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    FUßBALL: REGIONALLIGA BAYERN

    Blick auf die Tabelle schmerzt den FC 05

    Ein paar Geistesblitze, aber auch viel Gewürge: Hier probiert der Schweinfurter Steffen Krautschneider (grün), den Garchingern (von links) Florian Pflügler und Maximilian Engl den Ball abzuluchsen. Foto: Marion Wetterich

    Das zehnte Unentschieden in 20. Spiel, weiter kein Sieg gegen eine der letzten sechs Mannschaften der Tabelle und jetzt noch die Auswärtsspiele in Aschaffenburg und München. Spätestens nach dem 0:0 gegen den VfR Garching vor der Minuskulisse von 648 Zuschauern ist klar, dass das sportlich gesehen keine friedvolle Weihnacht wird beim FC 05 Schweinfurt. Selbst ein Erfolg bei den kleinen Bayern im vermeintlichen Spitzenspiel, das inzwischen nur noch Verfolgerduell ist, könnte da nicht mehr viel richten.

    „Es tut mir leid für unsere Fans“, entschuldigte sich Trainer Timo Wenzel denn auch bei denen, die „ihre“ Mannschaft mit einigen saftigen Worten aus dem letzten Heimspiels des Kalenderjahres entlassen hatten. „Wir sollten uns positiv verabschieden, das ist uns nicht gelungen.“ Zwar waren vor allem vor der Pause die Ansätze ebenso vorhanden wie allerbeste Tormöglichkeiten, doch wirkte zum Ende hin der Akku der Spieler zum ersten Mal in dieser Saison leer. Die berühmte Schippe drauf blieb im Sandkasten stecken. Wenzel zog physischen Verschleiß auch in Erwägung, sieht die Hauptursache jedoch in der Psyche: „Wir stecken in einer Serie, die uns nicht gut tut“, sagte er zum fünften nicht gewonnen Spiel in Serie. „Da gehen bei kleinen Fehlern schon zu schnell die Köpfe runter. Keiner will dann mehr einen Fehler machen und spielt lieber auf Sicherheit.“

    Dabei hatten sich die Schweinfurter das Spiel wie gewünscht zurechtgelegt. Mit Geduld und Bewegung im vorderen Drittel zogen sie die Garchinger Fünf-plus-Vier-Doppelkette auseinander, fanden Lücken – nur nutzten sie diese nicht konsequent. Dabei hätte es einen Auftakt nach Maß geben können: Als Alexander Piller clever den Ball durch die Beine gelassen und Florian Trinks scharf nach innen gepasst hatte, ließ Stefan Maderer passieren und Steffen Krautschneider scheiterte an Lucas Genkinger, der für seinen bereits geschlagenen Torwart Maximilian Engl auf der Linie zur Ecke klärte (3.). Trinks zielte dann ebenso knapp rechts vorbei (14.) wie Maderer (45.+2).

    Piller übt sich in Selbstkritik

    Vor allem Piller, der nach seinem Geistesblitz in der dritten Minute dreimal rechts durch war, aber entweder nicht den Mitspieler fand, oder sich nicht traute, den Torwart zu umkurven, übte sich in Selbstkritik: „Ich muss mich da an die eigene Nase fassen, es tut mir sehr leid für die Mannschaft. Wir hätten es verdient gehabt, mal so ein Drecksspiel nach Hause zu bringen.“ Das im schlimmsten Fall sogar verloren hätte werden können. Denn selbst wenn die Oberbayern sich maßgeblich aufs Verteidigen beschränkten und dies gut hinbekamen, sie hatten auch ihre Chancen: Dennis Niebauer traf nur den Außenpfosten (9.) und Mike Niebauer zielte aus der Drehung nach einem Billick-Patzer hauchdünn drüber (41.). „Wenn du das Tor nicht machst, bekommt der Gegner eben die dritte Luft“, wusste Wenzel nur zu gut, dass es auch ganz schief hätte gehen können.

    Ihre durchaus vorhandene Pfiffigkeit und Eleganz ließen die Schweinfurter dann aber in der Kabine. Zwar grätschten sie weiter mit Leidenschaft um jeden verlorenen Ball, die zündende Idee im Spiel nach vorn blieb aber aus. Daran änderte auch der Versuch von Matthias Strohmaier nichts, bei dem Engl sein ganzes Können aufbringen musste – die Szene entsprang schließlich einem Eckball (70.). Wenzel reagierte, brachte zwanzig Minuten vor dem Ende mit Kevin Fery einen Kreativen und mit Adam Jabiri einen Vollstrecker. Für den ersten Knalleffekt der zweiten Halbzeit sorgte aber ein anderer Nullfünfer: Einen mächtigen Seitfallzieher knallte Trinks an die Querlatte (75.). Und dann hätte es doch noch den so oft herbeigeredeten dreckigen Sieg geben können. Doch in der Nachspielzeit scheiterte Strohmaier erst per Kopf (90.+3) und dann mit dem Fuß (90.+4) an Engl.

    So blieb es bei einem Nullnull, das den Nullfünfern beim Blick auf die anderen Resultate umso mehr im Magen lag. Bayern 1:1, Eichstätt 0:3, Burghausen 0:1, Memmingen 0:2 – die Schweinfurter hatten den Sprung in der Tabelle quasi auf dem Silbertablett serviert bekommen. „Man liest das, aber wir sind momentan eigentlich nicht in der Situation, auf andere zu schauen. Wir müssen endlich wieder gewinnen“, sagte Piller, das „Wir“ dabei dick unterstreichend und mit fünf Ausrufezeichen versehend. Coach Wenzel kann sich auf dieses seltsame Schneckenrennen auch nicht recht einen Reim machen: „Ob wir oder die anderen, man nimmt sich viel vor, aber es stehen halt 22 Spieler auf dem Platz. Es hilft nichts, auf die Tabelle zu schauen, wir haben schlichtweg die Seuche am Fuß.“

    Wohl keine Neuzugänge

    Dass bei der breit verteilten Inkonstanz in der zwangsläufig immer umfangreicher werdenden Spitzengruppe auch ein personelles Nachlegen in der Winterpause für die entscheidenden kleinen Vorteile sorgen könnte, schließt Wenzel zwar nicht aus („da muss man Präsident Markus Wolf fragen, aber wir werden unsere Köpfe zusammenstecken“), wilde Entschlossenheit auf diesem Gebiet hört sich allerdings anders an: „Wir werden wohl mit diesem Kader in die Restrunde gehen.“

    Die Statistik des Spiels

    Fußball, Regionalliga Bayern

    FC 05 Schweinfurt – VfR Garching 0:0

    Schweinfurt: Eiban – Messingschlager, Strohmaier, Billick, Fritscher – Kracun, Jelisic (72. Fery) – Piller, Trinks, Krautschneider – Maderer (72. Jabiri).

    Garching: Engl – Staudigl (79. Zettl), Genkinger, Pflügler, Walter, Salassidis – M. Niebauer, D. Niebauer, Tugbay, Suck – Tunc (89. Koch).

    Schiedsrichter: Elias Tiedeken (TSV Neusäß). Zuschauer: 648. Gelb: Kracun, Fritscher – D. Niebauer, Tugbay, Suck, Genkinger.

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