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    Fußball: A-Klasse Schweinfurt 4

    Gewalt gegen Schiedsrichter: Einjährige Sperre steht im Raum

    Das A-Klassen-Spiel zwischen Untereuerheim und Fortuna 96 Schweinfurt wurde abgebrochen. Ein Gästespieler soll ausgerastet sein, das Sportgericht will hart durchgreifen.
    Rote Karte, Spielabbruch: Bei der A-Klassen Partie zwischen Untereuerheim und Fortuna 96 Schweinfurt eskalierte das Geschehen nach einem Platzverweis. 
    Rote Karte, Spielabbruch: Bei der A-Klassen Partie zwischen Untereuerheim und Fortuna 96 Schweinfurt eskalierte das Geschehen nach einem Platzverweis.  Foto: Patrick Seeger/dpa

    Es war die 83. Minute eines einseitigen Spiels: Der Schiedsrichter stellte einen Akteur vom Platz, dem brannten die Sicherungen durch, worauf wiederum der Unparteiische die Partie abbrach. Und wie das dann immer ist, wenn auf einem Fußballplatz Böses passiert, haben die beteiligten Parteien höchst unterschiedliche Sichtweisen der Dinge. Auch bei dem Vorfall in der A-Klasse Schweinfurt 4, in der sich der SV Untereuerheim und Fortuna 96 Schweinfurt gegenüber gestanden hatten. Der Fall liegt nun beim Kreissportgericht.

    5:0 für Untereuerheim stand es in besagter 83. Minute, Fortuna hatte fünf Minuten zuvor schon einen Spieler mit Gelb-Rot verloren, als der Referee einen Schweinfurter Spieler mit Rot des Feldes verwies. Warum er wenig später abbrach, lässt sich aus den Aussagen der Vereinsvertreter nur schwer rekonstruieren. Der Untereuerheimer Fußball-Abteilungsleiter Ralf Bauer berichtet, dass der Rot-Sünder den Schiedsrichter am Arm gepackt habe, ihm den Kugelschreiber erst aus der Hand geschlagen habe, um dann damit nach ihm zu werfen, und zur Ohrfeige angesetzt habe, ohne wirklich zu schlagen. Derweil sagt Fortuna-Vorsitzender Viktor Dewaldt, sein Spieler habe den Unparteiischen nicht angefasst und den heruntergefallenen Stift nur aufheben wollen. Konträrer könnten die Darstellungen kaum ausfallen.

    Fortuna 96 will sich gegen Vorwürfe wehren

    Das ist in Form des Schiedsrichterberichts und einer "Gegendarstellung" beim Sportgerichts-Vorsitzenden Günther Stottele aufgeschlagen. Der sagt: "Im Raum stehen zwischen acht Wochen und einem Jahr Strafe für den Spieler." Das dem Verein gegenüber angekündigte einjährige Spielverbot habe Fortuna 96 veranlasst, Widerspruch gegen den Bericht einzulegen.

    Ein Mittel, das aber gar nicht vorgesehen ist. Vielmehr brauche Stottele ("der Widerspruch liest sich wie ein Antrag auf den Friedensnobelpreis"), der noch den SVU hören will, eine schriftliche Stellungnahme. Und der Verein müsse eine mündliche Verhandlung beantragen. Geschehe das nicht, wird das Sportgericht ein nicht widerspruchsfähiges Urteil fällen.

    Rot-Sünder kein Unbekannter beim Sportgericht

    Fakt ist: Der betroffene Akteur wird auch für die Halle gesperrt bleiben. Im Freien pausieren die Schweinfurter B- bis Kreisklassen ohnehin bereits. Sollte die zwölfmonatige Sperre greifen, könne zwar ein Viertel zur Bewährung ausgesetzt werden, was im Falle dieses Spielers eher unwahrscheinlich sein dürfte: "Er ist in der Vergangenheit schon aufgefallen", sagt Stottele und widerspricht damit der Charakter-Lesart Dewaldts ("ein ganz normaler Spieler, überhaupt nicht aggressiv").

    Ohnehin versucht der Fortuna-Boss das offenbar Geschehene zu beschönigen, gar den Spies umzudrehen, indem er dem Schiedsrichter eine Mitschuld an der Eskalation zuschreibt: "Der hat nur in eine Richtung gepfiffen. Wir bekommen einen Elfmeter nicht, Untereuerheim bekommt ihn. Dann hält unser Torwart und er lässt wiederholen. Der Verband hat Schiedsrichtermangel, da dürfen die Schiedsrichter offenbar machen, was sie wollen."

    "Wir wollen den sich bundesweit häufenden Übergriffen Einhalt gebieten, ehe sich das auch bei uns vermehrt zeigt."
    Günther Stottele, Vorsitzendes des Schweinfurter Kreissportgerichts

    Dass der sehr junge Unparteiische, dessen Namen nachträglich aus dem elektronischen Spielberichtsbogen auf der Homepage des Bayerischen Fußball-Verbandes entfernt worden ist, und den auch Schiedsrichter-Obmann Heinrich Keller nicht preisgeben will, diesem Vorwurf gerecht geworden wäre, weist SVU-Sportleiter Bauer entschieden zurück. Und Keller klagt: "Die Schiedsrichter bekommen am Ende alles ab." Grundsätzlich mache er ein gesellschaftliches Problem aus, dass Autoritäten immer weniger anerkannt würden.

    Und genau das, so Bauer, sei in dem abgebrochenen Spiel der Fall gewesen. Nicht nur in dieser einen Szene. So sei der Fortuna-Anhang mit eigenen Biervorräten angerückt ("das zeugt nicht von Respekt gegenüber dem Gastgeber"). Einzelne Akteure und Verantwortliche der Gäste hätten sich vor dem Spiel bereits verbal aggressiv gezeigt. Während der Partie sei immer wieder vehement gemeckert worden. Und nach dem Platzverweis  in Folge des mutmaßlichen tätlichen Angriffs auf den Referee sei die Lage weiter außer Kontrolle geraten. Bauer: "Es folgten übelste Beleidigungen gegen den Schiedsrichter und eine Zuschauerin." Die neben der Auswechselbank stehende Mutter des Spielertrainers Stefan Greulich habe sich als "Hure" und "Schlampe" bezeichnen lassen müssen, ganz abgesehen von sexuell motivierten Ankündigungen. 

    Spekulationen um ein sensibles Thema 

    Für Bauer seien Vorfälle mit Fortuna oder auch Türk Gücü Schweinfurt nichts Unerwartetes: "Normalerweise verstauben bei uns die Ordnerbinden. Gegen diese Klubs müssen wir sie raus holen. Ich habe schon überlegt, wie man das dem Spielgruppenleiter näher bringen kann, ohne sich dem Verdacht der Ausländerfeindlichkeit auszusetzen. Das läge mir nämlich fern." Fortuna 96 hat einen hohen Anteil an Russland-Deutschen in seinen Reihen, bei Türk Gücü spielen inzwischen verstärkt Flüchtling - ein sensibles Thema also.

    Unabhängig von derlei Spekulationen steht für den Sportgerichtsvorsitzenden Stottele die Sicherheit der Schiedsrichter im Vordergrund: "Wir wollen den sich bundesweit häufenden Übergriffen Einhalt gebieten, ehe sich das auch bei uns vermehrt zeigt." Und deswegen deutet für den Fortuna-Spieler alles auf ein hohes Strafmaß hin. 

    Anmerkung: Der Untereurheimer Sportleiter Ralf Bauer ist mit dem Autor dieses Textes weder verwandt noch verschwägert.

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