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    Leipzig

    Torfabrik Leipzig zu verschwenderisch gegen Freiburg

    Julian Nagelsmann       -  Musste sich mit einem Punkt zufrieden geben: RB-Coach Julian Nagelsmann (r).
    Musste sich mit einem Punkt zufrieden geben: RB-Coach Julian Nagelsmann (r). Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild-Pool/dpa

    Die Macher von RB Leipzig hatten sich natürlich einen feinen Marketing-Gag ausgedacht. Eine Gangway vom nahen Flughafen war angekarrt worden, um die gut drei Meter Höhenunterschied vom Innenraum der Red Bull Arena auf die ungenutzten Zuschauerränge zu überwinden.

    Schließlich ist in Zeiten von Corona Abstand zu wahren und auf den Ersatzbänken der Platz begrenzt. Letztlich nutzte aber nur eine Handvoll Menschen das Treppenungetüm vom Airport, und dann geriet auch noch der Leipziger Offensivfußball beim 1:1 gegen den SC Freiburg in Turbulenzen.

    Aus sagenhaften 22 Torschüssen resultierte letztlich nur der Treffer von Yussuf Poulsen. Der Kapitän hob unnachahmlich ab, köpfte nach 77 Minuten routiniert den Ausgleich - und war am Ende doch nicht glücklich. „Wir haben viel zu viele Chancen liegengelassen. Ich selbst habe Chancen vergeben, die ich normalerweise machen muss. Es ist, als ob wir aus der Sommerpause gekommen wären. Da klappt nicht immer alles”, sagte der dänische Nationalspieler in Diensten des sächsischen Fußball-Bundesligisten.

    Leipzig bot durchaus ein ansehnliches Spiel. Doch ein Remis gegen Freiburg - Manuel Gulde (32.) hatte die Gäste unabsichtlich per Hacke in Führung gebracht - genügt den eigenen Ansprüchen nicht. Und schon gar nicht im Kampf um die Meisterschaft. „Ich hake es nicht ab, aber wenn wir 1:1 spielen und in Freiburg verlieren, dann sind es zu wenig Punkte, um deutscher Meister zu werden”, sagte Trainer Julian Nagelsmann.

    Dabei hatte sich der innovative Coach etwas einfallen lassen für diesen Bundesliga-Neustart. Seine Spieler mögen das als EM-Turnier betrachten. Und gewissermaßen war die Begegnung wie ein klassisches erstes Turnierspiel des Favoriten gegen einen Underdog. Obwohl man sich der eigenen Stärken bewusst war, blieb bis zum ersten Tor eine hemmende Nervosität. Das erste Tor erzielte dann dummerweise auch noch Freiburg, das zudem kämpferisch (55 Prozent der Zweikämpfe) und läuferisch (ein Kilometer mehr) besser war.

    In der Bundesliga ist RB nun Vierter, nachdem Gladbach vorbeigezogen ist. Und zieht man die Qualifikationsplätze für die Champions League als virtuelle EM-Gruppe heran, sogar Letzter. Grund zur Beunruhigung besteht dennoch nicht, zumal bis auf die Chancenverwertung eigentlich alles stimmte. „Die Kaltschnäuzigkeit kommt mit dem Spielrhythmus”, befand Verteidiger Lukas Klostermann. „Mehr Sorgen hätte ich, wenn wir uns nur drei Chancen herausgespielt hätten.”

    Das unterschrieb letztlich auch sein Chef, der vom ersten Geister-Auftritt seiner Mannschaft durchaus angetan war. „Mit den Emotionen war ich total zufrieden”, betonte Nagelsmann. „Man hat gesehen, dass wir unbedingt gewinnen wollten. Wir haben versucht, den Fans vor dem Fernseher ein gutes Spiel abzuliefern.” Mit Einstellung, Willen und Charakter sei er absolut zufrieden.

    In Mainz soll am kommenden Sonntag durchgestartet werden. „Es sind noch acht Spiele, und wir wollen uns die Punkte zurückholen”, sagte Nagelsmann. Das sollte gerade mit den Erinnerungen an das Hinspiel gegen Mainz klappen. Damals gab es mit First-Class-Fußball ein 8:0, und RB hob zu einer Serie von sechs Siegen ab - auch ohne Airline und Gangway.

    Von Tom Bachmann, dpa

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