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    FUßBALL

    Physiotherapeutin Llevaria: Von Espanyol Barcelona zum FC Gerolzhofen

    Akribisch: Physiotherapeutin Cristina Mora Llevaria (links) leitet FC-Spielertrainer Julian Göbel an, der nach seinem Mittelfußbruch wieder im Aufbautraining ist. Foto: Alexander Rausch

    Cristina Mora Llevaria ist in ihrem Element. Sie erklärt Übungen und deren Sinn. Sie macht die Bewegungsabläufe vor. Sie geht enthusiastisch mit und motiviert „ihre Jungs“, wie die 28-Jährige die Kicker des Kreisligisten FC Gerolzhofen nennt. Seit nunmehr zwei Spielzeiten kümmert sich die gebürtige Spanierin bei den Rot-Weißen darum, die wiedergenesenen Spieler topfit zu machen – und auch die gesunden betreut sie therapeutisch und greift, in Absprache mit Spielertrainer Julian Göbel, regelmäßig aktiv bei den Einheiten ein.

    „Es macht mir unglaublich Spaß mit den Jungs zu arbeiten. Sie sind eine Art Ersatzfamilie für mich geworden“, erzählt Mora Llevaria freudig über ihre Tätigkeit bei den Gerolzhöfer Fußballern. Im Mai 2017 war die Spanierin aus Barcelona nach Deutschland umgesiedelt, um endlich auf eigenen Beinen zu stehen. In ihrem Heimatland sei das aufgrund ihres zu geringen Gehalts trotz Universitätsstudiums nicht möglich gewesen. Aussicht auf Besserung gab es nicht. Zu schlecht sei die Bezahlung gewesen, weil es für die hohe Anzahl an Physiotherapeuten zu wenig Arbeit gab.

    Mora Llevaria arbeitet sich hoch

    Deshalb entschied sich die heute 28-Jährige dazu, auszuwandern. „Ich war nicht liiert und hatte keine Kinder. Zudem hatte ich mein Studium abgeschlossen. Deshalb dachte ich: Jetzt oder nie“, blickt sie zurück. Mora Llevaria hatte in Spanien bereits mehrere Deutschkurse absolviert und war Ende 2016 für einige Wochen in Berlin. Dort reichte sie unter anderem auch ihren Lebenslauf bei einer Jobagentur ein. Und in diesem stand neben diverser weiterer praktischer Erfahrungen auch die Tätigkeit bei Espanyol Barcelona. „Ich habe eine Physiotherapeutin von Espanyol bei einem Praktikum kennengelernt – und dadurch bin ich dorthin gekommen“, so Mora Llevaria.

    So arbeitete sie zwei Spielzeiten im Cornella mit den Frauen des Vereins. Zunächst kümmerte sie sich um die jüngeren Kickerinnen, kletterte aber schnell in der Altersklassen-Leiter und war nach einer Saison Physiotherapeutin der beiden Frauen-Mannschaften, die in den beiden höchsten Spielklassen Spaniens spielen. Und das schon seit Gründung der nationalen Meisterschaft im Jahre 1988. Denn Espanyol gehört zu den traditionsreichsten Frauen-Teams auf der iberischen Halbinsel. „Selbst wenn der Frauenfußball im Schatten der Männer steht, hat es Spaß gemacht. Ich konnte sehr viel Erfahrung sammeln“, sagt die Katalanin.

    Diese brachte sie letztlich auch in den Steigerwald. Denn die Jobagentur bot ihr eine Anstellung in einer Gerolzhöfer Physiotherapie-Praxis an. Mora Llevaria nahm dankend an, in dem Glauben – denn das war die Aussage des Vermittlers – in der Nähe von Frankfurt zu landen. „Jetzt sind es aber doch zwei Stunden zum Flughafen“, meint die 28-Jährige schulterzuckend. Denn sie hat ihre „zweite“ Heimat lieb gewonnen.

    Auch wegen der Gerolzhöfer Fußballer, mit denen sie regelmäßig arbeitet. Dabei kümmert sie sich auf dem Platz, stets ihr Notizbuch in der Hand haltend – und mit Liebe zum Detail um die Bereiche Kraft, Kondition und Fitness, vornehmlich mit den Kickern, die nach Verletzungen zurückkommen. Mit den gesunden Spielern arbeitet sie im regulären Trainingsbetrieb präventiv, vor allem mit Stabilisationsübungen, um Läsionen vorzubeugen.

    Dabei kam Mora Llevaria, die auch die Frauen des FV Dingolshausen betreut, aus einem anderen Grund zum FC Gerolzhofen: „Anfangs bin ich hierher gekommen, um Anschluss zu finden, um Leute kennenzulernen. Aber ich fühle mich bei den Jungs zu Hause. Deshalb bin ich geblieben.“ Und dieses „zu Hause“ möchte sie mittelfristig auch nicht mehr verlassen. Julian Göbel, der zeitgleich mit Mora Llevaria zu den Rot-Weißen kam, würde sie wohl auch nicht gehen lassen, die kleine impulsive Spanierin mit dem großen Herz für seine Jungs.

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