• aktualisiert:

    Fußball: Regionalliga Bayern

    Der FC 05 verteidigt die Tabellenspitze

    Mehr Kampf als Spiel: Der Schweinfurter Stefan Maderer (grün) müht sich zwar am Memminger Lirim Kelmendi vorbei, eine Anspielstation findet er danach aber nicht. Foto: Marion Wetterich

    Es war das erwartet schwere Spiel gegen eine derzeit völlig unterbewertete Mannschaft. Es war ein wichtiger Sieg angesichts der ebenfalls erfolgreichen Verfolger. Und es war die Bestätigung, dass der FC 05 mit seinem neuen Kader nicht nur glänzen, sondern vor allem auch kämpfen kann. Von daher: Einen Haken hinter die spielerische Leistung beim Schweinfurter 2:0 (1:0) über den FC Memmingen - und ein Ausrufezeichen hinter die Gesamtbetrachtung.

    "Egal, wie wir heute gespielt haben, wir haben gewonnen und das zu Null" - simples Fußball-Deutsch kann so treffend sein. Der Schweinfurter Rechtsverteidiger Marco Fritscher wusste, dass er und seine Kollegen gegen diese erstaunlich aktiven Gäste kaum ein passendes Mittel gefunden hatten, außer zwei Tore zur rechten Zeit. "Aber das war heute so zu erwarten und deswegen bin ich voll zufrieden." Auch, weil in der Mannschaft ein Virus herumgeistert und gleich mehrere Spieler schwächt.

    Schwächen im zentralen Mittelfeld

    Der augenfälligste Schwachpunkt am Samstagnachmittag war aber das zentrale Mittelfeld. Nach den Ausfällen von Lukas Ramser (Knie-OP) und kurzfristig Tim Danhof (Infekt) klaffte dort eine Lüücke, weil Pius Krätschmer in der Doppelsechs gebraucht wurde. So mühte sich zunächst Amar Suljic, dann im Positionswechsel Stefan Maderer auf der Schaltzentrale - vergebens. Kurzpassspiel verpuffte. "Amar hat das in Ingolstadt schon gespielt, wir haben ihn gefragt, ob er sich zutraut und er hat grünes Licht gegeben", gestand ihm Trainer Timo Wenzel das Mühen zu, bemerkte aber auch, dass die Orientierung etwas fehlte.

    Nicht die einzige Schwäche. Laufwege passten nicht, Pässe kamen nicht, auch weil die Schritte etwas kürzer ausfielen. "Wir haben am Dienstag viel Kraft liegen lassen", so Wenzel. Und so hätte die Partie schon zur Pause eine ganz andere Wendung nehmen können. Denn die Schweinfurter profitierten lediglich von einer Szene aus der vierten Minute: Sascha Korb zwirbelte einen 25-m-Freistoß elegant und millimetergenau über die Mauer und in den Winkel zum 1:0.

    "Es war leichter an die Spitze zu kommen, als jetzt die Spitze zu verteidigen."
    FC-05-Trainer Timo Wenzel über den harten Liga-Alltag

    Doch damit hatte es dann auch schon. Statt weiterer Angriffswellen sahen die Zuschauer Schweinfurter Fehler, welche die an sich mit Fünferkette defensiv aufgestellten Memminger zu Vorstößen einluden. Die freundlichste Einladung sprach 05-Innenverteidiger und Kapitän Stefan Kleineheismann mit einem Querpass vor dem eigenen Strafraum aus, die Can Karatas zu einem Abschluss nutzte. Doch Luis Maria Zwick bewahrte den FC 05 mit einer tollen Fußabwehr vor dem Ausgleich (14.). Zwar verpasste Benedict Laverty mit seinem Flachschuss nur knapp das 2:0 (45.), doch wäre das dann auch zu viel des Guten gewesen.

    Befreiend: der Schweinfurter Jubel nach dem frühen 1:0 von Sascha Korb. Foto: Marion Wetterich

    Pausen-Donnerwetter mit Wirkung – das hat ja diese Saison schon öfter geklappt. Nicht diesmal. Auch nach dem Seitenwechsel taten sich die Schweinfurter sehr schwer, gegen diese unbequemen Allgäuer ein Konzept zu finden. Immer wieder waren sie gezwungen, sich gegen die mitspielwilligen Gäste zurückzuziehen, danach fehlte die Schlagdistanz zu Sturmsolist Adam Jabiri, der sich oft gegen zwei, drei Kontrahenten durchzusetzen hatte. Erst als Pius Krätschmer nach vorn rückte und auf der Sechs von Kevin Fery ersetzt wurde, lief es besser. Und erfolgreicher: Von Gianluca Lo Scrudato bedient, traf Krätschmer zum 2:0 (73.) – und durfte kurz danach raus.

    "Wir haben gut verteidigt und zwei Tore gemacht. Vor zwei Jahren ist 1860 München so Meister geworden", bilanzierte Wenzel ungewohnt pragmatisch. Und fügte an: "Es war leichter an die Spitze zu kommen, als jetzt die Spitze zu verteidigen." Den Memmingern war jedenfalls der Zahn gezogen. Jabiri hätte sogar noch erhöhen können, scheiterte aber an FCM-Schlussmann Martin Gruber (90.+1).

    Warum es nichts ausmacht, 90 Minuten zu marschieren

    "In den letzten beiden Jahren haben wir so oft eine auf den Deckel bekommen", erinnerte sich Fritscher an zuviel Übermut nach wenigen guten Auftritten. Und hebt hervor, dass sich das grundlegend geändert hat. "Es ist unglaublich, wie bodenständig wir sind. Keiner hebt ab." Und in so einem Team mache Fußballspielen einfach Spaß. "Wir trainieren viel, sind körperlich topfit, machen privat viel zusammen, es passt einfach. Und dann macht es auch nichts aus, 90 Minuten zu marschieren" - er selbst bietet sich beispielsweise bei fast jedem Angriff über Rechts zum Hinterlaufen an. 

    Vielleicht liegen Laune und Fitness ja auch ein bisschen an den Kochkünsten der Spieler. Fritscher verriet: "Wir kochen öfter in Schweinfurt zusammen. Diese Woche waren es Christian Köppel, Mohamad Awata und ich. Wir haben arabisch gekocht."

    Rätselraten um einen Termin-Lapsus des BFV

    Derweil machen sich die Verantwortlichen des FC 05 und wohl auch der Aschaffenburger Viktoria Gedanken um das Datum ihres Pokal-Viertelfinales. Der 3. Oktober (Donnerstag) als Regelspieltag liegt halt nah an den Samstags-Partien der Regionalliga. Die Schweinfurter wären da gegen Nürnberg an der Reihe. Sportleiter Björn Schlicke ließ schon durchblicken, dass der Feiertag für den Pokal ganz gelegen käme, man lieber das Punktspiel verschieben würde. Und nebenbei machte Schlicke noch auf einen Lapsus des Bayerischen Fußball-Verbands aufmerksam: Das Pokal-Endspiel ist auf 23. Mai festgelegt - doch da haben die Regionalligisten kollektiv ihren letzten Spieltag. Oha.

    Die Statistik des Spiels
    Fußball, Regionalliga Bayern
    FC 05 Schweinfurt – FC Memmingen 2:0 (1:0)
    Schweinfurt: Zwick – Fritscher, Kleineheismann, Billick, Lo Scrudato – Krätschmer (76. Pieper), Korb – Laverty, Suljic (85. Awata), Maderer (67. Fery) – Jabiri.
    Memmingen: Gruber – L. Kelmendi, Sirch, A. Kelmendi, Jokic, Remiger – Watanabe (85. Morou), Greisel (78. Kücük), Rietzler, Karatas (69. Skrijelj) – Nickel.
    Schiedsrichter: Jürgen Steckermeier (TSV Altfraunhofen). Zuschauer: 1206. Tore: 1:0 Sascha Korb (4.), 2:0 Pius Krätschmer (73.). Gelb: Billick – L. Kelmendi.

    Kommentare (2)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!