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    RADSPORT

    Lisa Fischers Olympia-Traum ist geplatzt

    Zufrieden: Die Eßlebener Radrennfahrerin Lisa Fischer, hier an der Schweinfurter Gutermann-Promenade, möchte in der kommenden Saison wieder angreifen. Foto: Dominik Großpietsch

    Wie fühlt man sich, wenn man alles gegeben hat, seinen Traum vor Augen hat und er - wie eine übergroße Seifenblase - platzt? Nicht gerade wenige Menschen würden sich ins stille Kämmerlein verziehen und erst einmal mit sich selbst, der Welt und kleinen Feinheiten hadern, die möglicherweise das Zünglein an der Waage waren. Lisa Fischer gehört nicht dazu. Obwohl sie nicht zu den Olympischen Spielen im kommenden Jahr nach Tokio fahren darf. Wie kommt das?

    Fischer kennt sich mit Rückschlägen aus. Falsche Entscheidungen und schwere Verletzungen, unter anderem ein Bruch beider Arme, sind nur ein Teil dessen, womit die 25-Jährige zu kämpfen hatte. Sie kämpfte - und kam gestärkt zurück. "Ich habe es meinen Kritikern gezeigt." Lisa Fischer lächelt zufrieden. Platz vier in der Gesamtwertung der Rad-Bundesliga, Rang acht bei der deutschen Meisterschaft im Einzelzeitfahren, Platz sechs bei der deutschen Bahnmeisterschaft samt persönlicher Bestleistung über 3000 Meter in der Einzelverfolgung - sowie Silber über vier Kilometer bei der Mannschaftsverfolgung sind Ergebnisse, die der Amateurfahrerin von Vielen gar nicht zugetraut worden waren. 

    Die Eßlebenerin muss sich umstellen 

    Im Winter hatte sie ihre Karriere zunächst für beendet erklärt, machte dann aber doch weiter und musste sich - bedingt durch eine chronische Gastritis - nochmal neu mit dem Leistungssport auseinandersetzen. Diese Entzündung der Magenschleimhaut hätte der Eßlebenerin alles verderben können - durfte sie aber nicht. "Das ist richtig suboptimal. Wenn du Rennen fahren willst, musst du viel essen. Wir standen also vor der Aufgabe, die Schleimhaut neu aufzubauen. Das haben wir auch ein Stück weit geschafft." Als die Wettkämpfe anstanden, war Fischer fit. Auch, weil sie ihren Körper und ihr Essverhalten akribisch umstellte. 

    Trotz des recht ungünstigen Zeitpunkts der letzten Arm-Operation im Februar diesen Jahres setzte die Unterfränkin, eigentlich Helferin im „maxx-solar LINDIG woman cycling Team“,  in der Bundesliga Akzente und unterstützte ihre Kolleginnen Carolin Schiff und Beate Zanner, die in der Endabrechnung auf Treppchen-Stufe eins und zwei standen. Die Management-Studentin selbst belohnte sich mit Rang vier.

    "Was ich geleistet habe, hat nicht wirklich interessiert. Ich habe also keine Chance mehr."
    Lisa Fischer über den Ablauf der Nominierung des erweiterten Olympia-Kaders

    Für ihren Olympia-Traum brachte das wenig - offen gesagt nichts. Um in den Kader zu kommen, zählte nur die Deutsche auf der Holzbahn. Für Fischer eine riesengroße Herausforderung - obwohl das Bahnrad-Fahren, zumindest früher, ihre Spezialität war. "Ich bin das letzte Mal 2013 mitgefahren. Nun fährt die Konkurrenz mit deutlich größerer Übersetzung. Ich wusste: Wenn ich mithalten will, muss ich mitziehen. Zudem hatte ich nur ein zusammengebasteltes Rad, auf dem ich bei der Meisterschaft zum ersten Mal saß. Die Konkurrenz hatte Bikes im Wert von je gut 20 000 Euro."

    Am Start war das aber Makulatur. Die Rennfahrerin, die ihre ersten Schritte beim RV 1889 Schweinfurt gemacht hatte, kämpfte sich ran und wurde Sechste - zeitgleich mit der Fünftplatzierten und einer Sekunde Rückstand auf Rang vier. Die Chancen für eine Olympia-Nominierung standen gut. 

    Keine Berufung in den Nationalkader

    Doch der Traum war bald ausgeträumt. Fischer kam nicht in den erweiterten Kader, die Viert- und Fünftplatzierten schon. "Von mir würde jetzt verlangt werden, dass ich privat Weltcup-Punkte sammle. Aber diese Kosten kann und will ich nicht stemmen, bin da auf mich allein gestellt. Der Bund Deutscher Radfahrer geht davon aus, dass jetzt gute Fahrerinnen nominiert sind. Was ich geleistet habe, hat nicht wirklich interessiert. Ich habe also keine Chance mehr." 

    Die Resignation in der Stimme der blonden Frau ist schnell verflogen. Denn nun hat sie die Chance, zum ersten Mal seit Februar, intensiv an sich zu arbeiten. Übrigens wieder mit der Unterstützung ihres Förderers Markus Wolf und in Zusammenarbeit mit Christian Hasler vom Schweinfurter Fitnesszentrum „Next Level“. Die haben unlängst erklärt, die frühere EM- und WM-Teilnehmerin auch in der kommenden Saison zu unterstützen. Nun sind ja noch knapp fünf Monate Zeit, bis es wieder richtig losgeht. Bis dahin will Lisa Fischer Vollgas geben und sich mit konstant guten Leistungen für ein Profi-Team empfehlen. Dass das wieder neue Ziele sind, spielt diesmal aber keine große Rolle. 

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