich meistens ja sehr kritisch bin“, so der Schweinfurter Mittelfeldmann.

    Zur Kritik hätte es dabei durchaus Anlass gegeben. Denn die Starts in beide Halbzeiten gingen komplett in die Hose. Schon nach fünf Minuten war der Memminger Youngster Jannik Rochelt FC-05-Innenverteidiger Matthias Strohmaier enteilt und Furkan Kircicek hatte nur noch einschieben müssen. Eine Minute später verfehlte der Torschütze den Schweinfurter Kasten und damit das 2:0 haarscharf. Es war der Weckruf für die Gäste, die den Abschnitt danach dominierten. Wenn auch die klaren Chancen nicht heraussprangen, sodass ein von Marius Willsch herausgeholter und Krautschneider sicher verwandelter Foulelfmeter zum verdienten Ausgleich herhalten musste (32.). „Was in solchen Spielen zählt, ist letztlich der Erfolg“, verwies der Torschütze auf die Bedeutung der ersten Partien nach der Winterpause, „ich habe mehr Licht als Schatten gesehen“.

    Verbale Ohrfeige für Ballverlust

    Schatten warf auch der Auftakt in Halbzeit zwei. Herbert Paul verlor in der Vorwärtsbewegung den Ball, als der Sekundenzeiger noch keine Runde seit Wiederanpfiff geschafft hatte. Mit zwei, drei Pässen war Rochelt freigespielt und blieb vor Eiban cool – 2:1 für Memmingen. Auf den Ballverlust angesprochen, verpasste der Schweinfurter Trainer Gerd Klaus seinem Außenverteidiger später eine verbale Ohrfeige: „Ich hatte ihm noch gesagt, dass er ihm Aufbau nicht fummeln soll. Man kann nicht Weltklasse gegen Bayern spielen und dann Kreisklasse gegen Memmingen, das muss er lernen.“ Ein dickes Lob hatte Klaus stattdessen für den 19-jährigen Rochelt übrig. „Ein absolutes Juwel“ hatte Klaus gesehen, einen, den „wir sicher in der Bundesliga sehen werden“.

    Danach ging?s drunter und drüber. Zuerst tankte sich der zur Pause eingewechselte Adam Jabiri in bester Mittelstürmer-Manier durch und traf aus der Drehung zum erneuten Ausgleich (51.). Was beide Mannschaften als Startsignal für einen offenen Schlagabtausch samt Ablegen sämtlicher taktischer Wegweiser interpretierten. Krautschneider zog in den Strafraum und wurde ungeschickt ausgehebelt, Elfmeter Nummer zwei und Tor Nummer drei für die Gäste – Nicolas Görtler nutzte die Möglichkeit zum ersten Saisontor (54.). Davon wiederum zeigten die Roten sich unbeeindruckt und glichen durch Kirciceks abgefälschten Fernschuss zum 3:3 aus (58.).

    Wer Ruhe ins Spiel brachte

    Auf das heillose Durcheinander reagierte Klaus mit der Einwechslung von Lukas Kling. Der sollte Ruhe ins Spiel bringen, sorgte aber zunächst für Jubel: Einen zu kurz abgewehrten Eckball drosch der 28-Jährige mit seiner ersten Ballberührung trocken zum 4:3 ins Eck (64.) – der fünfte Treffer binnen 19 Minuten. „Solche Geschichten schreibt der Fußball halt manchmal, ein Wahnsinn“, freute sich Kling, nachdem er neben dem Treffer auch seinen eigentlichen Auftrag erfüllt hatte. Schweinfurts Nummer zehn schaffte es mit großem Spielverständnis, die Wogen etwas zu glätten und die Partie zu beruhigen. „Wir kennen seine Qualitäten, er hat super die Bälle gehalten und verteilt. Besser kann man es nicht machen“, adelte Klaus seinen Spielmacher später.

    So ganz vorbei war es mit der Aufregung freilich trotzdem nicht. Während der FC 05 nun etliche Konterchancen ausließ und nicht sauber zu Ende spielte, versuchte Memmingen sein Glück mit weiten Bällen in die Spitze. Alexander Eiban hielt seinen Kasten von nun an aber sauber. Einen „glücklichen Sieg für uns“ hatte Klaus deshalb gesehen, „es hätte auch 4:4 oder 5:5 ausgehen können“, so der Schweinfurter Trainer. Sein Memminger Pendant Stephan Baierl sah derweil „nur einen Unterschied: Schweinfurt hat eine abgezockte Truppe mit hoher Qualität.“ Doch bei aller fußballerischen Klasse war diesmal etwas anderes entscheidend. Und das hatte auch Gerd Klaus mit Freude gesehen: „Wichtig war die Art und Weise heute. Das war ein Schritt in die richtige Richtung. Es haben alle gefightet. Das war sehr, sehr positiv und wir sind auf einem guten Weg.“

    Die Statistik des Spiels

    Fußball: Regionalliga Bayern FC Memmingen – FC 05 Schweinfurt 3:4 (1:1)

    Memmingen: Gruber – Heilig, Anzenhofer, Schmeiser, Buchmann – Kircicek (76. Lutz), Heger, Rietzler (82. Krogler), Coban (87. Cekic) – Salemovic, Rochelt.

    Schweinfurt: Eiban – Fritscher, Strohmaier, Wolf, Paul (56. Janz) – Kracun – Willsch, Jelisic, Krautschneider – Pieper (46. Jabiri), Görtler (63. Kling).

    Schiedsrichter: Patrick Hanslbauer (Altenberg) Zuschauer: 573. Tore: 1:0 Furkan Kircicek (5.), 1:1 Steffen Krautschneider (32./Foulelfmeter), 2:1 Jannik Rochelt (46.), 2:2 Adam Jabiri (51.), 2:3 Nicolas Görtler (54./Foulelfmeter), 3:3 Furkan Kircicek (58.), 3:4 Lukas Kling (64.). Gelb: –/Pieper, Strohmaier, Kracun.

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