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    Fußball: Dritte Liga

    2:1 gegen 1860: Kickers setzen ein Ausrufezeichen

    Elva jubelt, die Löwen trauern
    Caniggia Elva (links) feiert seinen Treffer zum 2:0 mit einem Rückwärtssalto. Foto: Meike Kreidler (foto2press)

    So sieht Erleichterung aus. Der Jubel über den 2:1-Heimsieg gegen 1860 München war lautstark und heftig. Von einem "kleinen Heimfluch" hatte Trainer Michael Schiele schließlich bereits gesprochen. Der ist nun erledigt. Der Erfolg vor erstmals in dieser Spielzeit ausverkauften Rängen am Dallenberg war sicherlich der bislang emotionalste in dieser Saison.

    Der Regen hatte noch rechtzeitig aufgehört und so brachten die Kickers an diesem Samstagnachmittag auch noch die letzten Restkarten an den Mann. 10 006 Zuschauer waren gekommen. Das unterfänkisch-oberbayerische Aufeinandertreffen ist für die Anhänger eben doch etwas besonderes. Und das spürten auch die elf Rothosen drunten auf dem Spielfeld, das durch den Niederschlag der vergangenen Tage tief und aufgeweicht war. Die wirkten nämlich vom Start weg bis in die Haarspitzen motiviert, hellwach und spielfreudig. "Die Würzburger haben das Spiel in den ersten 25 Minute entschieden", fand denn auch Gäste-Trainer Daniel Bierofka. Sprich, die Kickers schafften es, den Löwen gleich zu Beginn den Zahn zu ziehen.

    Die Kickers starteten mit Wucht und Offensivfreude in die Partie und wurden dafür auch nach 20 Minuten erstmals belohnt. Patrick Göbel hatte gedankenschnell erfasst, dass die Münchner Kickers-Torjäger Orhan Ademi sträflich viel Platz gelassen hatten. Der Pass kam maßgenau und Ademi bewies im Duell mit Gäste-Keeper Marco Hiller seine Qualität. Sein trockener Abschluss ins kurze Eck sorgte bei den Roten unter den Zuschauern erstmals an diesem Nachmittag für Glückseligkeit. Die Partie schien sich diesmal in die aus Kickers-Sicht gewünschte Richtung zu entwickeln.

    Dabei gab es ja durchaus Gründe für Skepsis. Neben Patrick Breitkreuz (Gelb-Rot) und Phil Ofosu-Ayeh (Rot) war mit Dave Gnaase (zehnte Gelbe Karte) schließlich auch der zentrale Mittelfeldmann der Würzburger gesperrt. Auf seine Position rückte Winter-Neuzugang Patrick Sontheimer, der am Dienstag in Meppen - allerdings in etwas offensiverer Rolle - sein Startelfdebüt für die Kickers gegeben hatte. Der von Zweitligist SpVgg Greuther-Fürth ausgeliehene Mittelfeldakteur agierte so, als sei spiele er schon ewig mit seinen Teamkameraden zusammen, nahm das Heft des Handelns in die Hand und war Dreh- und Angelpunkt des Würzburger Spiels.

    Auch das 2:0 in der 27. Minute leitete Sontheimer mit einem tollen Direktpass ein. Caniggia Elva setzte sich eher zufällig im Zweikampf durch, blieb dann aber im Abschluss eiskalt. Nach dem Treffer in Braunschweig war's im dritten Startelfeinsatz schon das zweite Tor für den 22-Jährigen, der auch noch Gnaases Tor Meppen aufgelegt hatte. "In den letzten drei Spielen konnte ich zeigen, was ich kann", sagte er strahlend. Seinen ersten Heimtreffer feierte er mit einem Rückwärtssalto, in Braunschweig hatte er beim Torjubel einen Flick-Flak und einen gestreckten Vorwärtssalto gezeigt. "Unglaublich", meinte Kapitän Schuppan lachend: "Mal schauen, was er noch so auf Lager hat. Vielleicht macht er das nächste Mal noch eine Schraube dazu."

    Die Noten der Roten: Die Kickers in der Einzelkritik

    Die Kickers waren nach einer halben Stunde bereits auf Siegeskurs und Leon Bätge hatte noch gar nicht sein ganzes Können zeigen müssen. Der 21-jährige Ex-Frankfurter hatte das Vertrauen von Trainer Michael Schiele erhalten, nachdem Stammkeeper Patrick Drewes mit einer Bänderverletzung aus dem Meppen-Spiel ausgefallen war. Drewes war mit Krücken unter den Zuschauern. Welche Verletzung der Torhüter sich zugezogen hat und wie lange er ausfällt, dazu konnte Schiele noch nichts sagen. 

    Bätge freilich zeigte über die gesamte Spielzeit eine höchst konzentrierte und ruhige Vorstellung. "Für ihn habe ich mich sehr gefreut", so Schuppan und stellte zum Gegentor fest: "Das war nulkommanull sein Ding." Tatsächlich war Schuppan vor dem Treffer von Stefan Lex mit seinem Schienbein der Vorlagengeber gewesen, nachdem Bätge einen Schuss von Prince Owusu abwehrt hatte (31.). 

    Das Gegentor trübte ein bisschen den starken Eindruck, den die Kickers in der ersten Spielhälfte hinterlassen hatten. Denn echte Torchancen gewehrten die Kickers den Münchnern außer dieser einen überhaupt nicht. Trotzdem blieb die Partie auch in der zweiten Spielhälfte kribbelig. Denn die Kickers verpassten es, die Partie mit dem dritten Treffer zu entscheiden. Baumann und Fabio Kaufmann brachten den Ball bei besten Kontergelegenheiten nicht im Kasten unter. Aber immerhin stand die Abwehr. "Es war clever, nicht mehr zu viel spielerisch zu probieren, sondern den Ball auch einmal irgendwie aus der Gefahrenzone zu bugsieren", sagte Kapitän Schuppan zur Würzburger Herangehensweise nach dem Seitenwechsel.

    Den Gästen indes fiel schlichtweg gar nichts ein, wie sie den Rothosen gefährlich werden könnten. So stand am Schluss ein 2:1-Sieg, den auch Gäste-Trainer Bierofka als "verdient" bezeichnete und der bei den Hausherren viele Emotionen freisetzte:"Ich habe mich riesig gefreut, dass wir dieses Spiel vor großer Kulisse gewonnen haben und den Leuten gezeigt haben, dass es sich lohnt öfter hier vorbei zu schauen", so Schuppan.

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