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    RINGEN

    Schonungen und Unterdürrbach: Müssen sie um ihre Zukunft ringen?

    Ringen ist eine traditionsreiche, olympische Sportart. In der Region gibt es nur noch die beiden Klubs in Schonungen und Unterdürrbach. Lohnt sich der Aufwand überhaupt?
    Sehen das Ringen nach problematischen Jahren wieder im Aufwind: Der Unterdürrbacher Coach Julian Hemmerich (hinten) und Marco Greifelt (vorne), Trainer des RSV Schonungen. Foto: Dominik Großpietsch

    Marco Greifelt (39) und Julian Hemmerich (31) haben schon viel erlebt. Seit ihrer Kindheit frönen die beiden einer Sportart, die trotz ihrer Historie in der Region recht wenig Anklang findet. Um Mannschaftskämpfe zu bestreiten, müssen Greifelt als Trainer des RSV Schonungen und Hemmerich als Coach des TV Unterdürrbach mit ihren Kämpfern meist weit fahren. Nun treffen beide Klubs in diesem Jahr erstmals seit langem in einer Liga aufeinander. Das hat seine Gründe: Unterdürrbach hat die Bayernliga-Meisterschaft in der abgelaufenen Runde verpasst, Schonungen musste wegen einer Umstrukturierung der Oberliga absteigen – aus zwei Staffeln wird eine gemacht. Verliert das Ganze nach Jahren mit vielen Veränderungen seinen Reiz? Ein Gespräch über Vorfreude, Rivalität, Belastungen und Zukunftsaussichten.

    Frage: Schonungen ist aus der zweithöchsten Liga abgestiegen, Unterdürrbach hätte den Sprung in diese fast geschafft. Wie ist die Lage?

    Julian Hemmerich: Wir können uns über das vergangene Jahr nicht beschweren, es ist super gelaufen, sind am Ende Zweiter geworden. Als Verantwortlicher bin ich nicht unbedingt böse darum, für die Sportler wäre es sicher schön gewesen, aufzusteigen. Ein Aufstieg sollte immer ein Anreiz sein, doch mit ein bisschen Weitblick ist die Bayernliga die richtige Liga für uns.

    Marco Greifelt: Wir sind der neuen Ligeneinteilung zum Opfer gefallen, normalerweise wären wir als Vorletzter auch dringeblieben – nun bleiben nur die ersten drei Teams jeder Oberliga-Staffel in der Liga. Trotzdem ist die Saison nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Dass wir nun in der Bayernliga an den Start gehen werden, ist mit Weitsicht besser. Nach und nach werden nun ein paar Jugendringer zur Mannschaft stoßen - und da ist die Bayernliga zum Einstieg doch besser.

    Diese Leute aus den eigenen Reihen müssen ja schon im Jugendbereich weite Fahrten auf sich nehmen, um zu den Kämpfen der Nachwuchs-Ligen zu kommen. Verlieren die Kinder da nicht schnell die Lust?

    Hemmerich: Vor einigen Jahren ist der Jugendbereich umgestaltet worden. Nur noch die höchste Liga wird in klassischer Form ausgetragen. Für diese Kämpfe muss man weit fahren. Ein Kampf zweier Jugendringer kann schnell vorbei sein. Wenn dann noch Gewichtsklassen nicht besetzt werden können, ist für wenige Minuten Kampf der Tag hinüber. Um das zu verhindern, gibt es nun unter der höchsten Klasse eine zentrierte Form, die an zwei Wochenenden ausgetragen wird.

    Greifelt: Früher war dieser Ligenbetrieb üblich, bei uns wird er jetzt auch gut angenommen, unsere Schülermannschaft wird so auch besser auf den Seniorenbereich vorbereitet. Das Mannschaftsringen ist, speziell für uns und die Schüler, gut.

    Kopfstand auf der Matte: Marco Greifelt (rot), wehrt sich hier im Jahr 2016 gegen Leonardo Quintero Torres (TSV Burgebrach). Foto: Dominik Großpietsch
    Mannschaftsringen – gutes Stichwort. Zuletzt ging es mit dieser Art des Ringens bergab. In den Oberliga-Staffeln gab es nur noch sieben statt acht Mannschaften, immer mehr Vereine haben zurückgezogen. Eine Zweite Bundesliga gibt es nicht mehr, einige frühere Erstliga-Klubs haben eine Parallel-Liga zu der des Deutschen Ringer-Bunds (DRB) ins Leben gerufen, weil es Zerwürfnisse gab. Stirbt diese Form aus?

    Greifelt: Jein. Sie kommt jetzt meiner Meinung nach wieder. Von Seiten des DRB ist es ja angedacht, 2021 wieder eine Zweite Bundesliga einzuführen, weil der Sprung von der Oberliga in die Bundesliga so groß war. Deswegen gibt’s jetzt, denke ich, auch nur noch eine Oberliga, damit nächstes Jahr auch mal das Interesse da ist, aufzusteigen. Dieses Jahr gibt es beispielsweise keine Aufstiegspflicht, weil die Vereine schon signalisiert haben, dass sie gar nicht hoch wollen. Ich denke, dass es mit dieser Zweiten Liga wieder interessanter werden könnte.

    Hemmerich: Ich arbeite beim DRB in der Medien-Abteilung und kriege so viel mit. Fakt ist, dass sich der Verband auch die Zweite Liga wünscht. Die Vereine waren aber gegen eine sofortige Wiedereinführung; das kann man sehen, wie man will. Eigentlich hätte sie jetzt schon – in diesem Jahr – kommen sollen. Grundsätzlich war es für mich ein Fehler, die Oberliga zu teilen, das hat das Problem verstärkt, dass der Sprung groß wird. Das haben wir lang genug mitgemacht, dem Ganzen ist auch der ASC Bindlach zum Opfer gefallen. Der hat zurückgezogen, als klar war, dass er hoch muss. Formal ist es allerdings so, dass der TSV Westendorf als Sieger der Aufstiegskämpfe aufsteigen muss, aber nicht für die Bundesliga meldet. Der bayerische Verband erlaubt nun, dass der TSV wieder in der Oberliga startet. Das ist eine Ausnahmesituation, sonst wäre man in die Bayernliga zurückgestuft worden. In allen anderen Landesverbänden ist es einfacher, um den Aufstieg herumzukommen. Wären alle Landesverbände so hart zu den Spitzenteams in ihrer höchsten Liga, hätten wir schon länger wieder eine Zweite Bundesliga.

    "Unser Verkaufsgewinn deckt auf gar keinen Fall die Kosten."
    Trainer Julian Hemmerich über die Situation der Ringer des TV Unterdürrbach
    Sie haben jetzt schon viel von Umstrukturierungen, Ausnahmeregelungen und kleinen Ligen gesprochen. Machen Sie Kopfstände für nichts, weil der sportliche Wettbewerb immer geringer wird?

    Greifelt: Nein, uns hat das in den vergangenen Jahren nicht betroffen, weil wir nicht um die Meisterschaft gerungen haben. Diese Probleme hat es früher, soweit ich mich erinnere, nicht in dieser Art und Weise gegeben. Sie sind in den letzten fünf bis zehn Jahren entstanden, weil sich die Situation in den Bundesligen geändert hat, es viele Rückzüge gab und Mannschaften nachrücken mussten. So langsam kommt da wieder Normalität rein.

    Hemmerich: Man muss es differenziert sehen. Wir sind wieder auf dem aufsteigenden Ast. Einmal hatten wir in der Liga nur fünf oder sechs Mannschaften, als Teams kurz vor der Saison zurückgezogen haben. Dann hat man die Liga nicht mehr voll bekommen. Das war aber ein Stück weit ein hausgemachtes Problem, weil die Ligen von unten immer weiter regional aufgeteilt wurden – auch auf Wunsch der Vereine, um die Kosten zu senken. Doch da ist man an Grenzen gestoßen; nach und nach geht man die Schritte wieder zurück.

    Im Ringen geht es ja auch ums Geld, eine Runde muss ja irgendwie finanziert werden. Wie teuer ist eine Saison in der Ober- oder Bayernliga beziehungsweise in der Bundesliga?

    Hemmerich: Eine Saison für eine Männermannschaft kostet, wenn man die reine Teilnahme betrachtet - ohne Training, ohne Trainer – knapp 10 000 Euro. Die Unterschiede zur Bundesliga sind sehr, sehr krass. Ein Beispiel: Die Lizenzgebühr für einen Kämpfer beträgt in Bayern 15 Euro, in der Bundesliga 150 Euro. Für die ausländischen Sportler muss man in Liga eins zusätzlich an den europäischen Verband Abgaben zahlen. Zudem kostet eine Bundesliga-Mannschaft Geld, der Etat, will man nicht abgeschlagen Letzter werden, sollte ungefähr 200 000 Euro betragen.

    Greifelt: Bei uns ist es ähnlich, die Summe ist im hohen vierstelligen, knapp fünfstelligen Bereich.

    Alles im Griff: Julian Hemmerich (rot), hier bei einem Kampf mit dem Neumarkter Christian Grasruck im Jahr 2015. Foto: HMB Media/Danzer
    Rechnet sich das für den Verein? Kommen genug Zuschauer?

    Greifelt: Wir haben uns noch nie beschweren können, haben tolle Fans. Wir kommen gut aus – auch durch Sponsoring, ehrenamtliche Helfer, Beiträge oder Verpflegungsstände bei den Kämpfen. Wir haben als reiner Ringer-Klub ja keinen Hauptverein, der uns aushelfen könnte, wenn es nicht so wäre.

    Hemmerich: Wir sind kein eigener Verein, haben so andere Voraussetzungen. Wir hängen am Hauptverein, wir könnten das gar nicht alleine decken. Unser Verkaufsgewinn deckt auf gar keinen Fall die Kosten. Aber beschweren können wir uns nicht, haben auch viele Zuschauer.

    In anderen Sportarten werden schon in unteren Ligen Ausländer verpflichtet, auch im Ringen tauchen Kämpfer mit unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten auf. Werden sie für ihre Einsätze bezahlt?

    Hemmerich: Grundsätzlich ist es steuertechnisch einfach nicht möglich, einen Ringer fürs Kämpfen zu bezahlen, dem müsste man einen Arbeitsvertrag geben. In unseren Ligen gibt es das aber auch, das Preis-/Leistungsverhältnis ist bei den Ausländern einfach besser. Viele Vereine umgehen das Ganze beispielsweise mit Hilfe von Fahrtkostenabrechnungen. Die Frage ist eben, ob sich das lohnt und wie weit man diesen Weg gehen will, wenn man wirklich Not am Mann hat. Wenn man diese Bezahlung sauber abwickeln will, ist es gar nicht so einfach.

    Greifelt: Wenn zu uns mal Ausländer kamen, haben wir von Vereinsseite aus versucht, ihnen bei der Wohnungs- und Jobsuche behilflich zu sein. Dann kann man sein Geld verdienen und in der Freizeit ringen - bei uns kämpfen nur Amateure.

    Beide Vereine sind ja schon seit jeher Rivalen, aber die Teams trainieren manchmal gar zusammen und treffen nun in der Liga aufeinander. Gibt es dann irgendwann auch mal einen Zusammenschluss?

    Greifelt: Wir machen viel zusammen, aber über einen Zusammenschluss haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Wir freuen uns jetzt erst mal auf die Saison und die Derbys.

    Hemmerich: Dafür gibt es akut keinen Bedarf. Es hätte Sinn gemacht, in den vergangenen Jahren zusammen eine zweite Mannschaft zu stellen, weil beide Personalprobleme hatten. Aber: Wenn man das macht, muss man komplett zusammengehen.  Wir freuen uns riesig auf die Runde - für Prognosen, wer beispielsweise die Derbys gewinnt, ist es noch zu früh.

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