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    Fußball: Regionalliga

    Schweinfurter Fußball-Arbeit wird belohnt

    Des einen Leid, des anderen Freund: Während Viktoria-Keeper Kevin Birk (im Hintergrund) bedröppelt drein schaut, feiern die Schweinfurter (von links) Lamar Yarbrough, Lukas Billick, Adam Jabiri, Mohammad Awata, Christian Köppel (verdeckt) und Benedict Laverty das 1:0. Foto: Marion Wetterich

    Rosenheim, Heimstetten, Schalding, Aschaffenburg, dazwischen noch zwei Pokalerfolge - so langsam kann sich der FC 05 im Stile einer Rockband Tour-Shirts mit den Daten seiner Siege machen lassen. Da muss dann ja nicht stehen, dass das 1:0 (0:0) gegen die Viktoria erst in der vierten Minute der Nachspielzeit und nach einem Eigentor perfekt war. Es stünde aber auch nicht drauf, dass sich die Schweinfurter diesen Sieg mit einer hoch konzentrierten und geduldigen Vorstellung erarbeitet haben.

    • Zum Nachlesen der Live-Ticker zum Spiel gegen Aschaffenburg.

    Erarbeitet. Das ist das Stichwort. Denn als die Mannschaft von Trainer Timo Wenzel registriert hatte, es gegen leidenschaftlich verteidigende Aschaffenburger nicht mit eleganten Mitteln schaffen zu können, liefen sie eben so lange über die Flügel an, bis ein Tor nichts weiter als der verdiente Lohn sein musste. Und sei es in der letzten Sekunde. "Da steckt sehr viel Qualität dahinter. Wir haben anders als letzte Saison Spieler, die an so etwas glauben", sagte Wenzel und hörte lieber den Vergleich mit dem 2019er-Meister FC Bayern II als mit dem 2018er-Vorgänger 1860 München. Der gewann viele seiner Spiele auch knapp und spät, ähnlich wie nun Schweinfurt. Aber: "Die Sechziger spielten damals defensiv und spekulierten auf ein, zwei Treffer. Das ist nicht meine Philosophie." 

    Aschaffenburgs Dähn als doppelter Unglückswurm

    Stimmt. Nur nicht effektiv genug. Sonst müsste man vor dem Jubeln nicht so häufig zittern. Auch gegen die Viktoria hätte der FC 05 gut und gerne drei-, viermal treffen müssen. Doch Gäste-Schlussmann Kevin Birk parierte gegen den Doppelpack von Amar Suljic und Lukas Ramser (11.), gegen Adam Jabiri (51., 71.) sowie Pius Krätschmer (64.) jeweils brillant. Um letztlich dazustehen wie der Depp. Denn beim letzten langen Ball von Sascha Korb überlistete Luca Dähn den Keeper mit einer Kopfball-Verlängerung ins eigene Tor. Just jener Dähn, der 05-Torwart mit einem Kopfball das einzige Mal geprüft hatte (49.).

    "Wir haben anders als letzte Saison Spieler, die an so etwas glauben."
    FC-05-Trainer Timo Wenzel zu der Häufung knapper Siege

    Korb, der Initiator der Schlüsselszene, machte nur "ein bisschen Glück" als Grund für das späte Tor aus, dafür ganz viel Mentalität: "Trotz der 30 Grad musst du es einfach immer weiter probieren, immer an dich glauben." Lediglich zwischen der 15. und 35. Minute haben die Schweinfurter nachgelassen. Mit den Kräften hauszuhalten war fraglos beabsichtigt, nicht jedoch, den Gegner zum Mitspielen einzuladen. "Auch wenn wir uns mal zurückziehen, müssen wir aktiver in den Zweikämpfen bleiben", so Korb. "Wir war zu passiv, haben Räume offen gelassen." Wenzel nickte das mit zwei Worten ab: "Zu pomadig."

    Hatte eine etwas andere Sicht aufs Spiel als 05-Coach Timo Wenzel: sein Aschaffenburger Kollege Jochen Seitz. Der Freundschaft der Beiden wird's kaum Abbruch tun. Foto: Sportfoto Zink / WoZi

    Als sein Aschaffenburger Kollege Jochen Seitz davon sprach, "praktisch nichts zugelassen" zu haben und gar die hochkarätigeren Möglichkeiten besessen zu haben, zog der Schweinfurter Trainer kurz die Augenbrauen hoch. Seine Mannschaft hatte angesichts der drückenden Schwüle schließlich unglaublich viel nach vorn investiert und über die Außenspieler Amar Suljic (links) sowie Tim Danhof/Marco Fritscher (rechts) eine Flanke nach der anderen herein gebracht. Durch die Mitte waren Ramser und Krätschmer Aktivposten, wenngleich mit zu wenigen Schüssen aus der Distanz. "Hie und da war das letzte Anspiel zu schlampig", meckerte Wenzel auf hohem Niveau.

    Längere Zwangspause für Kapitän Kleineheismann

    Derweil verfolgte Kapitän Stefan Kleineheismann einmal mehr das Geschehen die komplette Zeit von der Bank aus. Lamar Yarbrough ersetzt ihn aktuell in der Innenverteidigung mit solch Verlässlichkeit und auch Auge für die Spieleröffnung, dass sich daran demnächst auch kaum etwas ändern dürfte. Wenzel ließ durchblicken, dass es sich nicht nur um Leistungsdefizite handeln könnte: "Ich habe das mit ihm offen kommuniziert, dass er nicht spielt. Es gibt keinen Grund, das nach außen zu tragen. Intern ist alles geklärt, der Spieler nimmt es vorbildlich auf. Wichtig ist nur, dass es im Kader ruhig bleibt."

    Derzeit nur in der Zuschauer-Rolle: 05-Kapitän Stefan Kleineheismann. Foto: Michael Bauer

    Diese Ruhe, Kameradschaft und Ausgeglichenheit des Kaders ist schließlich aktuell das größte Pfund des FC 05, der mit erheblich weniger Teamgeist letzte Saison solche Spiele wie gegen Heimstetten, in Schalding oder gegen Aschaffenburg höchstwahrscheinlich abgegeben hätte. So aber steht die Mannschaft auf Platz zwei, nun punktgleich mit Fürth, einen Zähler vor Türk Gücü München und schon deren fünf vor den weiteren Verfolgern. Nun soll am Freitagabend ein weiterer Sieg in Garching das Selbstvertrauen weiter anfachen für das BFV-Pokal-Achtelfinale gegen Zweitliga-Absteiger FC 04 Ingolstadt. Das wurde terminiert auf Dienstag, 3. September, 18 Uhr.

    Die Statistik des Spiels
    Fußball, Regionalliga Bayern
    FC 05 Schweinfurt - SV Viktoria Aschaffenburg 1:0 (0:0)
    Schweinfurt: Zwick - Fritscher, Billick, Yarbrough, Köppel - Korb, Krätschmer - Danhof (73. Laverty), Ramser (56. Fery), Suljic (82. Maderer) - Jabiri.
    Aschaffenburg: Birk - Boutakhrit, Schmidt, Dähn, Zehnder, Cheron - Verkaj, Grünewald, Baier (83. Wittke), Schnitzer (88. Verkamp) - Meßner (60. Schulz).
    Schiedsrichter: Lothar Ostheimer (TSV Sulzberg). Zuschauer: 1186. Tor: 1:0 Luca Dähn (90.+4, Eigentor). Gelb: Ramser - Baier, Schulz, Boutakhrit.

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