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    Nürnberg

    Von Hühnern und dem Schah: Früherer „Club”-Boss Roth wird 85

    Michael A. Roth       -  Michael A. Roth, ehemalige Präsident des 1. FC Nürnberg.
    Michael A. Roth, ehemalige Präsident des 1. FC Nürnberg. Foto: Daniel Karmann/dpa

    „Einen Zwinger hatten wir schon, und jetzt haben wir zwölf Hühner, die fleißig Eier legen”, erzählte der langjährige Präsident des 1. FC Nürnberg der Deutschen Presse-Agentur im Interview vor seinem 85. Geburtstag am 13. August.

    Im Garten seines Anwesens vor den Toren von Nürnberg hat Michael A. Roth nun einen Hühnerstall.Schon immer habe es ihn begeistert, wie sein Großvater mit solchen Tieren umgegangen sei. Roth musste dann nicht wirklich lange überlegen, schließlich hat er den Platz und ja auch die Zeit.

    Der frühere Teppich- und Textilunternehmer war zweimal Präsident des 1. FC Nürnberg, einmal von 1979 bis 1983 und dann von 1994 bis 2009. Damals wurde der gebürtige Kitzinger schon mal als „Alleinherrscher”, „Patriarch”, „Napoleon vom Valznerweiher” oder auch Trainer-„Killer” bezeichnet. Es war eine Zeit, in der über flache Hierarchien noch nicht gesprochen wurde. Es gab sie im Grunde nicht - oder es gab sie doch, die Hierarchien waren dann aber so flach, dass nur einer bestimmte.

    „Mir haben solche Schlagzeilen nicht geschadet. Man kann dagegen ja nichts machen. Wenn dich einer auf dem Kieker hat, dann tust du dich schwer”, meinte Roth. Bei solchen Schlagworten müsse man schon „abgebrüht sein”, aber „gestört hat es mich doch ein bisschen”.

    Die Verdienste von Michael A(dolf) Roth um den „Club” sind unbestritten. Als der Vater zweier Kinder in den 90ern wieder Boss beim fränkischen Traditionsverein wurde, schien der Verein am Ende. Die Schulden hatten sich nach Jahren der Misswirtschaft auf weit mehr als 20 Millionen Mark summiert, die Banken wollten dem neunmaligen Meister keinen Pfennig leihen. Roth bürgte. „Unsere Bank war Herr Roth”, sagte der damalige Aufsichtsratschef Klaus Schramm.

    Roth erlebte 1996 den bitteren Gang in die Drittklassigkeit, der dann doch gar nicht so bitter war, weil sich der 1. FC Nürnberg auf seinen Dorftouren „ein bisschen wie der FC Bayern” fühlen durfte. Roth erlebte genauso den größten Triumph der jüngeren Vereinsgeschichte: 2007 gewann eine legendäre Mannschaft unter Trainer Hans Meyer den DFB-Pokal nach einem 3:2 nach Verlängerung gegen den VfB Stuttgart. Auch Roth stand damals strahlend auf dem Rasen des Olympiastadions in Berlin und küsste die Trophäe.

    Ein DFB-Pokal in Miniatur-Ausgabe steht noch heute in seinem Büro, etwa neben dem Bayerischen Verdienstorden und einem Foto des langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Nur ein Jahr nach den kostbaren Momenten in Berlin stieg der „Club” in die 2. Bundesliga ab, danach ging es direkt wieder hoch. Für Roth endete damit die letzte Amtszeit beim FCN. Sportvorstand Martin Bader und Finanzvorstand Ralf Woy wollten den Verein modern aufstellen, Schluss mit einem ehrenamtlichen Präsidenten. Ein Club und sein Boss hatten sich voneinander entfremdet.

    „Ich habe den Club immer schuldenfrei und in der ersten Liga hinterlassen, das ist ja eine Basis. Mir ist am Ende aber vieles zu dumm geworden”, kommentierte Roth, der nicht als Blockierer in Erinnerung bleiben wollte und später zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde. „Wo wird es einem schon gedankt, wenn man sich so einsetzt wie ich? Ich habe meine Zeit und mein Können geopfert. Der 1. FC Nürnberg könnte ganz andere Ziele anstreben. Ich leide aber schon noch mit.”

    Roth hat sich in seinem Leben emporgearbeitet. Als Jugendlicher half er seinem Vater, sammelte altes Metall ein und verkaufte es. 1953 fing er mit dem Handel von Bodenbelägen an, die dicken Geschäfte machte der clevere Kaufmann später vor allem mit Orientteppichen. „50 Prozent unseres Umsatzes haben wir zu Glanzzeiten mit Orientteppichen gemacht”, erzählte Roth, in dessen Wohnzimmer ein Teppich des Schahs von Persien liegt. 2015 ging sein Unternehmen ARO insolvent.

    Der Selfmademan war als „Club”-Präsident nicht unumstritten. Zu autoritär fanden ihn die einen, die anderen kritisierten ihn für derbe Worte. „Nach dieser Vorstellung muss ich sagen, ich habe eine Pistole samt Waffenschein und würde einigen am liebsten das Hirn durchpusten”, schimpfte Roth nach einer Niederlage seines Vereins in der 2. Bundesliga. Ein Reporter der „Abendzeitung” habe damals immer wieder gebohrt. „Auf dem Weg zu meinem Auto habe ich das dann in Rage gesagt, wusste aber nicht, dass der Reporter sein Diktiergerät mitlaufen ließ. Ich hätte natürlich sagen sollen: Den Spielern gehört der Kopf gewaschen”, meinte Roth.

    Den 1. FC Nürnberg verfolgt er aus der Ferne. Den neuen Sportvorstand Dieter Hecking sieht Roth vor einer schweren Aufgabe. „In ihm steckt ja selber noch ein Trainer. Ich stelle deshalb infrage, ob er mit dem neuen Trainer auskommt”, meinte Roth, der es sich zum Geburtstag im Kreis seiner Familie gut gehen lassen will.

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    Von Martin Moravec, dpa

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