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    FUßBALL: BFV-POKAL, ACHTELFINALE

    FC 05 gegen Kickers - ein ganz besonderes Derby

    Freunde sind die Fans des FC 05 und der Kickers nicht. Dieses Transparent zeigten Schweinfurter Anhänger beim letzten Au... Foto: Anand Anders

    FC 05 Schweinfurt gegen FC Würzburger Kickers – das ist mehr als irgendein Derby. Vor allem ist das Achtelfinale im BFV-Pokal für den Schweinfurter Regionalligisten eine Plattform, dem Drittligisten zu zeigen, dass man sich auf dem Weg befindet, dieses Klassenziel auch erreichen zu können. Es ist ein Muskelspiel der beiden mainfränkischen Vorzeigeklubs, das erste seit dem 24. März 2015 und das erste im Willy-Sachs-Stadion seit dem 7. Oktober 2014. Beide Spiele waren mit 2:0 an die Kickers gegangen, die dann als Regionalligameister über die Relegation den Aufstieg schafften. Am Mittwochabend (19 Uhr) rechnet der FC 05 bei bestem Spätsommerwetter mit über 6000 Zuschauern.

    Markus Wolf empfindet Genugtuung, dass der Verein, dessen Vorsitzender und Geldgeber er ist, sich wieder in einem Pflichtspiel mit dem zwischenzeitlich außer Sicht geratenen Ex-Zweitligisten messen kann. Er habe sich, so zumindest Wolfs Sichtweise, mit seiner Philosophie der Geduld „step by step in Reichweite“ jenes Vereines gebracht, der vor vier Jahren „den schnellen Aufstieg mit viel Geld erzwungen hat. Wir haben uns mit solider Aufbauarbeit an den Profifußball herangearbeitet.“ Der FC 05 hat im Sommer auf Vollprofitum umgestellt, sich den Aufstieg zum Ziel gesetzt und mit der zweiten Qualifikation für eine DFB-Pokal-Hauptrunde in Folge sowie ausverkauften Spielen gegen Frankfurt und Schalke den Hunger auf mehr genährt.

    Natürlich erinnert sich Wolf, dass Kickers-Investor Thorsten Fischer vor zehn Jahren mit seinem Konzept beim FC 05 vorstellig geworden war. Auch daran, dass er als Hauptsponsor zusammen mit den damaligen Vorsitzenden Werner Jonas und Rudi Löhnert Fischers Plan durchkreuzt hat: „Dass er als Erstes nach Schweinfurt gekommen ist, wir ihn nicht wollten und jetzt nicht so weit von den Kickers entfernt sind, zeigt, wie gut wir unseren Weg gegangen sind.“

    Bei aller Rivalität zollt Wolf dem Kontrahenten seinen Respekt: „Ich liebe den FC 05, aber ich hasse nicht die Kickers.“ Das sehen einige Fans aus beiden Lagern anders, weswegen die Partie zum Hochsicherheitsspiel erklärt wurde. „Wir haben mit den Fan-Beauftragten beider Vereine im Vorfeld hervorragende Zusammenarbeit gehabt“, sagt Wolf, der sein Verhältnis zu den Rothosen als „professionell, gespickt mit gesundem Ehrgeiz“ bezeichnet. Und es am liebsten sähe, „wenn beide in der Dritten Liga wären. Derby-Atmosphäre ist doch das Geilste für Fußballfans“.

    Das Gefühl kennt 05-Coach Timo Wenzel nur zu gut: Mit Omonia Nikosia spielte er das Stadtderby gegen Appoel, in Stuttgart mit dem VfB gegen die Kickers. Da findet er vor dem Pokal-Derby schon mal Sprüche: „Unser Ziel ist es, die Kickers zu schlagen. Wer dieses Ziel nicht hat, soll am Mittwochvormittag beim Abschlusstraining die Hand heben, der hat den Rest des Tages frei.“ Man merkt es Wenzel an, wie sehr er diesen Sieg will – auch wenn die Schweinfurter im Falle der Nicht-Meisterschaft und des Pokal-Aus wohl als beste Erste Mannschaft erneut in der Hauptrunde stünden.

    Schweinfurt will mutig spielen

    „Wir wollen kompakt stehen, aber auch vorne drauf gehen“, verspricht Wenzel offensive Schweinfurter im 4-4-2-System. Die beiden vorne werden Florian Pieper und der Ex-Würzburger Adam Jabiri sein. In der Innenverteidigung ersetzt mit Lukas Billick („Wir müssen die Kickers beeindrucken, ihnen zeigen, dass hier nichts zu holen ist“) ein weiterer ehemaliger Kickers-Spieler Kapitän Stefan Kleineheismann (Bänderquetschung im Knie). Pausieren muss auch Angreifer Stefan Maderer (Adduktoren), Steffen Krautschneider hat selbst um Schonung gebeten. Für ihn wird Marco Fritscher links außen anfangen, hinter ihm kehrt Gianluca Lo Scrudato zurück ins Team.

    Ein „besonderes Spiel mit sehr vielen Emotionen“ erwartet auch Kickers-Trainer Michael Schiele bei seiner Rückkehr ins Sachs-Stadion, wo er 2001 für ein Jahr lang Zweitliga-Luft schnupperte. Wie ernst die Kickers die Partie nehmen, zeigt sich auch daran, dass Schiele den Kontrahenten bei einer Ligapartie persönlich in Augenschein nahm. Auch er zollt dem Gegner Respekt und zeigt sich angetan von der niederlagenfreien Serie in der Regionalliga und vor allem im Pokalwettbewerb der letzten Jahre, in dem die Schnüdel die Hauptrunde erreichten. Dorthin wollen die Kickers wieder. „Ein Ausscheiden nun wäre eine Enttäuschung“, sagt der 40-Jährige, weshalb er plant, in Bestbesetzung anzutreten. Ob Schiele dies tun kann, entscheidet sich erst kurz vor dem Anpfiff, weil vier, fünf Akteure in der Länderspielpause mit Erkältungsviren zu kämpfen hatten.

    Die Rothosen gehen als Favorit in die Partie und „wollen Gas geben“, wie es Schiele formuliert: „Ich denke nicht, dass wir auf Konter spielen werden.“ Ein wenig geärgert hat er sich über das 0:5 im Testspiel gegen Heidenheim, „einen guten Zweitligisten. Da hat man gesehen, dass uns noch ein bisschen was fehlt. „Fünf Tore dürfen wir nicht kassieren.“ Dass dies das nach fünf Pflichtspielsiegen in Folge angehäufte Selbstbewusstsein dämpfen könnte, glaubt Schiele nicht: „Die Spieler wissen, um was es geht.“ Nicht nur um viel Prestige.

    Eingeschränktes Parken und strenge Kontrollen

    Parkplätze: Aufgrund der Aufbauarbeiten zur UFRA sind die Parkkapazitäten auf dem gegenüber dem Stadion liegenden Volksfestplatz eingeschränkt. Die Parkflächen hinter dem Stadion und an der Eishockey-Halle (Icedome) sind für Kickers-Fans reserviert. Eigens für das Spiel kann aber auf der Niederwerrner Straße, wie auch auf dem John-F.-Kennedy-Ring auf der jeweils rechten Fahrspur geparkt werden, außerdem stehen am „Schulzentrum West“ ausreichend Parkplätze zur Verfügung. Die Stadiontore öffnen am Mittwoch um 17.30 Uhr.

    Fans: Die Kickers-Fans, die mit dem Zug anreisen, werden mit Shuttlebussen zum Stadion gebracht. Da es sich um ein Hochsicherheitsspiel handelt, werden die Zuschauer gebeten, auf Gegenstände wie Schirme, Rucksäcke und größere Taschen zu verzichten. Auch dürfen Zuschauer in sämtlichen Sitz- und Stehplatzbereichen außerhalb des Gästeblocks keine Kickers-Fans-Utensilien wie Schals, Mützen oder Trikots bei sich tragen. mib

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