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    Fußball: Regionalliga Bayern

    FC-05-Präsident Markus Wolf: "Wir schaffen das noch!"

    Der Vorsitzende und Hauptsponsor der Schweinfurter über den Alptraum München, die ewige Hoffnung auf die Dritte Liga, prominente Zugpferde und ausbleibende Anerkennung.
    Der Motivator: Markus Wolf ist nicht nur Vorsitzender des Fußball-Regionalligisten FC 05 Schweinfurt, sondern auch Hauptsponsor. Der Drittliga-Aufstieg ist für ihn auch in wirtschaftliches Interesse. Foto: foto2press/Frank Scheuring

    Der FC 05 Schweinfurt bereitet sich aktuell im Trainingslager in der Türkei auf die Restsaison in der Fußball-Regionalliga Bayern vor. In den beiden Testspielen gegen Mittelrhein-Oberligist FC Düren (1:2) und Regionalligist TSV Havelse (1:0) konnte die Mannschaft ihre Siegesserie unter dem neuen Trainer Tobias Strobl nicht lückenlos fortsetzen. Trotzdem ist Präsident und Hauptsponsor Markus Wolf felsenfest davon überzeugt, dass die Meisterschaft trotz der acht Punkte Rückstand des Tabellenzweiten auf Spitzenreiter Türkgücü München noch nicht entschieden ist.

    Frage: Kurz vor dem Trainingslager ging's zum Neujahrsempfang des FC 05 in die Spielbank nach Bad Kissingen. Mal vor der Restrunde testen, wie es um Glück im Spiel bestellt ist?

    Markus Wolf: Dann müsste es ja auch heißen: Pech in der Liebe. Nein, nein, das war schon länger geplant und ist Zufall, dass es genau jetzt zur sportlichen Situation passen würde.

    Sind Sie ein Glücksspieler?

    Wolf: Überhaupt nicht. Ich bin kein Gambler. Ich war mal in Las Vegas, das macht auch mal Spaß für einen Abend. Aber ich habe lieber zugeschaut. Am Würfeltisch, das waren immer die schönsten Frauen und die beste Stimmung.

    Passt ja auch besser zum Slogan: "Wir arbeiten Fußball".

    Wolf: Ja. Auch wenn's mit Glück zu tun hat, wie wir im letzten Spiel vor dem Winter gesehen haben, als wir nach 0:3-Rückstand noch mit 4:3 gegen Rosenheim gewonnen haben. Trotzdem: Zum Erfolg gehören vor allem harte Arbeit und Konstanz.

    Loten aus, was in Schweinfurt finanziell machbar ist: Präsident Markus Wolf (links) und Sportleiter Björn Schlicke. Foto: foto2press/Frank Scheuring

    Was ist in dieser Saison mit ehrlicher Handwerksarbeit noch drin?

    Wolf: Ich sage, dass wir noch viel erreichen können. Wir schaffen das noch, ich bin immer Optimist. Wir können alle zwölf Spiele gewinnen. Davon bin ich überzeugt.

    Sorgt allein das Wort "München" bei Ihnen nicht langsam für Alpträume?

    Wolf: Nein, weil es das letzte Mal eine Mannschaft aus München sein wird, die uns den Aufstieg streitig machen kann. Es sieht ja nicht so aus, als würde eine Münchner Mannschaft aus der Dritten Liga absteigen. Es wäre aber schon bitter, wenn wir zum dritten Mal an einer Münchner Mannschaft scheitern würden. Dass es eng wird, haben wir uns selbst zuzuschreiben. Wir hatten vor dem Oktober noch drei Punkte Vorsprung. Wir haben unsere eigenen Hausaufgaben also nicht ausreichend gemacht. Man sieht aber auch: Geld schießt doch Tore, und Türkgücü hat nun einmal einen größeren Etat. Deswegen steht der Aufsteiger auch vor uns, obwohl wir um zehn Punkte besser sind als im letzten Winter. Da muss man notfalls eine Überlegenheit des Kontrahenten anerkennen.

    "Ich bin ein Arbeiter, der seit zwölf Jahren hart und gut arbeitet, ohne eine Lohnerhöhung zu erhalten."
    FC-05-Präsident Markus Wolf über Aufwand und Ertrag 

    Wenn's wieder nichts wird mit dem Aufstieg: Gehen Sie in der nächsten Spielzeit dann selbst auf Nummer sicher und nehmen noch deutlich mehr Geld in die Hand?

    Wolf: Nein. Definitiv nein. Der FC 05 Schweinfurt besteht ja nicht nur aus Markus Wolf. In München gibt es zwei, drei größere Investoren. Ich will alleine nicht so viel Geld investieren. Ich gebe schon einen fast siebenstelligen Betrag, das ist sehr viel Geld für mich und meine Firma. Aber wenn Stadt und Industrie das nicht entsprechend anerkennen und sich beteiligen, dann ist es eben so, wie es ist. Und trotzdem haben wir nach Türkgücü ja den zweithöchsten Etat. Das ein Aufsteiger so dasteht, ist eine Ausnahmesituation. Das gibt es nächste Saison vermutlich nicht noch einmal. Für die Regionalliga wäre unser Etat dann schon sehr hoch, da muss es erst einmal einen zweiten Verein geben, der solch professionelle Bedingungen bieten kann.

    Auch die Gefahr, dass das viele Geld, wie zuletzt, für die Katz sein kann, motiviert Sie nicht, nochmal aufzustocken?

    Wolf: Auf keinen Fall. Wenn man sieht, dass bei ausbleibenden Siegen sofort kaum noch Zuschauer kommen, frage ich mich natürlich: wofür überhaupt? Wir werden es, wenn wir diesmal nicht aufsteigen, aber noch einmal zu den vergleichbaren Konditionen versuchen. Und dann müssen wir auch wieder der BFV-Pokal gewinnen. Das haben wir zuletzt zweimal nicht geschafft, was in Summe 500000 Euro weniger in der Kasse bedeutete, als angestrebt. Das darf man auch nicht vergessen. Und in der Stadt heißt es nur: Wolf, mach halt mal. Ich verstehe nicht, wenn ich als Oberbürgermeister einer Stadt wie Schweinfurt 2025 die Landesgartenschau präsentiere und sehr viel Geld für Werbung in die Hand nehmen muss, nicht begreife, dass ich in einem Fußball-Verein im Profigeschäft eine Plattform hätte, die einen deutschlandweit bekannt macht. Mal ehrlich: Wer kennt denn Schweinfurt?

    Nachdenklich: Markus Wolf hat mit dem FC 05 viele schöne Momente erleben dürfen, zum ganz großen Wurf hat's aber noch nicht gereicht. Foto: Oliver Schikora

    Die Würzburger Kickers nehmen sich auf ihrem Weg gerne Prominenz ins Boot. Erst Bernd Hollerbach, jetzt Felix Magath. Solche Persönlichkeiten können viel bewegen. Auch eine Variante für den FC 05?

    Wolf: Es ist ja nicht so, dass wir keine Angebote bekommen hätten von vergleichbaren Zugpferden. Die Frage ist nur, was bringt's? Die kommen ja auch nicht für einen Appel und ein Ei. Es dreht sich letztlich immer ums Geld. Da muss man Kosten und Nutzen aufwiegen. Andererseits sind bei uns alle Posten besetzt. Für welche Position sollten wir Jemanden holen? Beispielsweise einen Koordinator für ein Bundesliga-Nachwuchsleistungszentrum, ja. Doch dafür sind wir in der Regionalliga zu weit unten, dazu müssen wir erst in die Dritte Liga.

    Mal ganz ehrlich, Herr Wolf: Wann haben Sie eigentlich die Schnauze voll vom Fußball?

    Wolf: Diese Frage stelle ich mir jedes Jahr. Vor allem dann, wenn es mal nicht so läuft und alles schlecht geredet wird. Eine gewisse Verbitterung ist da. Weil ich diesen Verein in den vergangenen zwölf Jahren kernsaniert und strukturiert habe. Da erwarte ich, wie jeder Arbeiter auch, dass ich Anerkennung erfahre und belohnt werde. Vor allem wenn die Stadt Millionen Rücklagen hat. Ich bin quasi ein Arbeiter, der seit zwölf Jahren hart und gut arbeitet, ohne eine Lohnerhöhung zu erhalten.

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