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    Marino Müller: Warum der Traum vom Profifußball platzte

    Fussball, BFV Verbandspokal, SV Wacker Burghausen - 1. FC Schweinfurt 05
    Kevin Fery (links) Marino Müller (rechts) feiern ihren BFV-Pokalsieg mit dem 1. FC Schweinfurt 05. Foto: Frank Scheuring (foto2press)

    „Es war alles wirklich schön, aber die Zeit beim DFB war schon speziell. Insbesondere als ich von Horst Hrubesch das erste Mal zu einem Spiel gegen die Ukraine eingeladen wurde. Da bin ich noch in die Startelf reingerutscht. Und dann einzulaufen, das erste Mal mit dem Adler auf der Brust die Nationalhymne zu hören, das ist schon was Besonderes“, erinnert sich Marino Müller, Neuzugang des Bezirksligisten TSV Bergrheinfeld, gerne an seine Jugendzeit – und die Zeit als deutscher Junioren-Nationalspieler – zurück.

    Weil ihn Verletzungen regelmäßig aus der Bahn warfen und den Sprung ins Profigeschäft trotz eines schon geschlossenen Vertrags bei Greuther Fürth verhinderten, greift der 26-Jährige nun in der Bezirksliga an.

    Zimmerkollege von Johannes Geis

    Den Schweinfurter Fußballfreunden ist Müller durch seine vier Jahre beim FC 05 Schweinfurt sowieso ein Begriff, seine Karriere begann jedoch so richtig bei Greuther Fürth. „Ich habe mit der Schweinfurter U 15 gegen Fürth gespielt. Die Fürther sind dann mal zu mir nach Hause gekommen und haben mich schließlich überzeugt, nach Fürth zu wechseln“, so Müller über die Anfänge.

    Zunächst blieb durch das ständige Pendeln viel Zeit auf der Straße, bis der damalige Fürther Johannes Geis, der mittlerweile beim 1. FC Köln kickt, seinen Kumpel schließlich überredete, ins SpVgg-Internat zu ziehen. Das Problem: es war überhaupt kein Zimmer frei. „Wir haben dann ein zusätzliches Bett mit reingeschoben und das erste halbe Jahr auf ungefähr zehn Quadratmetern gewohnt“, muss Müller im Nachhinein lachen.

    Eine Operation lässt den Traum platzen

    Vor allem das Pendeln wirkte sich dann auch negativ auf die Zensuren aus, bis schließlich die Rundumbetreuung im Internat regulierend einwirkte. Hernach lief es für Müller auch ziemlich gut bei den Kleeblättlern, sogar ein Profivertrag war in greifbarer Nähe – und die Juniorennationalmannschaft wurde ebenfalls auf den Offensivmann aufmerksam. „Im Nachhinein war der Wechsel ins Internat genau die richtige Entscheidung, da man sich ganz anders auf den Fußball konzentrieren konnte“, erklärt Müller.

    Die Arbeit geht vor: Der frühere Junioren-Nationalspieler Marino Müller kickt nun wieder für den TSV Bergrheinfeld. Foto: Bastian Reusch

    Dann warf ihn schließlich eine verunglückte Operation zurück: „Den Vertrag hatte ich schon. Ich war auch die meiste Zeit bei der ersten Mannschaft in Fürth dabei, aber einen Tag vor meinem 18. Geburtstag musste ich mir die Weisheitszähne entfernen lassen, das war quasi Bedingung für den Vertrag. Ich hatte in der Folge zunehmend muskuläre Probleme und keiner wusste, woher das kam. Erst, als ich in Schweinfurt unterschrieben hatte, bin ich noch einmal zum Zahnarzt gegangen, der dann feststellte, dass drei der vier Stellen vereitert waren und das den Körper durcheinandergebracht hat.“

    Müller traf die Diagnose damals hart: „Natürlich ist das in dem Moment bitter. Man hat ja seine ganze Jugend danach ausgerichtet und dann bekommt man gesagt, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung geht. Und mein Körper ist auch nie wieder so geworden, wie er mal war.“

    „Mit dem Adler auf der Brust die Nationalhymne zu hören, das ist schon was Besonderes.“
    Marino Müller über seine ersten Momente im Nationaltrikot

     

    Also beschloss Müller, zurück nach Schweinfurt zu kommen und seine Ausbildung zum Speditionskaufmann abzuschließen. Heute hat der Bergrheinfelder seine berufliche Heimat bei einem großen Schweinfurter Kugellagerhersteller in der Lagersteuerung gefunden.

    Auch fußballerisch ging es weiter, denn Müller konnte durch eine Vertragsklausel ablösefrei zu den Nullfünfern zurückwechseln. Dort erlebte er vier durchaus erfolgreiche Jahre, holte mit den Grün-Weißen 2017 sogar den bayerischen Toto-Pokal.

    „Es war wie ein Heimkommen – und die Fans haben mir das durch ihre Anfeuerung sehr leicht gemacht. Zum Abschied war es dann auch schwer, als das ganze Stadion noch einmal meinen Namen gerufen hat und viele Transparente hochgehalten wurden. Das war was Besonderes“, sagt der Bergrheinfelder. Er ist auch nach wie vor mit Vielen in der Stadt eng verbunden, vom damaligen FC-Trainer Gerd Klaus hätte er sich aber manchmal mehr Vertrauen gewünscht: „Als Stürmer braucht man das Vertrauen des Trainers, das hatte ich einfach nicht. Wobei das Trainer-Spieler-Verhältnis generell in Ordnung war.“ Dennoch war die Entscheidung, Schweinfurt wieder zu verlassen, keine der persönlichen Animositäten, sondern eher eine gegen das Profitum – auf das der FC 05 damals umstellte.

    „Vielleicht würde ich mir meine Weisheitszähne nicht mehr rausnehmen lassen.“
    Marino Müller zu seinen früheren Entscheidungen

    „Ich bin vorher ja auch über die Rolle des Einwechselspielers nicht herausgekommen. Zu dieser Zeit war ich topfit, habe aber nicht gespielt, obwohl ich auch gut trainiert hatte. Dann habe ich gesagt, dafür kann ich meinen Job nicht kündigen – selbst, wenn ich Stammspieler gewesen wäre.“

    Das darauffolgende Kapitel TSV Aubstadt war für Müller ebenfalls schnell abgeschlossen, denn das Verletzungspech blieb dem Stürmer treu. In einem Pokalspiel gegen die TuS Röllbach im August 2017 stürzte er schwer auf den Hinterkopf.

    „Die Aussage der Ärzte war, dass ich froh sein konnte, nicht im Rollstuhl zu sitzen. Ich probierte, weiterzumachen, aber es hat dann einfach keinen Sinn mehr gemacht. War halt bitter, aber ich war im Grunde genommen froh, dass nicht mehr passiert ist.“ Nach einer erneuten Pause zog es Müller schließlich zurück nach Bergrheinfeld: „Der Kontakt ist ja nie abgerissen. Ich habe dann im Oktober ein wenig mittrainiert und das hat mir ganz gut gefallen. Durch die Schichtarbeit macht es keinen Sinn, höherklassig anzugreifen. Ich glaube aber, dass ich der jungen Truppe beim TSV mit meiner ganzen Erfahrung sehr gut weiterhelfen kann“, sagt er.

    „Ich würde alle Entscheidungen noch einmal genauso treffen, weil alles Erlebte sich unglaublich auf meiner Persönlichkeitsentwicklung ausgewirkt hat.“ Mit einer Einschränkung: „Vielleicht würde ich mir meine Weisheitszähne nicht mehr rausnehmen lassen.“

     
     

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