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    Schweinfurt

    MHV: Meister, oder nicht Meister?

    Die Schweinfurter Bezirksliga-Handballer standen vor der Corona-Krise auf Platz eins. Warum sie möglicherweise aber nur Zweiter werden und nicht aufsteigen dürfen.
    Steht wirklich am Ende die '1' vor der Platzierung? MHV-Trainer Marcus Thalhäuser scheint es heraufbeschwören zu wollen. Doch schlussendlich entscheidet der Verband.
    Steht wirklich am Ende die "1" vor der Platzierung? MHV-Trainer Marcus Thalhäuser scheint es heraufbeschwören zu wollen. Doch schlussendlich entscheidet der Verband. Foto: Steffen Krapf

    48 Stunden war die Herrenmannschaft des MHV Schweinfurt von der vermeintlichen Meisterschaft in der Handball-Bezirksliga entfernt. Ein Heimsieg gegen den HSV Thüngersheim am 14. März und man hätte die Sektkorken in der Schweinfurter Humboldthalle knallen hören. Das Team von Trainer Marcus Thalhäuser war schließlich in Topform. Zehn Spiele in Folge verließ der MHV das Parkett stets als Sieger. Dann machte allerdings das Coronavirus dem Schweinfurter Meisterstück einen Strich durch die Rechnung. Zwei Tage vor dem vorletzten Saisonspiel – kurz vor dem Abschlusstraining – zog der Bayerische Handballverband die Reißleine und unterbrach die Saison.

    „Die Sportverbände und auch die Vereine haben super reagiert und sind ihrer Verantwortung gerecht geworden. Die Gesundheit von allen Menschen steht schließlich an Nummer eins“, sagt Thalhäuser jetzt, einen Monat später. Mittlerweile ist auch klar: Die Saison wird nicht zu Ende gespielt. Der BHV ist der Empfehlung des Deutschen Handballbundes gefolgt und hat die Saison abgebrochen. Absteiger wird es keine geben, nur Aufsteiger. Soweit, so deutlich.

    Welche Tabelle wird herangezogen?

    Der Teufel steckt aber wie so häufig im Detail. Noch ist nicht geklärt, welche Tabelle dafür herangezogen wird. Die zum Zeit des Abbruchs ist denkbar, aber auch die Hinrundentabelle – also dann wenn alle Teams einmal gegeneinander gespielt haben – könnte letztlich die finale sein. Bis zum 30. April ist mit einer Entscheidung zu rechnen. Angestrebt ist eine für alle Bundesverbände einheitliche Lösung.

    Für den MHV ist das nicht unbedeutend. Zum Zeitpunkt des Abbruchs stand die Thalhäuser-Sieben auf Platz eins der Tabelle, mit einem Punkt Vorsprung auf Verfolger Mellrichstadt, bei sogar einem Spiel weniger. Wird die Hinrundentabelle gewertet, wird die Konstellation schon etwas komplizierter. Da hatte der TSV Mellrichstadt ein knappes Polster. Allerdings war die Tabelle seinerzeit aufgrund des verzerrten Spielplans wenig aussagekräftig.

    „Es fehlt einem, in der Halle mit den Jungs zu stehen, es sind die sozialen Kontakte, die mir sehr abgehen.“
    Marcus Thalhäuser, Trainer der Schweinfurter MHV-Handballer

    Zu klären gilt es auch, wie mit den Platzierungen verfahren wird, die zur Aufstiegsrelegation berechtigt hätten. Es ist also noch unklar, in welcher Spielklasse die Schweinfurter antreten werden. Was die Planspiele für die kommende Runde deutlich erschwert. Zwar hat der Verein etliche Zusagen aus dem aktuellen Kader für die neue Saison, allerdings gingen die Spieler da auch von der Rückkehr in die Bezirksoberliga aus. Was externe Verstärkungen betrifft – ein zweiter Torhüter stand auf der Wunschliste von Thalhäuser – herrscht Stillstand.

    Ob die Spielzeit 2020/21 überhaupt regulär im Herbst starten wird, ist zum heutigen Zeitpunkt auch noch nicht absehbar. Was wohl nicht zur Debatte steht, sind sogenannte „Geisterspiele“. Ohne Zuschauer würden dem Klub wichtige Einnahmen fehlen. Die Kosten am Spieltag, darunter fallen etwa die Hallenmiete und die Auslagen für die Schiedsrichter, sind nur durch die Eintrittsgelder und den Getränke- und Essensverkauf refinanzierbar.

    Keine Einnahmen, aber auch keine Ausgaben

    Immerhin ist der MHV als Gesamtverein von der Krise finanziell kaum betroffen. Der Verein besitzt keine Liegenschaften, die er unterhalten muss. Zwar sind momentan keinerlei Einnahmen zu verbuchen, Ausgaben aber auch nicht. „Es fehlt einem, in der Halle mit den Jungs zu stehen, es sind die sozialen Kontakte, die mir sehr abgehen“, erzählt Thalhäuser.

    Und natürlich die verhinderte Meisterfeier, die in irgendeiner Form als Saisonabschlussfeier nachgeholt werden soll: „Egal wie die Saison gewertet wird, die Feier haben sich meine Spieler verdient. Und die werden wir uns auch nicht nehmen lassen. Die Jungs haben wirklich alles gegeben, Privates hintenangestellt und sogar Urlaube wegen Spieltagen verschoben.“

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