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    Unterwasserrugby

    Voller Körpereinsatz unter Wasser

    Überhaupt nicht zimperlich: Beim Unterwasserrugby wird bisweilen mit harten Bandagen gekämpft. Foto: Archivdpa

    Es ist für den unwissenden Beobachter schon merkwürdig, was da im Schwimmbad in der Lindleinsmühle zu sehen ist. Sechs erwachsene Menschen mit Schwimmbrille, Schnorchel und gleichfarbigem Badeanzug oder Badehose sitzen auf einer Holzbank am Beckenrand und starren auf die Wasseroberfläche, auf der ab und zu ein Kopf zu sehen ist. Als ein akustisches Signal erklingt, klatschen die Taucher mit ihren Schwimmflossen auf die Beckenfliesen. Das sieht lustig aus. Ich muss spontan – Entschuldigung, liebe Athleten – an nach Fisch bettelnde Seehunde denken. Dabei ist das der Siegesjubel in einer Sportart, die genauso selten wie anspruchsvoll ist: Unterwasserrugby.

    Von außerhalb des Beckens – so viel geben die Athleten ungeniert zu – kann man ihren aus Nordeuropa stammenden Sport so gut wie gar nicht verfolgen, denn der größte Teil der Aktionen spielt sich in bis zu 3,80 Meter Tiefe ab. Ich steige also ins Wasser, um mir selbst ein Bild zu machen. Schlau werde ich aus dem Durcheinander vorerst nicht und habe mit mir selbst zu kämpfen: Die geliehene Taucherbrille beschlägt andauernd, ich bin das Atmen durch einen Schnorchel nicht gewöhnt und schlucke Wasser, und spätestens nach der 15-minütigen ersten Halbzeit werden meine ungeübten Arme vom auf-der-Stelle-Schwimmen am Spielfeldrand müde. Ich vermute, dass die gastgebenden Würzburger, die sich liebevoll Planktons nennen, gegen Pößneck leicht im Nachteil sind, erfahre nach dem Spiel aber, dass sie tatsächlich eine deftige 18:1-Niederlage kassiert haben. Ich merke schnell, dass dieser Sport vieles von dem verbindet, was zu meinen Schwächen gehört – und kann mir trotzdem gut vorstellen, warum er die Teilnehmer begeistert.

    Unterwasserrugby bedeutet tatsächlich, dass so ziemlich alles getan werden kann, um den Gegner daran zu hindern, den mit Salzwasser gefüllten, etwa Handball großen Spielball in den zu verteidigenden Korb am Beckengrund zu befördern. Wichtig sind dabei neben der Ausdauer die Orientierung im dreidimensionalen Raum, schnelle Übersicht, das wortlose Verständnis mit den Mitspielern und eine gewisse Robustheit. Da sich von den pro Mannschaft je sechs Spielern und Spielerinnen ein Großteil um das Tor scharrt, bleibt es ein Rätsel, wie die beiden Schiedsrichter in den Taucheranzügen und der Spielleiter über Wasser, die sich mit Unterwasserhupen bemerkbar machen, überhaupt immer sicher sein können, ob der mit vollem Umfang den oberen Ring des Korbs passiert hat. Auch bin ich erstaunt darüber, dass trotz fehlender Beschränkungen in allen Mannschaften des Würzburger Zweitliga-Turniers Frauen zu finden sind und dass die Altersunterschiede so groß sind.

    So gehört zur Würzburger Mannschaft, die nach ihrem Aufstieg aus der Landesliga Bayern heuer wieder in der 2. Bundesliga Süd antritt, die U-21-Nationalspielerin Stephanie Popp genauso wie der 51-jährige Peter Endres, der diesmal auf Grund einer Arbeitsverletzung nicht teilnehmen kann. Er ist nicht der einzige fehlende Akteur bei den Würzburgern, die beim Heimwettkampf eine weitere deutliche Niederlage (0:9 gegen Langenau) kassieren. Doch es gehe gar nicht in erster Linie um den sportlichen Erfolg, betont Endres, der die in Würzburg schon seit 40 Jahren ausgeübte Sportart seit etwa 30 Jahren betreibt, sondern um die Gemeinschaft und den Spaß am gemeinsamen Hobby. Neulinge, die oft aus der Kooperation mit der Universität Würzburg entspringen, müssten zwar Geduld und Durchhaltevermögen mitbringen, seien aber jederzeit willkommen. Auch in der Jugendarbeit sei man aktiv und hätte mit der 14-jährigen Helena Landeck sogar eine deutsche U-15-Meisterin in den eigenen Reihen.

    Aber mich konnten sie nicht als neues Mitglied der Tauchsportgruppe Würzburg (www.maintaucher.de) gewinnen, was in erster Linie etwas mit meiner Angst vor offenen Gewässern zu tun hat. Dass Unterwasserrugby aber ein Sport ist, der – wie ohnehin die meisten Schwimmsportarten – nicht nur mit einem geringen Verletzungsrisiko einhergeht und den Körper ganzheitlich und trotzdem schonend trainiert, steht außer Frage. Wobei der Aspekt der dreidimensionalen Orientierung einen besonderen Reiz darstellt. Ich zumindest bleibe aber dem Rasensport treu, weil ich dort zum einen meinem naturgegebenen Atemtrieb ungehindert nachgeben kann und außerdem nicht Gefahr laufe, ständig Flossen ins Gesicht zu bekommen – und weil ich für Unterwasserrugby ganz einfach zu zimperlich bin.

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