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    Fußball: Relegation 2. Bundesliga

    Was bewirkt Wiesingers Weckruf?

    Der Club will im Heimspiel gegen Ingolstadt die Basis für eine erfolgreiche Relegation legen. Der Interimstrainer sieht die siegentwöhnte Mannschaft gut vorbereitet.
    Neue Impulse: Trainer Michael Wiesinger (links) mit Robin Hack, einem der Nürnberger Schlüsselspieler auch für die Relegation.
    Neue Impulse: Trainer Michael Wiesinger (links) mit Robin Hack, einem der Nürnberger Schlüsselspieler auch für die Relegation. Foto: Sportfoto Zink / Thomas Hahn via www.imago-images.de

    Wenn die Mannschaft des 1. FC Nürnberg nur annähernd so viel Entschlossenheit zeigt wie Interimstrainer Michael Wiesinger, dann kann in den beiden Relegationsspielen um den Klassenerhalt gegen den FC Ingolstadt an diesem Dienstag und am Samstag (jeweils 18.15 Uhr/ZDF) eigentlich nichts schief gehen. Zwischen Theorie und Rasen-Praxis klaffen natürlich häufig Lücken. Doch Wiesinger sieht die siegentwöhnte Mannschaft nach wenigen Tagen unter seiner Regie mental aufgeweckt und mit fußballerischer Detailarbeit gut vorbereitet auf das Hinspiel im Max-Morlock-Stadion.

    Dort will der Club die Ausgangsposition schaffen, um den erst zweiten, aber sicher fatalsten Abstieg der 120-jährigen Vereinsgeschichte in die Drittklassigkeit zu verhindern. Der würde den Verein auf Jahre hinaus zurückwerfen. „Wir haben Selbstvertrauen, weil wir der Zweitligist sind“, sagt Wiesinger. Einen riskanten offenen Schlagabtausch werde es allerdings nicht geben, „das will ich nicht“. Dass die Entscheidung nach der ersten Partie schon so gut wie gefallen sein wird, glaubt der 47-Jährige ohnehin nicht. Im Trainingslager in Bad Gögging hätten er und Co-Trainer Marek Mintal versucht, „einen neuen Geist“ im Kader entstehen zu lassen und das Vertrauen der Spieler zu gewinnen. „Es ging darum, einen Pakt zu schließen, es gemeinsam anzugehen.“ Er glaubt, das sei gelungen.

    „Unser Vorteil ist, dass wir durch den Trainerwechsel nicht so zu durchschauen sind.“
    Michael Wiesinger

    Auf dem Platz haben die beiden Trainer versucht, an verschiedenen Stellschrauben zu drehen. Was von der taktischen Formation unter Vorgänger Jens Keller am frühen Dienstagabend noch übrig sein wird, wollte der unter den Fans sehr geschätzte, ehemalige Club-Profi (186 Spiele für den FCN) natürlich nicht verraten. „Unser Vorteil ist, dass wir durch den Trainerwechsel nicht so zu durchschauen sind“, sagte Wiesinger bei der virtuellen Pressekonferenz, die – anders als beim einsilbigen Keller – eine geschlagene halbe Stunde dauerte. Wegen besonders vieler teilnehmender Journalisten, aber auch wegen Wiesingers ausführlicher Antworten auf deren Fragen.

    Dass Wiesinger vor allem resolutere Abwehrarbeit sehen will, hatte er bereits bei seiner Vorstellung am Tag nach dem 1:1 in Kiel, mit dem der Club auf den Relegationsrang gerutscht war, deutlich gemacht. Ein Detail verriet er, das er geändert hat: Im Nürnberger Strafraum werden die Gegenspieler nicht mehr übergeben, das habe häufig nicht funktioniert. Jeder bearbeitet also nun seinen zugeteilten Mann. Im Spiel nach vorne brauche es mehr Präzision als bisher, auch daran sei gearbeitet worden.

    Wiesinger war selbst Trainer beim Gegner FC Ingolstadt, den er 2010 erfolgreich durch die Relegation gegen Hansa Rostock brachte. Co-Trainer Fabian Gerber war sogar letzte Saison noch bei den Schanzern beschäftigt. „Ich freue mich auf bekannte Gesichter“, sagte Wiesinger, „aber das muss man alles ausblenden. Es ist nun mal eine brutale sportliche Konkurrenzsituation.“ Was den Gegner Ingolstadt ausmache, skizzierte Wiesinger mit wenigen Worten: „Wenige Gegentore, wenig Ballbesitz, viele lange Bälle und der Versuch, auf den zweiten Ball zu gehen. Wir müssen auf der Hut sein.“

    Nürnberger Quintett droht Gelb-Sperre

    In seine Überlegungen einbezogen hat er auch, dass die Gelben Karten für die Relegation nicht gestrichen werden und so mit Enrico Valentini, Asger Sörensen, Tim Handwerker, Kapitän Hanno Behrens und Nikola Dovedan (alle viermal Gelb) gleich fünf Nürnberger Gefahr laufen, im Rückspiel gesperrt zu fehlen. Alle wird er also kaum am Dienstag bringen. Wer da nicht in der Startelf stehe, werde vielleicht am Samstag dort gebraucht. Man werde einen großen Kader benötigen. Alle 21 Feldspieler, die in Bad Gögging waren, seien einsatzfähig, sagte Wiesinger vor dem Abschlusstraining. Das würde bedeuten, Abwehrchef Konstantinos Mavropanos könnte seine beträchtlichen Stärken nach drei Spielen Zwangspause gegen Ingolstadt einbringen.

    Den besonderen Druck für seine Profis in den beiden Schicksalsspielen hat Wiesinger auf dem Schirm. Er brauche „Jungs, die alles ausblenden und einer solchen Situation widerstehen“. Er selbst habe damit kein Problem, „ich bin seit 27 Jahren Profi. mich spornt das an“. Am Sonntag, „wenn wir in der 2. Liga sind, möchte ich aber gerne wieder in mein Nachwuchsleistungszentrum zurück“.

    In der Relegation steht es 8:3 für die Dritte Liga

     Die bisherigen elf Relegationsduelle zwischen den Zweit- und den Drittligisten. Nur Dynamo Dresden 2013, 1860 München 2015 und Erzgebirge Aue 2018 setzten sich als Zweitligisten durch.
    2009 SC PADERBORN – VfL Osnabrück 1:0 und 1:0
    2010 FC INGOLSTADT – Hansa Rostock 1:0 und 2:0
    2011 DYNAMO DRESDEN – VfL Osnabrück 1:1 und 3:1 n.V.
    2012 JAHN REGENSBURG – Karlsruher SC 1:1 und 2:2 *
    2013 VfL Osnabrück – DYNAMO DRESDEN 1:0 und 0:2
    2014 SV DARMSTADT 98 – Arminia Bielefeld 1:3 und 4:2 n.V. *
    2015 Holstein Kiel – TSV 1860 MÜNCHEN 0:0 und 1:2
    2016 WÜRZBURGER KICKERS – MSV Duisburg 2:0 und 2:1
    2017 SSV JAHN REGENSBURG – TSV 1860 München 1:1 und 2:0
    2018 Karlsruher SC – FC ERZGEBIRGE AUE 0:0 und 1:3
    2019 SV WEHEN WIESBADEN – FC Ingolstadt 1:2 und 3:2*
    (Vereine in Großbuchstaben Sieger; Sternchen: Entscheidung durch Auswärtstorregel)
    Quelle: dpa

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