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    Fußball: Dritte Liga

    2:1 - Würzburger Kickers jubeln in Mannheim

    Die pure Erleichterung: Kickers-Trainer Michael Schiele freut sich nach Schluspfiff im Kreise seiner Spieler. Foto: Frank Scheuring

    Es fühlte sich an wie eine Erlösung für Fußball-Drittligist Würzburger Kickers. Trainer Michael Schiele rannte, als Schiedsrichter Arne Aarnik die Partie nach sechs Minuten Nachspielzeit abgepfiffen hatte, über den Platz und wollte am liebsten jeden seiner Schützlinge einzeln herzen. 2:1 (1:1) in Mannheim, beim SV Waldhof, dem bis diesen Samstag noch ungeschlagenen Aufsteiger, der saisonübergreifend 29 Mal in Folge nicht verloren hatte. "Der Auftritt war über 90 Minuten leidenschaftlich und mutig. Der Glaube war da", frohlockte Schiele. Der erste Auswärtssieg dieser Spielzeit könnte für die Kickers zum Wendepunkt in einer bislang so schwierigen Saison taugen, auch wenn Schiele warnte: "Es war nur ein Sieg."

    Es war, da gibt es kein Vertun, ein hartes Stück Arbeit, ein knappes Ding. Und ja, die Kickers hatten diesmal auch das Glück, das ihnen in anderen Partien bisweilen gefehlt hatte. Am Ende aber war dieser dringend benötigte Dreier aber durchaus verdient. Weil der unbedingte Siegeswille bei den Rothosen bis unter das Tribünendach zu spüren war und weil die Kickers an diesem Tag Albion Vrenezi in ihre Reihen hatten. Den Spieler, der letztlich den Unterschied zwischen beiden Teams ausmachte. Der Mittelfeld-Mann war schlichtweg der überragende Akteur auf dem Feld und er war es auch, der die Partie mit seinem Traumtor zum 2:1 entschied.

    Aber erst einmal der Reihe nach. Schiele hatte seine Mannschaft im Vergleich zum letzten Liga-Auftritt beim 0:2 gegen Zwickau auf drei Positionen geändert. Der kurz vor Transferschluss verpflichtete Simon Rhein und Frank Ronstadt gaben ihr Startelf-Debüt im Kickers-Dress. Vrenezi war noch rechtzeitig fit geworden. Dafür saßen Dominik Widemann und Luke Hemmerich auf der Bank. Für Abwehrmann Lion Schweers, gegen Zwickau noch in der Startelf, war kein Platz im Kader.

    Nach zwölf Minuten aber mussten die Kickers schon fürchten, dass alle Änderungen verpuffen könnten. Denn auch im zwölften Pflichtspiel dieser Saison schafften es die Würzburger nicht, ihren Kasten sauber zu halten. Die Entstehung des Eckballs war bereits völlig überflüssig. Robert Herrmann hatte nach einem langen Pass den Ball über die eigene Torauslinie bugsiert. Es folgte ein Eckball, bei dem es die Kickers nicht schafften den Ball aus der Gefahrenzone zu bringen und Gian-Luca Korte traf von der Strafraumgrenze aus unhaltbar ins Würzburger Tor. Die frühe Führung für die Hausherren. Ein Wirkungstreffer, wie man eigentlich hätte vermuten können.

    Die Spielerinterviews

    Doch die Kickers ließen sich weder von den lärmenden 8142 Zuschauern noch von der misslichen Tabellensituation beeindrucken. Saison-Gegentor Nummer 22 steckten die Rothosen weg, als ob nichts passiet sei und schafften es tatsächlich sich nach und nach die Hoheit über diese Partie zu erarbeiten. Patrick Sontheimer (25.), Luca Pfeiffer (29.) und Vrenezi (30.) waren mit ihren Chancen bereits an Waldhof-Schlussmann gescheitert. Dann wurde Vrenezi im Strafraum förmlich über den Haufen gerannt. Auch wenn die Mannheimer die Berechtigung des Strafstoßes noch nach der Partie anzweifeln wollten, ein berechtigter Pfiff von Schiedsrichter Aarnik.

    Kapitän Sebastian Schuppan schnappte sich den Ball und verwandelte den Elfmeter trocken in die Mitte des Tores (31.). Es war der längst verdiente Ausgleich für die Rothosen, die mit unermüdlichem Einsatz immer wieder Lücken in die Mannheimer Abwehr rissen, ihrerseits aber noch längst nicht alle Abwehrschwächen abgestellt hatten. Wenn die Mannheimer aber einmal durchkamen, fanden sie fortan im guten Kickers-Keeper Eric Verstappen ihren Meister, wie in der 33. Minute, als der Niedeländer mit dem Fuß einen Versuch von Jan Marx zur Ecke lenkte.

    "Nach der Pause ist Würzburg dann richtig gut aufgetreten", stellte auch Waldhof-Coach Bernhard Trares anerkennend fest. Der Lohn für die couragierten Kickers war das 2:1. Es war eine Willensleistung, die stellvertretend stand für den Auftritt von Vrenezi, der an diesem Samstag überall zu finden war auf dem Feld. In der eigenen Hälfte hatte er sich den Ball selbst erkämpft und nach einem langen Sprint über den halben Platz noch genug Kraft für einen echten Sontagsschuss mitten rein in den Winkel des Mannheimer Tores und ins Waldhof-Herz: das 2:1 für die Kickers (62.). "In der ersten Halbzeit hatte ich auch schon ein paar Gelegenheiten, da ist er Ball noch nicht rein. Aber ich wollte mich heute unbedingt selbst belohnen und das hat zum Glück geklappt", kommentierte Vrenezi seinen zweiten Drittliga-Treffer im Rothosen-Dress.

    Die Entscheidung: Albion Vrenezi trifft zum 2:1. Foto: Frank Scheuring

    Etwas ungläubig wirkten die Hausherren da schon. Nach 29 ungeschlagenen Spielen in Serie hatte im Carl-Benz-Stadion gegen die Kickers doch kaum jemand mit einer Niederlage gerechnet. In einer Szene hatten die Kickers freilich auch, das soll nicht verschwiegen und vergessen werden, Glück: Als Dorian Diring den Ball von der Strafraumkante zum vermeintlichen 2:2 ins Kickers-Tor schoss, lag Kevin Koffi möglicherweise um Zentimeter im Abseits vor Verstappens Kasten. Auf jeden Fall irritierend für den Torhüter, wie Schiedsrichter Aarnik entschied und dem Treffer die Anerkennung verweigerte. Eine mindestens diskutable Entscheidung, die am Ende aber nichts daran änderte, dass der Kickers-Sieg am Schluss redlich erarbeitet war. "Man sieht, dass es wieder nach oben geht", stellte Schiele zufrieden fest. 

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