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    FUSSBALL: REGIONALLIGA BAYERN

    Neuer FC-05-Sportchef Schlicke: Nächste Saison Aufstieg

    13 06 2018 Fussball Amateurfussball Saison 2018 2019 Trainingsauftakt U23 SpVgg Greuther Fürth
    Nächste Saison soll der Aufstieg gelingen: Björn Schlicke, der neue Sportchef des FC Schweinfurt 05. Foto: Sportfoto Zink / ThHa (imago sportfotodienst)

    Der FC Schweinfurt 05 überwintert als Dritter der Fußball-Regionalliga Bayern und hat auf das Führungsduo FC Bayern München II und VfB Eichstätt neun Punkte Rückstand. Die Münchner haben zudem noch zwei Spiele mehr zu absolvieren. Seit 1. Januar hat der Verein offiziell einen neuen Sportleiter: Björn Schlicke, der sich seit der Unterzeichnung seines Zweieinhalb-Jahres-Vertrages Anfang Oktober eingearbeitet hat. Der ehemalige Juniorennationalspieler mit 340 Erst- und Zweitliga-Einsätzen als Verteidiger trat die Nachfolge von Gerd Klaus an, der nach einem Formfehler im BFV-Pokal-Achtelfinale gegen die Würzburger Kickers, der zur Niederlage am Grünen Tisch geführt hatte, zurückgetreten war. Schlicke, 37 und aus Erlangen kommend, war zuletzt Teammanager bei Greuther Fürth II.

    Frage: Greuther Fürth, Hamburger SV, 1. FC Köln, MSV Duisburg, FSV Frankfurt – FC 05 Schweinfurt. Wie kommt's?

    Björn Schlicke: Ich fand Schweinfurt schon immer interessant. In der Region Nordbayern gibt es ja nicht so viele ambitionierte Vereine.

    Na, die Würzburger Kickers . . .

    Schlicke: Ja, klar, kenne ich. Jetzt umso mehr. Als Auswärtiger kenne ich auch die Rivalität, aber auch den engeren Bezug zum Würzburger FV. Trotzdem sind wir nicht scharf darauf, dass die Kickers herunter kämen, sie wären ein weiterer Konkurrent für unsere Ziele. Aber letztlich müssen wir unsere Hausaufgaben selbst machen, wenn wir in den Profifußball wollen.

    Aus dem man sich in Schweinfurt gefühlt nie wirklich verabschiedet hat.

    Schlicke: Das war ein Grund, warum ich mich für Schweinfurt entschieden habe. Ich habe hier mit Fürth noch gegen den FC 05 in der Zweiten Liga gespielt. Ich weiß, wie es sein kann, hier zu spielen. Ich weiß, dass das bei den Fans eine große Sehnsucht ist.

    Profi-Trainer, Profi-Mannschaft, das Willy-Sachs-Stadion. Da hat's nur an einem Profi auf der Sportleiter-Position gemangelt.

    Schlicke: Es gibt so viele Profis, die in der Vergangenheit schwelgen und sagen: Ich war mal dies oder das. Davon steigt man nicht auf oder holt Pokale. Es müssen die Inhalte stimmen. Eine Marschroute muss da sein, die konsequent von allen verfolgt wird.

    Sie haben 340 Einsätze in den deutschen Profiligen, Trainer Timo Wenzel knapp 200. Sie sind beide nicht lange raus aus dem Geschäft. Ähnelt der Situation mit den Kickers und Bernd Hollerbach. Kontakte sollte es genug geben, oder?

    Schlicke: Auch wenn dahingestellt sei, ob die wirklich helfen – sie sind in jedem Fall da und können einiges erleichtern. Wichtiger ist: Ich weiß, wovon ich spreche, wie ich es machen und was ich mit der Mannschaft erreichen will.

    Wovon sprechen Sie und wie machen Sie es?

    Schlicke: Den ersten Schritt hat man in Schweinfurt gemacht: Die Jungs auf Profifußball umzustellen. Aber: Professionalität heißt ja nicht nur, nicht mehr nebenher zu arbeiten, Professionalität heißt auch Einstellung zum Beruf des Fußballers. Wir müssen die Qualität der Mannschaft zu dem Zeitpunkt ausspielen, zu dem sie gebraucht wird. Das heißt: Nicht nur darüber reden, sondern machen. Dazu gehören auch die handelnden Personen. Wir haben mit Markus Wolf einen ehrgeizigen Präsidenten, mit Timo Wenzel einen Trainer, der die höchstmögliche Lizenz besitzt. Jetzt liegt es an mir, den nächsten Schritt zu machen. Das heißt, die richtigen Spieler und die richtige Mischung zu finden.

    Warum haben Sie sich eigentlich für sportliche Leitung statt Traineramt entschieden?

    Schlicke: Als ich 2015 als Profi aufgehört habe, hat sich in Fürth die Gelegenheit geboten, als Co-Trainer der U 23 noch etwas zu spielen. Und ich habe dort in der Marketing-Abteilung gearbeitet. Diese Tür hat sich mir aufgemacht, aber ich wollte nicht durch gehen. Da fehlt mir der Sport, ich will täglich beim Training dabei sein. Das Trainerdasein selbst ist aber nicht meines. Ich möchte mehr am Großen und Ganzen arbeiten.

    Der FC 05 will in die Dritte Liga. Zum Aufsteigen dürfte es bereits eine drittligataugliche Mannschaft brauchen.

    Schlicke: Es gibt genug Beispiele. RB Leipzig zum Beispiel hat immer eine Mannschaft zusammengestellt, die Minimum eine Klasse höher hätte mitspielen können. Und Würzburg hat's ähnlich gemacht, wenn auch nicht so krass. Ein Selbstläufer ist es aber nicht.

    Nächste Saison steigt der Meister der Regionalliga Bayern direkt auf. Das unternehmerische Risiko wird durch den Wegfall der Relegation kleiner. Es sei denn, die Würzburger kämen runter und die kleinen Bayern blieben in der Liga. Passt der Schweinfurter Geldbeutel zu Ihrer Wunschliste?

    Schlicke: Zunächst wollen wir mit den Spielern sprechen, die da sind. Schauen, wer den Weg mit uns gehen will. Trotz der Ergebniskrise: In der Mannschaft ist Potenzial. Als ich unterschrieben habe, stand da eine Pflichtspielniederlage des FC 05 – im DFB-Pokal gegen Schalke 04. Und wir haben eigentlich einen Drittligisten aus dem BFV-Pokal herausgeschmissen. Es fehlt aber der letzte Kick.

    Präsident Markus Wolf hat auf der Weihnachtsfeier harte Worte gefunden. Nicht wenige Spieler würden sich verabschieden müssen.

    Schlicke: Wer Markus kennt, weiß dass er das Herz auf der Zunge trägt. Aber klar schauen wir genau hin. Wir wollen nächste Saison aufsteigen. Und Markus Wolf will auch wissen, in wen er investiert.

    Offenbar nicht in Christopher Kracun. Mit dem stellvertretenden Kapitän hat der FC 05 einen Führungsspieler nach Bayreuth abgegeben.

    Schlicke: Wir haben eine Vorabauslese im Hinblick auf den Sommer gemacht. Wir haben einigen Spielern mitgeteilt, dass es für sie nicht weiter geht. Bei Kracun war es so, dass wir uns gesagt haben: Wir brauchen auf der Sechser-Position einen anderen Spielertypen. Wir haben das offen kommuniziert. Der Spieler kam dann auf uns zu mit dem Angebot aus Bayreuth und wir haben uns geeinigt.

    Wenn einer wie Kracun in der Planung für 2019/20 keine Rolle mehr spielt, droht dann das Großreinemachen? Zum Teil schon im Winter?

    Schlicke: Natürlich wird Markus Wolf auch nächste Saison investieren, aber nicht in dem Maße, dass es ein Selbstläufer wird. Wir werden nicht RB Leipzig sein. Es kann tatsächlich sein, dass sich im Winter noch etwas tut und wir eventuell auch im Gegenzug jemanden verpflichten. Den ganz großen Umbruch strebe ich aber nicht an. Ich sehe die aktuelle Mannschaft schon als einen unbequemen Gegner. Da schlagen sich einige unter Wert. Die Mannschaft ist, abgesehen von den Älteren wie Jabiri oder Kleineheismann, in einem guten Alter. Meine Aufgabe ist es, die Spieler auch nach ihrem Charakter zu bewerten.

    Nicht immer einfach. Sind Sie als Sportleiter der harte Typ?

    Schlicke: Das würde ich so nicht sagen. Aber: Ich arbeite nicht für mich, ich arbeite für die Sache. Ich gehe nicht ins Bett und sage: Heute war ich wieder ein super Kumpeltyp. Es geht nur um die Sache. Da muss man Entscheidungen treffen. Da bringt es nichts, zu sagen: Der Spieler ist ein netter Typ. Was nutzt eine solche Einschätzung, wenn er uns sportlich nicht weiter bringt. Ich sage das den Spielern auch offen, ich rede bei keinem drumherum.

    Laufen viele Spielerverträge aus?

    Schlicke: Ja, 14 oder 15. Das heißt nicht, dass alle gehen. Wenn doch, dann ist das so. Aber wir sind in der Regionalliga Bayern eine sehr, sehr gute Adresse, wo Spieler sich glücklich schätzen können, hier einen Vertrag zu erhalten, um bei dem Ziel Aufstieg mitzuhelfen.

    Müssen die Fans befürchten, dass die Regionalität der Mannschaft weiter schwindet?

    Schlicke: Erst einmal ist es so, dass es nur gute oder schlechte Fußballer gibt. Wenn ich dann die guten nehme, ist es mir natürlich lieber, ich kann einen aus der Region verpflichten. Ich selbst bin Profi geworden, weil man in Fürth auf Talente aus der Region gesetzt hat. Ein 19-Jähriger aus Schweinfurt passt besser als ein 19-Jähriger aus Berlin.

    Was es sicher braucht, ist ein echter Leader. Denn der fehlt der aktuellen Mannschaft.

    Schlicke: Klar, nur mit Indianern steigt man nicht auf. Wir brauchen ein Grundgerüst von Häuptlingen. Eine gute Mischung kann bestehen aus jungen, gut ausgebildeten Spielern von Bundesliga-Reserven, die nach vorne schieben, und Spielern, die im Fußball schon etwas gesehen haben. Ein Leader muss nicht immer gut spielen, er muss etwas ausstrahlen. Er darf selbst dann, wenn alle, also auch er, schlecht spielen, das Maul aufmachen. Den muss ich immer über Lautstärke und Körpersprache erkennen. Es gibt ein paar Kandidaten im aktuellen Kader, die es könnten. Aber herauskristallisiert hat sich da bis jetzt keiner.

    Auch ein Grund, warum wir uns einig sein dürften: In dieser Saison passiert nichts mehr.

    Schlicke: Aufstieg? Nein, ganz sicher nicht. Wenn ich davon reden würde, würde ich mich selbst lächerlich machen. Aber: Jetzt muss sich zeigen, wer Charakter hat und noch so viele Punkte wie möglich holen will. Zudem ist Platz zwei hinter München und die Qualifikation für den DFB-Pokal ein realistisches Ziel, das ich erreichen möchte. Dazu muss auch jeder Spieler immer gewinnen wollen. Das habe ich in den letzten Spielen nicht gesehen.

    Lässt sich diese Mentalität bei zwölf ausstehenden Spielen der Mannschaft noch einimpfen?

    Schlicke: Das ist ein Muss. Wer das nicht kann, ist fehl am Platz. Das sind zwölf Endspiele in Vereinssache und auch in eigener.

    Formulieren Sie das Saisonziel für 2019/20 etwas konkreter, als das in den beiden vergangenen Spielzeiten der Fall war? Meister plus Aufstieg?

    Schlicke: Jeder weiß, dass nächstes Jahr Zweiter oder 14. dasselbe ist. Ich hoffe, dass die Bayern hoch gehen, dass keiner runter kommt. Dann wird der Kreis derer, die nächste Saison aufsteigen wollen und vor allem können, ein ganz kleiner sein. Von daher: ja.

    Und deswegen war genau jetzt die Zeit reif für den Wechsel zum FC 05 Schweinfurt.

    Schlicke: Ja, weil das die Zielsetzung ist, die ich mir für diese Liga vorstelle. In Fürth hatte ich das nicht, dort gibt es primär den Ausbildungsgedanken. Aber ich möchte mich dadurch nicht einschränken lassen. Ich will Pokale gewinnen und aufsteigen. Ich liebe diesen Sport, weil es um etwas geht.

    Sie wissen, dass sie in Schweinfurt Titel womöglich mit einer Schlachtschüssel feiern müssen?

    Schlicke: Nein! Die gibt's bei uns ja auch, aber ich kann das nicht, bei mir isst das Auge mit. Ich esse alles, aber das nicht.

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