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    FC 05 muss aus dem Luftschloss ausziehen

    Fussball, Regionalliga Bayern, FC Bayern München II - 1. FC Schweinfurt 05
    Kanal voll: FC-05-Trainer Timo Wenzel war nach den Resultaten der Schweinfurter in November und Dezember bedient. Platz eins und zwei scheinen schon außer Reichweite. Foto: Sven Leifer/foto2press

    Besser als in der vergangenen Saison wollte der FC 05 Schweinfurt in der Fußball-Regionalliga Bayern abschneiden. Als Vorjahresdritter bedeutet das mindestens Rang zwei. Doch davon sind die Nullfünfer, nach 22 von 34 Spielen und abermals als Dritter, in der Winterpause satte neun Punkte entfernt. Dass der FC Bayern München II, dessen klare Vorgabe der Aufstieg in die Dritte Liga ist, ein überlegener Gegner werden könnte, war abzusehen. Dass der Rückstand allerdings neun Zähler bei schon zwei absolvierten Spielen mehr, demnach also mitunter 15 Punkte betragen würde, nicht. Und noch schlimmer, nicht zuletzt finanziell, ist die Tatsache, dass der FC 05 auch den VfB Eichstätt hat enteilen lassen – und damit nur geringe Chanchen auf die abermalige Qualifikation für die DFB-Pokal-Runde hat.

    Im Verein haben Sie ausgerechnet ein Pokalspiel zum Knackpunkt für die Ergebnis-Krise auserkoren. Mit 3:1 hatten die Schweinfurter die Würzburger Kickers scheinbar aus dem Achtelfinale des BFV-Cups gekegelt, um wegen Nichteinhaltung der U-23-Regel später am Grünen Tisch zu verlieren. Diesen Nackenschlag für die Liga heranzuziehen, ist Unsinn: Es folgten zwar zwei Unentschieden gegen Nürnberg und Fürth, aber auch die tolle Serie gegen die Spitzenteams Burghausen (2:0), Eichstätt (3:0) und Ingolstadt (4:1).

    Knackpunkt zwei soll die Verlegung des in dieser Schweinfurter Hochphase angesetzten Bayern-Spiels durch die Münchner auf Anfang Dezember gewesen sein. Ebenso eine fragwürdige Einschätzungen: Denn das Hoch war ratzfatz dahin mit einem peinlichen 0:5 (!) beim Vorletzten Pipinsried, dem ein 2:2 in Illertissen, ein 1:3 gegen Schalding-Heining sowie weitere Punkteteilungen gegen Bayreuth (1:1), Garching (0:0) und Aschaffenburg (1:1) folgten. Kaum vorstellbar, dass angesichts dieser Entwicklung das mit 0:4 verlorenen Spiel in München am ursprünglichen Termin großartig anders verlaufen wäre.

    Die Mannschaft, Rückrunden-13., war von Ende Oktober bis Anfang Dezember nicht in der Lage, selbst dann, wenn sie spielerisch wie kämpferisch nicht schlecht war, zu siegen. Da fehlte es an Qualität, sowohl vor dem Tor, als auch in der Rückwärtsbewegung. Viel zu leicht kamen unterlegene Gegner zu Treffern, bevorzugt in der Schlussphase, als den Nullfünfern bei knappem Vorsprung Befreiungsschläge gereicht hätten.

    Kein Wunder, dass sich Trainer Timo Wenzel von Woche zu Woche mehr echauffierte. „Die Mannschaft ist total verunsichert. Wir müssen jetzt aus dem Tief herauskommen“, war seine finale Erkenntnis vor der Winterpause. Und: „Platz eins oder zwei ist derzeit einfach nicht drin.“ Da nutzt es wenig, dass man die ersten 15 Spiele nicht verloren hatte, da waren ohnehin bereits sieben Unentschieden dabei. Nun, nach 22 Partien sind's deren elf. Eine miserable Quote, die – und da könnte ein Knackpunkt für den Misserfolg liegen – ihren Ursprung am 28. Juli in Garching hatte, als Adam Jabiri spät für Schweinfurt zum 1:1 ausgeglichen hatte, aber in der Nachspielzeit einen Elfmeter ungenutzt ließ. Die anschließende Remis-Flut reicht derzeit nur deswegen zu Rang drei, weil die Liga hinter dem Spitzen-Duo in Mittelmäßigkeit versinkt. Auf dem achten Platz liegt der fidele Dorfklub SV Schalding-Heining, gerade zwei Punkte hinter Aufstiegsfavorit FC 05, der nun aus seinem Luftschloss ausziehen muss.

    Und dem es an einer Führungsfigur fehlt. Der einzige, der das Zeug dazu hat, wäre Christopher Kracun; doch seine lautstarken Ansagen schießen teilweise genauso übers Ziel hinaus wie seine Grätschen. Von den Neuzugängen hätten Florian Trinks oder Stefan Kleineheismann diese Rolle ausfüllen sollen, doch weder der einstige Erstliga-Spieler noch der Drittliga-erfahrene Kapitän haben letztlich die nötige Ausstrahlung. Stefan Maderer (21) hat zwar nach Keeper Alexander Eiban (22) die meisten Einsätze und vier Treffer erzielt, doch auch er ist kein Leader. Da wurden in der Kader-Planung, für die noch der nach dem Kickers-Desaster zurückgetretene Sportleiter Gerd Klaus zeichnete, Fehler gemacht. Von den weiteren Neuen blieb Alexander Piller hinter den Erwartungen zurück, hat der länger verletzte Ronny Philp noch zuviel Rückstand gehabt und sind Gianluca Lo Scrudato wie Noah Schorn eher perspektivisch dabei.

    So hat die Startaufstellung meist gar nicht so große Unterschiede zur letztjährigen. Nur: Auch im zweiten Profijahr haben nur wenige „Alte“ einen Sprung gemacht. Kracun gehört genauso dazu wie Steffen Krautschneider (schon sechs Tore), Marco Fritscher und Philip Messingschlager. Jabiri erfüllt zuverlässig sein Soll als Spitze (10 Treffer), hat aber vermehrt mit Blessuren zu kämpfen. Unterm Strich schaut zwar Vieles auf dem Platz gut aus, ist Wenzels Handschrift im 4-2-3-1- wie auch im 4-4-2-System erkennbar, funktionieren spielverlaufsbedingte Umstellungen auf Dreierkette ebenfalls – nur: Die Mannschaft geht in den entscheidenden Phasen geradezu fahrlässig unnötiges Risiko, nimmt Ballverluste und daraus resultierende Gegentore in Kauf.

    Ihr das nicht austreiben zu können, muss sich der Coach ankreiden lassen, der selbst in solchen Situationen als Verteidiger in Stuttgart, Kaiserslautern oder Augsburg gewusst hat, was zu tun ist. Möglicherweise ist es seine Trainer-Vita, in der vor dem 05-Engagement „nur“ der SV Elversberg II stand, die einige erfahrene Profis die nötige Ernsthaftigkeit hat vermissen lassen. Dann aber drängt sich der Verdacht auf, dass es mit dem Charakter der Mannschaft nicht so weit her ist. Kein Wunder, dass Präsident und Hauptsponsor Markus Wolf bei der Weihnachtsfeier auf den Tisch gehauen und für nächste Saison einen drastischen Schnitt innerhalb des Kaders angekündigt hat. Immerhin steigt 2019/20 der Meister der Regionalliga Bayern direkt auf.

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