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    FUßBALL: REGIONALLIGA BAYERN

    Der FC 05 und die Sache mit dem Murmeltier

    Fußball 20. Spieltag der Regionalliga Bayern SpVgg Bayreuth gegen 1. FC Schweinfurt 05 im Hans-Walter-Wild-Stadion in Bayreuth Saison 2018-2019
    Viel Kampf, wenig Glück: Marco Fritscher (grün) und der FC 05 Schweinfurt mussten sich bei der SpVgg Oberfranken Bayreuth (im Bild Kapitän Anton Makarenko) mit einem 1:1 begnügen. Foto: Peter Kolb Foto: Fotograf Peter Kolb

    „Und täglich grüßt das Murmeltier.“ Kapitän Stefan Kleineheismann fiel beim besten Willen einfach keine Erklärung ein, warum der FC 05 einmal mehr auswärts mit einem Unentschieden und damit wie ein begossener Pudel dastand. Dabei hatten die Schweinfurter doch 90 Minuten viel von dem gezeigt, was für die von Trainer Timo Wenzel geforderte Trotzreaktion getaugt hätte. Doch am Ende gab?s ein ernüchterndes 1:1 (0:0) in Bayreuth – weil Steffen Eder nach einem Freistoß in der Nachspielzeit den Ball doch noch über die Linie gebracht hat zum Ausgleich.

    „Ein ganz bitterer Tag“ war es nicht nur für Kleineheismann. „Wir können einfach die engen Spiele nicht gewinnen.“ Die Frage nach dem Warum vermochte er aber nicht zu beantworten. „Wir haben gekämpft. Wir wollten es nicht auf uns sitzen lassen, dass die Mannschaft keinen Charakter hätte. Ich habe heute auch die schon angesprochene Geilheit auf den Sieg gesehen. Und dann passiert so etwas. Das ist Fußball, das passiert anderen auch. Aber für uns kommt es eben knüppeldick zur Zeit.“

    Die reguläre Spielzeit war gerade rum. Da verlieren die Schweinfurter vorn den Ball, fangen sich einen langen Ball in den Rücken des zurückgeeilten Florian Pieper, der geht nach, foult. Freistoß Ivan Knezevic, Kopfball Edwin Schwarz, Parade Alexander Eiban, Nachschuss Steffen Eder – 1:1 (90.+1). Wieder so ein Ausgleich in der Schlussphase, ein Defizit des FC 05, das sich auswärts wie ein Roter Faden durch die Saison zieht. „Wir machen immer wieder diesen Fehler. Wir suchen den Torabschluss, statt mit dem Ball zur Eckfahne zu gehen und eine Minute verstreichen zu lassen. Wir können eine Führung nicht dreckig über die Zeit bringen“, hatte Wenzel sehr wohl einen messbaren Grund ausgemacht. Es seien einfach immer und immer wieder individuelle Fehler.

    Wenn sich individuelle Fehler häufen, wenn sie sich mehr oder weniger auf alle Spieler verteilen, dann liegt ein Verdacht nahe: Die Mannschaft ist womöglich in ihrer Komplettheit doch noch nicht gut genug für Platz eins oder zwei. Wenzel hebt da jedoch abwehrend die Hände, glaubt nachwievor auf den Lerneffekt: „Engagement und Wille waren heute da. Wir haben sehr gut verteidigt gegen eine Bayreuther Mannschaft, die von der Mentalität her stark ist.“

    Trainer überzeugt vom Weg

    Dass die Mechanismen des Fußballsports gerne etwas schneller als nötig die Position des Trainers in den Fokus stellen, weiß der 40-Jährige. Auch, dass er an Ergebnissen mehr gemessen wird als an Entwicklungen. Doch er sieht sich durchaus noch im grünen Bereich: „Wir hinterfragen uns im Trainerstab tagtäglich, ob wir nicht irgendetwas besser machen können. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass sich die Frage nach meiner Position schon stellt. Ich habe einen Weg und den werde ich mit Präsident Markus Wolf und der Mannschaft gehen. Und wir wissen, dass wir alle sehr gut zusammenarbeiten.“

    Das war den Schweinfurtern auch über weite Strecken anzumerken. Gleichwohl sie tief durchatmen mussten vor der Pause: Dass es da 0:0 stand, lag an 05-Keeper Eiban, der gegen Christoph Fenninger (28., 33.) zweimal stark klärte, und an der Zögerlichkeit von Shpetim Suejmani (31.) und Chris Wolf (43.). „Deren Chancen waren aber weniger herausgespielt, denn unseren Ballverlusten geschuldet“, so Kleineheismann. „Das wollten wir in der zweiten Halbzeit abstellen und haben es auch abgestellt.“

    Was vorher schon funktionierte bei den Gästen, war das Zweikampfverhalten in der Rückwärtsbewegung. Das hatte Trainer Timo Wenzel ja auch unter der Woche ausgiebig trainiert. Nikola Jelisic oder Alexander Piller spurteten nach verlorenen Bällen energisch hinterher, holten sie sich nicht selten zurück. Auch Eins-gegen-Eins-Situationen nach vorn wurden gesucht: Marco Fritscher und Steffen Krautschneider gelangen schöne Dribblings. Nur vorne hing Stefan Maderer, der anstelle des angeschlagenen Adam Jabiri zunächst den Sturmsolist gab, in der Luft.

    Was sich nach Wiederbeginn änderte. Die Schweinfurter zogen die Zügel wieder an und wurden belohnt: Krautschneiders Rückpass von der Linie brachten die Bayreuther nicht weg, Maderer verwandelte aus halblinker Position eiskalt flach ins rechte Eck zum 0:1 (53.). Und ums Haar hätte der Ex-Fürther nachgelegt: Doch sein feiner 20-m-Schlenzer nach Krautschneider-Anspiel segelte knapp am Winkel vorbei (63.). Auch ohne weitere Hochkaräter wäre alles gut gewesen, wenn nicht diese letzte Bayreuther Aktion gewesen wäre. „Wir haben es geschafft, nach der Führung nicht ins alte Muster zu verfallen und nachzulassen. Vieles heute war ein Fortschritt, auch die Körpersprache“ – doch was nutzt's, wenn das Resultat ausbleibt. Denn nun ist auch noch Memmingen vorbei an den auf Platz fünf abgesackten Schweinfurtern. Und der VfB Eichstätt ist bereits auf acht Punkte Vorsprung enteilt. Der VfB Eichstätt . . .

    Die Statistik des Spiels

    Fußball, Regionalliga Bayern SpVgg Bayreuth – FC 05 Schweinfurt 1:1 (0:0) Bayreuth: Kolbe – Dengler, Weber (62. Götzendörfer), Eder, Weimar – Schwarz – Makarenko (76. Mirroche), Wolf, Knezevic – Sulejmani (68. Schiller), Fenninger.

    Schweinfurt: Eiban – Messingschlager, Stzrohmaier, Kleineheismann, Fritscher – Billick, Jelisic – Piller (66. Jabiri), Trinks (86. Kracun), Krautschneider – Maderer (76. Pieper).

    Schiedsrichter: Florian Badstübner (TSV Windsbach). Zuschauer: 1236. Tore: 0:1 Stefan Maderer (53.), 1:1 Steffen Eder. Gelb: Weber, Weimar, Eder – Maderer, Kleineheismann, Pieper.

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