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    FUßBALL: DRITTE LIGA

    Was die Kickers erfolgreich macht

    Die pure Freude: Kickers-Trainer Michael Schiele (rechts) jubelt beim Schlusspfiff mit seinem Assistenten Dennis Schmitt... Foto: Frank Scheuring, foto2press

    Was ist bloß mit den Kickers passiert – den Würzburger Drittliga-Fußballer, die am Ende des Jahres 2018 so verzweifelt auf der Suche waren nach dem Erfolgsrezept, das ihnen endlich die nötigen Siege bringt? Die Kickers, die von den letzten elf Partien des vergangenen Jahres nur eine gewannen, reihen nun plötzlich Dreier an Dreier. Das 2:1 in Cottbus war der dritte Sieg im dritten Spiel 2019. Und plötzlich ist der Aufstiegsrelegationsplatz drei (acht Punkte Rückstand) den Würzburgern näher als der erste Abstiegsplatz 16 (neun Punkte Vorsprung). Was hat die Trendwende bei den Rothosen ermöglicht? Die Gründe für den Aufschwung:

    Effektivität

    „Wir haben immer gesagt: ,Wir müssen abgezockter werden.' Das ist uns in den letzten beiden Spielen eindrucksvoll gelungen“, stellte Kickers-Kapitän Sebastian Schuppan nach dem Sieg in Cottbus fest, in jenem Stadion in dem er seine ersten Partien als Fußball-Profi bestritt. Der Würzburger Abwehrchef, der einst für Energie Cottbus ausgebildet wurde, sagte nach dem 2:0 im Stadion der Freundschaft: „Wir sind so weit, dass wir nicht mehr so viele Chancen brauchen, um ein Tor zu schießen.“ Tatsächlich ist neben der Treffsicherheit auch die Zielstrebigkeit ein deutlicher Unterschied zu vielen Partien vor der Winterpause. Im Herbst hatten sie bisweilen den Eindruck vermittelt, sie wollten noch mit dem Ball am Fuß in den Kasten stürmen. Nun suchen die Kickers entschlossen den Torabschluss. Davon profitieren die Angreifer. Dass für beide Stürmer am Samstag sowohl ein Tor, als auch eine Torvorarbeit auf dem Arbeitsnachweis standen, freute Trainer Michael Schiele ganz besonders. Beim ersten Treffer legte Orhan Ademi für Dominic Baumann ab (11.), das 2:0 erzielte Ademi, nachdem Baumann ihn per Kopf bedient hatte (59.). Es sind Automatismen, die den Kickers das Toreschießen erleichtern. Der Angriff mit dem die Kickers das 1:0 nach einem Ballgewinn im Mittelfeld erzielten, schien wie auf dem Reißbrett entworfen und im Training eingeübt zu sein.

    Mannschaftliche Geschlossenheit

    „Ich habe das Gefühl, dass bei uns als Team Mentalität und Ehrgeiz in der Vorbereitung noch einmal extrem geweckt wurden“, sagt Rechtsverteidiger Patrick Göbel. Offenbar hat Trainer Michael Schiele die richtigen Worte gefunden. Das Team präsentiert sich seit dem Neustart als Einheit. Dazu gehört auch, dass sich die Spieler auf dem Feld aushelfen. Offensivmann Simon Skarlatidis sei „fast ein zweiter Linksverteidiger“ gewesen, stellte der eigentliche Mann auf links hinten, Peter Kurzweg, fest, so oft habe der Deutsch-Grieche ihm geholfen.

    Schiele scheint nun eine Stamm-Mannschaft gefunden zu haben. Keine einzige Änderung hatte Schiele nach dem 2:1-Erfolg gegen Aalen an seinem Team vorgenommen. In den elf Partien vor der Winterpause gab es elf verschiedene Anfangsformationen. Einige Führungsspieler sind ohnehin unumstritten. Wie Daniel Hägele und Sebastian Schuppan am Samstag die Abwehrarbeit organisierten, das war beeindruckend. Jetzt aber muss Schiele wieder etwas verändern: Fabio Kaufmann und Peter Kurzweg sind am nächsten Sonntag gegen Rostock gelbgesperrt.

    Konkurrenzkampf

    Wenn die Stammelf feststeht, könnte man vermuten, der Konkurrenzkampf innerhalb des Teams würde leiden. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Die Kicker von der Bank brennen auf ihre Chance, die vermeintlich Etablierten kämpfen um ihre Plätze. Keiner kann davon ausgehen, dass er automatisch spielt. „Im Training fetzt es manchmal richtig“, verrät Göbel. Diesen Eindruck hatte man zu Beginn der Saison nicht immer. Und Schiele ist angesichts der Gelbsperren für die Flügelspieler Kaufmann und Kurzweg nicht bange. Und das obwohl mit Kai Wagner (links) und Maximilian Ahlschwede (rechts) zwei Akteure für diese Positionen den Verein verlassen haben. „Es gibt Alternativen“, sagte Schiele in Cottbus: „Alle haben gut trainiert. Nun bekommen andere ihre Chance.“

    Selbstvertrauen

    Es gehört schon eine ganze Portion Mut dazu, dem Gegner den Ball im Strafraum so kompromisslos vom Fuß zu grätschen, wie Peter Kurzweg dies beim Cottbuser Strele Mamba tat, als dieser alleine in der ersten Halbzeit auf Kickers-Keeper Drewes zustürmte. Nachdem er von Union Berlin erst einmal auf Leihbasis bis Saisonende zu den Kickers zurückgekehrt war, hatte Kurzweg zunächst noch einige Anlaufschwierigkeiten. „Ich habe nicht so leicht reingefunden“, erzählt er. Seit der Wintervorbereitung scheinen aber alle Rothosen an ihre eigenen Stärken zu glauben. Ein Glaube; der mit jedem Sieg wächst. „Wenn wir auf dem Feld genau das machen, was uns stark macht, nämlich geschlossen und kämpferisch auftreten, dann können wir noch viele Punkte holen“, sagt Göbel.

    Die Statistik des Spiels

    Fußball, Dritte Liga Energie Cottbus – Würzburger Kickers 1:2 (0:1) Cottbus: Spahic – Hemmerich, Müller, Matuwila, Schlüter – Mamba, Gjasula, de Freitas, D. Bohl (74. Viteritti), Geisler (81. Holthaus) – Broschinski (58. Rangelov). Würzburg: Drewes – Göbel, Hägele, Schuppan, Kurzweg – Kaufmann (90. Ofosu-Ayeh), Gnaase (73. Hajtic), Bachmann, Skarlatidis – Ademi, Baumann (83. Breitkreuz). Schiedsrichter: Lossius (Sondershausen). Zuschauer: 5058. Tore: 0:1 Baumann (11.), 0:2 Ademi (59.), 1:2 Rangelov (78.). Gelb: D. Bohl (1), Matuwila (5) / Gnaase (7), Kurzweg (5), F. Kaufmann (5), Drewes (1)

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